Kampf gegen die Wettmafia: Größte Polizeirazzia in der Geschichte des tschechischen Fußballs

Von links: Martin Holub, Vorsitzender der Ethikkommission, Kamil Javůrek, Integritätsbeauftragter des Tschechischen Fußballverbands, und David Trunda, Vorsitzender des FAČR

Tschechien ist eines jener Länder der Welt, in denen besonders viele verdächtige Sportwetten laufen. Und dies auch im Fußball. Nun hat die Polizei einen großangelegten Wettskandal aufgedeckt und ist am Dienstag gegen die Beteiligten vorgegangen. Es handelt sich laut der Verbandsführung um die größte Razzia in der Geschichte des tschechischen Fußballs.

Die Razzia war lange vorbereitet worden. Über drei Jahre hinweg hatte die Polizei zur Wettmafia im tschechischen Fußball ermittelt. Am Dienstag schlug sie zu.

Radim Dragoun | Foto: Vít Šimánek,  ČTK

„Die Polizeizentrale zum Kampf gegen das organisierte Verbrechen, die Kriminalpolizei und die Polizeidirektion für den Kreis Zlín führen derzeit Maßnahmen im Rahmen eines Strafverfahrens durch. Das sind Durchsuchungen von Häusern und Grundstücken. Zudem wurden Personen verhört, die der Korruption und des Betrugs im Zusammenhang mit Sportwetten verdächtigt werden. Die Maßnahmen finden an mehreren Orten in Tschechien und im Ausland statt“, so formulierte es der zuständige Oberstaatsanwalt Radim Dragoun aus Olomouc / Olmütz in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Es geht um Spielmanipulationen und Wettbetrug von der vierten bis zur ersten Liga seit 2023. Der tschechische Fußballverband FAČR spricht von der größten Razzia in seiner Geschichte. Bei einer Pressekonferenz betonte Verbandspräsident David Trunda, dass man selbst die Polizei kontaktiert habe. Und der Integritätsbeauftragte des FAČR, Kamil Javůrek, erläuterte:

Foto: Jaroslav Ožana,  ČTK

„Der Fußballverband war der Initiator, der die tschechische Polizei auf das Problem von Spielmanipulationen aufmerksam gemacht hat. Und neben den polizeilichen Ermittlungen haben wir auch die ganze Zeit intern Nachforschungen angestellt. Dies geschah in Zusammenarbeit mit der Abteilung der Uefa zum Kampf gegen Spielmanipulationen, aber auch mit ausländischen Kollegen. Diese Kooperation war sehr breit.“

Die Ethikkommission des Verbandes hat mittlerweile 47 Disziplinarverfahren eingeleitet. Betroffen sind Spieler, Schiedsrichter und Vereinsfunktionäre. Im Mittelpunkt stehen vor allem der Erstligaklub aus dem schlesischen Karviná und der Zweitligist SFC Opava.

Jan Wolf | Foto: Alexandr Satinský,  Profimedia

Sowohl bei den polizeilichen als auch bei den verbandsinternen Ermittlungen wurde zwei Strängen nachgegangen. Das eine sind typische Spielbeeinflussungen, um Vereine etwa vor dem drohenden Abstieg zu bewahren. So etwas soll es zum Beispiel im Relegationsduell um die erste Liga zwischen Karviná und Vyškov zu Ende Mai und Anfang Juni vergangenen Jahres gegeben haben. Da soll Karvinás Oberbürgermeister Jan Wolf (Socdem) dem Verteidiger Filip Štěpánek von Vyškov insgesamt 100.000 Kronen (knapp 4100 Euro) an Bestechungsgeld gezahlt haben, damit dieser den Verbleib des Erstligaklubs in der höchsten Spielklasse sichere. Der Klassenerhalt gelang letztlich.

Sehr viel umfangreicher ist jedoch der zweite Strang der Ermittlungen, in dem es um Wettbetrug geht. Verbandspräsident Trunda sagte bei der Pressekonferenz:

David Trunda | Foto: Michal Růžička,  MAFRA / Profimedia

„Ich werde alles dafür tun, dass die Wettmafia aus dem tschechischen Sport verschwindet und die Organisatoren dieses Betrugs für immer aufhören. Denn für ein solches Verhalten besteht im Sport und im tschechischen Fußball absolut kein Platz.“

Es sind Fälle wie dieser: Im November vergangenen Jahres sollen vier Spieler des Zweitligavereins aus Chrudim dafür gesorgt haben, dass der Gegner aus Jihlava in einem Testspiel mindestens vier Tore erzielt. Das Spiel ging auch tatsächlich 4:1 für Jihlava aus. Die Informationen des Fußballverbandes zeigen, dass Spieler für solche Manipulationen zugunsten einer Wette zwischen 1000 und 5000 Euro erhalten. Die Investigativjournalistin Adéla Paclíková vom öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (ČT) deutete am Dienstag die Ausmaße des Wettbetrugs an…

„Das System besteht aus mehreren Ebenen. Was auf dem Fußballplatz geschieht, ist nur der eine Teil. Der andere spielt sich häufig auf dem Sportwettenmarkt im Ausland ab, besonders in Asien. Man muss also nicht nur die Spieler haben, sondern auch diejenigen, die ihr Geld einsetzen, sowie die sogenannten Investoren, die eine relativ hohe Summe als Ausschüttung ermöglichen“, so die Redakteurin.

Der tschechische Sport steckt tief drin in dem Wettbetrug. Als Interpol im Herbst 2024 dazu in Prag eine Tagung veranstaltete, wurden Zahlen genannt. So hat die Schweizer Firma Sportradar ein System zur Erkennung manipulierter Sportwetten entwickelt. Demnach wurden 2023 in Tschechien die zweitmeisten Spiele registriert, die der Manipulation verdächtig waren. Auf dem ersten Platz landete Brasilien.

Verbandspräsident Trunda hofft, dass das jetzige Vorgehen der Polizei ein weiterer Schritt ist, um den tschechischen Fußball irgendwann komplett von Manipulationen und Betrug zu befreien. Und das, obwohl die Razzia nur zwei Tage vor dem wichtigen Halbfinale in den Play-offs zur WM zwischen Tschechien und Irland erfolgte.

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , Česká televize , ČTK
schlüsselwörter:
abspielen