Historisches Zentrum Prags seit 55 Jahren denkmalgeschützt, Bewohner kämpfen um den Alltag

Prag

Prag ist eine der schönsten historischen Städte Europas. Damit sich dies auch für weitere Generationen nicht ändert, wurde der alte Kern am 21. Juli 1971 denkmalgeschützt.

Prag | Foto: Juan Pablo Bertazza,  Radio Prague International

Die Denkmalschutzzone ist 895 Hektar groß. Sie umfasst alles, was man allgemein mit Prag verbindet: Altstadt, Kleinseite, Burgviertel, Neustadt, der Vyšehrad und große Teile des Moldauufers inklusive der Flussinseln. Hier treffen mittelalterliche Gassen auf romanische Keller, gotische Kirchen, Barockpalais und moderne Architektur. Und das alles in einer lebendigen Stadt, die nicht durch einen Krieg zerstört oder durch großflächige Umbauten verändert wurde.

Schönheit und Touristenmassen

Foto: user32212,  Pixabay,  CC0 1.0 DEED

1992 wurde das Stadtzentrum in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen. Der Grund war simpel: Prag bietet ein einzigartiges Panorama, außergewöhnlich vielfältige Architektur und ein authentisches historisches Stadtbild. Tschechien hat sich damit verpflichtet, dies alles zu bewahren.

Prager Altstadt | Foto: Jarod Barton,  Pexels,  CC0 1.0 DEED

So ist auch weiter das Prager Stadtzentrum für die Besucher ein teils romantischer, teils aufregender Ort voller Geschichte. Für die Bewohner dort stellt sich dies aber schwieriger dar. In der Denkmalschutzzone der tschechischen Hauptstadt leben heute 45.000 Menschen. Das ist die Hälfte gegenüber dem Stand der 1980er Jahre. Viele Häuser wurden in Hotels oder Geschäfte, Mietwohnungen in Ferienwohnungen vom Typ Airbnb umgewandelt. Das heißt, dass das alltägliche Leben immer mehr aus dem Zentrum verschwindet.

Der Tourismus ist wichtig für eine Stadt wie Prag. Zugleich bedeutet er aber überfüllte Straßen und Fußgängerzonen, Lärm und fehlende Infrastruktur für die Bewohner.

Illustrationsfoto: Karthik Sridharan,  Flickr,  CC0 1.0 DEED

Suche nach dem Gleichgewicht

Blick auf Pankrác | Foto: Juan Muttoni,  Radio Prague International

Neben dem Übertourismus weist die Unesco noch auf ein weiteres Problem hin, das den Schutz als Welterbe gefährden könnte: den Bau neuer Hochhäuser in den Stadtteilen Žižkov und Pankrác, die das Stadtpanorama verändern würden.

Prag versucht seit einigen Jahren, die Lage zu verbessern. So hat der Magistrat einen Plan zur Pflege des Unesco-Kulturerbes verabschiedet und damit begonnen, die Bautätigkeit rund ums Zentrum zu regulieren. Das Ziel ist zwar einfach, aber schwierig umzusetzen: die Schönheit Prags inklusive Alltagsleben zu bewahren – und nicht zu einem touristischen Freilichtmuseum zu verkommen.

Foto: inextremo96,  Pixabay,  Pixabay License
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