Architekt des NS-Terrors: Reinhard Heydrich vor 85 Jahren in Prag eingetroffen
Er galt als Symbol der brutalen Macht der Nationalsozialisten: Vor 85 Jahren kam Reinhard Heydrich ins „Protektorat Böhmen und Mähren“ und entfachte eine Terrorwelle.
Als am 27. September 1941 auf dem Flughafen Kbely vor den Toren von Prag ein Flugzeug mit Reinhard Heydrich landete, dürften die wenigsten Bewohner des Protektorats gewusst haben, wer dieser hochrangige Nationalsozialist wirklich war. Am folgenden Tag wurde sein Ankommen auf der Prager Burg von einer Militärparade, Marschmusik und nationalsozialistischen Hymnen begleitet. Es dauerte keine 48 Stunden, und der Name Heydrich rief in Böhmen und Mähren die schiere Angst hervor.
Bekämpfung des tschechischen Widerstandes
In Berlin war man nicht zufrieden gewesen mit dem bisherigen sogenannten Reichsprotektor Konstantin Freiherr von Neurath. Der Protektor war der Quasi-Herrscher über das Protektorat, dessen Regierung nur eine Scheinautonomie hatte. Für Adolf Hitlers Geschmack ging Neurath nicht schonungslos genug gegen den tschechischen Widerstand und seine Sabotageakte vor. Dabei war die deutsche Kriegsmaschinerie von der tschechischen Rüstungsindustrie abhängig. Heydrich galt als kalter Technokrat der Macht – ein Mensch ohne Emotionen, aber umso effektiver bei der Organisation von Verbrechen. Seit Juli 1941 war er einer der Hauptorganisatoren des Holocaust, zudem stand er dem Reichssicherheitshauptamt vor. Hierzulande hatte er die Position des stellvertretenden Reichsprotektors inne.
Standrecht und Ermordung der Eliten
Heydrich legte sofort los. Noch am Tag seiner Ankunft ließ er den Vorsitzenden der Protektoratsregierung, General Alois Eliáš, festnehmen, der Kontakt zum Widerstand im In- und Ausland hatte. Danach rief er das Standrecht aus.
Die NS-Gerichtsbarkeiten ordneten innerhalb weniger Minuten Todesstrafen an. Dabei wurde das Rückgrat des tschechischen Widerstands getroffen: die Leitung der Organisation „Obrana národa“ (Verteidigung der Nation), so wurden unter anderem die Generäle Josef Bílý und Hugo Vojta ermordet. Die Verhaftungswelle betraf zudem die Vertreter des Turnerbundes Sokol und der Pfadfinder, die ebenfalls in den tschechischen Widerstand eingebunden waren, sowie Lehrer und Kommunalpolitiker wie etwa den Prager Oberbürgermeister Otokar Klapka. Heydrich verbot letztlich den Sokol und schickte 1500 seiner Mitglieder in Konzentrationslager.
Der Umfang der Repressionen lähmte die Politiker im Protektorat. Präsident Emil Hácha und die Regierung gaben jegliche Art verdeckten Widerstandes auf und wurden zu Marionetten in den Händen Hitlers.
Zucker für die Arbeiter
Dabei ging Reinhard Heydrich zweigleisig vor: Während er Intelligenz und Widerstand bedingungslos bekämpfte, wählte er bei den Beschäftigten in der Schwerindustrie eine pragmatische Linie. Sein Motto war, dass der tschechische Arbeiter zu essen bekommen müsse, um Waffen für die deutsche Wehrmacht herstellen zu können.
Also führte das Regime in der damaligen Zeit des allgemeinen Mangels und der Lebensmittelkarten höhere Zuteilungen für Arbeiter ein und vermittelte Erholungsaufenthalte in Kurorten. Dadurch ließ sich ein Teil der Bevölkerung im Protektorat beruhigen, und die Produktion von Rüstungsgütern lief vorerst weiter.
Weg zum Attentat
Während der Widerstand in Böhmen und Mähren selbst zusammenbrach, kam es zu einer Reaktion der Kräfte im Ausland. Die tschechoslowakische Exilregierung in London begann schon wenige Tage nach Heydrichs Ankunft in Prag, an Plänen zu seiner Beseitigung zu arbeiten. Und es fanden sich auch im Land selbst noch einige Vertreter des Widerstands, die mobilisiert werden konnten. Daher sprangen bereits im Dezember 1941 Fallschirmjäger aus dem britischen Exil über dem Protektorat ab – unter der Leitung der beiden Unteroffiziere der tschechoslowakischen Exilarmee Jan Kubiš und Jozef Gabčík. Am 27. Mai 1942 verübten sie dann das Attentat auf Reinhard Heydrich, das einzige erfolgreiche auf einen führenden NS-Funktionär.







