Spielmanipulation: Pokalsieger Karviná muss zur Strafe in zweite Liga, kündigt aber Berufung an

Im Skandal um Spielmanipulationen und Wettbetrug im tschechischen Fußball hat die Ethikkommission des Verbandes FAČR erste Strafen ausgesprochen. Sie treffen den Pokalsieger MFK Karviná und seine Leute.

Noch vor knapp einem Monat hatte die Mannschaft des tschechischen Fußballvereins MFK Karviná großen Grund zum Jubel: Sie feierte den Pokalsieg im Finale gegen den FK Jablonec.

Doch seit diesem Dienstag ist die Welt überhaupt nicht mehr in Ordnung für den Klub aus dem Nordosten des Landes. Die Ethikkommission des Fußballverbandes hat ihn nämlich wegen der Manipulation von drei Spielen der ersten Liga bestraft. Das Urteil lautet: Abstieg in die zweite Liga und eine Strafe von zehn Millionen Kronen (410.000 Euro) für den Verein als solchem. Zugleich soll der Oberbürgermeister der Stadt Karviná und langjährige Vereinsvorsitzende, Jan Wolf, zwölf Jahre lang nicht mehr im Fußball tätig sein dürfen und muss drei Millionen Kronen (124.000 Euro) an Strafe zahlen. Und ebenso wurden fünf Spieler des Klubs für 15 Monate bis zwölf Jahre vom Fußball ausgeschlossen und erhielten Geldstrafen.

Der Fall des MFK Karviná gehört zu einem großen Skandal um Spielmanipulationen und Wettbetrug, der im März dieses Jahres hierzulande ans Licht kam. Zahlreiche Spieler und Funktionäre auch weiterer Vereine sowie Schiedsrichter sind in diese Causa verwickelt.

Im Verein, aber auch im Rathaus von Karviná trifft das Urteil auf Unverständnis. So sagte etwa der Stadtverordnete Ladislav Hammer („Freiheit und direkte Demokratie“) aus den Reihen der Opposition in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Das Urteil ist nicht gerade schön. Ehrlich gesagt kommt mir die ganze Causa komisch vor. Denn weltweit gibt es Korruption im Fußball und natürlich auch in Tschechien. Die Strafe, die wir erhalten haben, erscheint mir ziemlich hart. Man hat einen Sündenbock gefunden, und das ist der kleine Verein MFK Karviná.“

Überzeugt von eigener Unschuld

Das Urteil der Ethikkommission ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Innerhalb von fünf Tagen kann dagegen Berufung eingelegt werden. Sowohl der Verein als auch die verurteilten Einzelpersonen weisen die Anschuldigungen von sich, Ligaspiele beeinflusst zu haben. Deswegen kündigte der Verein bereits an, in Berufung gehen zu wollen, und veröffentlichte dazu eine Erklärung. In dieser heißt es unter anderem:

Quelle: MFK Karviná

„Wir haben eine Reihe an Beweisen zu unseren Gunsten vorgeschlagen. Deswegen sind wir jetzt überrascht, dass die Ethikkommission des Verbandes keinen dieser Beweise anerkannt hat. Unserer Ansicht nach handelt es sich um eine überstürzte Entscheidung.“

Und Karvinás Oberbürgermeister Wolf will ebenfalls die Möglichkeit der Berufung nutzen, wie er mitteilte. Dies geht aus einer Pressemitteilung hervor.

„Mit der Entscheidung der Ethikkommission des Verbandes stimme ich nicht überein und halte sie für nicht richtig. Ich weise zurück, dass ich mir irgendeine Korruptionshandlung habe zuschulden kommen lassen, und lehne auch die Schlussfolgerungen ab, auf deren Grundlage ich für schuldig befunden wurde“, führt Wolf an.

Was macht die Uefa?

Was würde jedoch eine Berufung des Vereins gegen das Urteil bedeuten? Pavel Jahoda ist Sprecher des tschechischen Ligaverbandes (Ligová fotbalová asociace) und erläuterte:

„In dem Fall bleibt bis zu einer Entscheidung der Berufungskommission des Verbandes der Status quo erhalten. Das heißt, dass Karviná bei der Auslosung der nächsten Saison der ersten Liga als Teilnehmer geführt wird und Dukla Prag weiter der einzige Absteiger aus der höchsten Liga ist.“

Illustrationsfoto: Radio Prague International

Beobachter gehen davon aus, dass die Berufungskommission des Verbandes erst nach der Auslosung der neuen Saison entscheiden wird, ob das Urteil gegen den MFK Karviná aufrechterhalten, verschärft oder abgemildert wird. Sollte die Berufung keinen Erfolg haben, würde die Liga in der anstehenden Saison nur mit 15 Vereinen laufen.

Eine weitere Frage ist die der Teilnahme am europäischen Pokalgeschehen. Denn Karviná ist als Pokalsieger sportlich für die zweite Vorrunde der Europa League qualifiziert. Doch die Uefa als Ausrichter des Wettbewerbs ist bei dem Verdacht von Spielmanipulationen äußerst strikt. Fachleute bezweifeln, dass sie Karviná international spielen lässt. Entweder rückt dann ein anderer tschechischer Verein nach, oder der Verband könnte sogar um einen Platz in den Europapokalwettbewerben kommen. Bis Mittwochmittag hatte sich die Uefa noch nicht zu dem Fall geäußert.

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČTK
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