Tschechische Raumfahrtmission wird konkret: Svoboda soll 2027 ins All fliegen

Aleš Svoboda

Das Warten hat offenbar bald eine Ende: Der tschechische Astronaut Aleš Svoboda wird wahrscheinlich im kommenden Jahr zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen. Zuletzt war 1976 ein Tscheche im All.

Es wird konkret: In der zweiten Jahreshälfte soll Aleš Svoboda ins Weltall fliegen. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat am Montag mit dem US-amerikanischen Weltraumunternehmen Vast eine Vereinbarung unterzeichnet, die Tschechien einen Platz bei dem geplanten Flug zusichert. Svoboda soll demnach als Pilot fungieren, und dem misst er große Bedeutung bei:

„Dass Tschechien in der Besatzung die Rolle des Piloten haben wird, ist absolut fundamental. Weltweit gibt es nur zwei Dutzend Piloten für das wiederverwendbare Raumschiffmodul Crew Dragon. Und aus Europa stammen, soweit ich weiß, nur zwei.“

Aleš Svoboda | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

Damit wird Svoboda eine hohe Verantwortung für die Sicherheit des Fluges tragen. Sein Training als Reserveastronaut hat der Armeepilot in den vergangenen zwei Jahren in Köln absolviert. Nun erwartet den 39-Jährigen eine wesentlich intensivere Vorbereitung. Gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks erläuterte er:

„Das Ganze wird vor allem in den USA stattfinden. Dazu gehören Schulungen bei Space X, der Nasa und weiteren Partnerorganisationen. Space X ist dabei, weil es das Raumschiff Crew Dragon sowie die Trägerrakete Falcon 9 liefert. Also verläuft ein großer Teil des Trainings bei diesem Unternehmen. Die Nasa wiederum hat ihr Trainingszentrum in Houston in Texas, wo die Astronauten auf die ISS vorbereitet werden.“

Milliardenschwere Investitionen

Der Flug wird die erste kommerzielle Mission des Unternehmens Vast zur ISS sein. Das Kommando hat der Franzose Thomas Pesquet. Weiter schildert Svoboda:

„Es wird sich um eine vierköpfige Besatzung handeln. Die Vereinbarung mit Vast hat Frankreich vergangene Woche bekanntgegeben. Nun ist es noch nötig, die letzten Teilnehmer unserer Besatzung aufzufüllen. Und dann geht der Vorschlag an das internationale Board, dem die Nasa vorsitzt. Dort muss die Besetzung genehmigt werden.“

Thomas Pesquet | Foto: Martin Balucha,  Tschechischer Rundfunk

Die Entscheidung der ESA für die tschechische Beteiligung wurde am Montag in einer hochkarätig besetzten Pressekonferenz im Planetarium in Prag präsentiert. Dabei waren Premier Andrej Babiš, Vizepremier Karel Havlíček (beide Partei Ano), Verteidigungsminister Jaromír Zůna und Bildungsminister Robert Plaga (beide parteilos). Havlíček informierte, dass Tschechien sich den Weltraumflug zwei Milliarden Kronen (83 Millionen Euro) kosten lasse. Das Geld kommt aus den Töpfen der Ministerien für Verkehr sowie für Verteidigung. Und Premier Babiš betonte, dass die Investitionen in Weltraumaktivitäten zugleich Investitionen in die Zukunft des ganzen Landes seien.

Zwei Wochen wird die Mannschaft auf der ISS sein. Ihre Hauptaufgabe seien wissenschaftliche und technologische Versuche, wie der Direktor der Sternwarte in Brno / Brünn, Jiří Dušek, beschreibt:

Jiří Dušek | Foto: Romana Kubicová,  Tschechischer Rundfunk

„Die Experimente betreffen vor allem Fragen der Biologie, etwa des menschlichen Körpers. Es gibt zum Beispiel Versuche zur Stressbelastung oder mit KI-Modellen zu körperlichen Reaktionen. Die technologischen Experimente beziehen sich etwa auf Nanoroboter und ihr Verhalten in kosmischer Umgebung oder auf die Krebsforschung.“

Aleš Svoboda wird der erste Tscheche auf der ISS sein. Im Universum war hingegen schon ein Landsmann vor ihm: Vladimír Remek hat 1976 acht Tage im All verbracht. Am Montag sagte er über die kommende Flugbesatzung:

„Ich wünsche ihnen natürlich, dass sie ihr geplantes Programm erfüllen können. Und dass sie heil zurückkommen. Für die Reise habe ich ihnen ein Abzeichen übergeben, das ich vor 50 Jahren selbst an meinem Raumanzug getragen habe. Wenn Aleš Svoboda es wirklich mit nach oben nimmt, werde ich das Gefühl haben, dass ich noch einmal losgeflogen bin.“

Autoren: Daniela Honigmann , Karolína Burdová | Quelle: Český rozhlas
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