ISS-Mission von Aleš Svoboda wird auch tschechische Wissenschaft voranbringen
Noch bis Sonntag läuft die Czech Space Week. In Prag, Brno / Brünn und Olomouc / Olmütz werden die vielen Aspekte des Universums gezeigt und für eine Karriere in Weltraumforschung, Technik oder Raumfahrt geworben. Vorbild sind der tschechische Astronaut Aleš Svoboda und seine anstehende Mission.
Wenn Aleš Svoboda ins All fliegt, wird er eine Menge zu tun haben. Der tschechische Astronaut soll Ende 2027 zur Internationalen Raumstation (ISS) reisen. Und dort wird er Experimente für insgesamt 13 wissenschaftliche Projekte durchführen, die gerade von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) für seine Mission ausgewählt wurden.
Dabei wird Svoboda nicht nur technische Geräte testen und mathematische Daten erheben. Die Forscher mehrerer einheimischer Universitäten und Firmen sind etwa auch an einer Dokumentation von Svobodas Körperfunktionen interessiert, um neue Erkenntnisse über das Funktionieren des Menschen in der Schwerelosigkeit zu sammeln. Vratislav Šálený von der Technischen Hochschule in Brno / Brünn (VUT) erläutert im Interview mit Radio Prag International:
„Ein Mensch, der ins All fliegt, ist großen Veränderungen ausgesetzt. Zunächst kommt es zu einer hohen Gravitationsbelastung in der Trägerrakete. Dort kann das Kohlenstoffdioxid nicht richtig ausgeatmet werden. Und dann gelangt der Astronaut in die Schwerelosigkeit, wobei sich der Flüssigkeitskreislauf im Körper völlig verändert. Die Körperflüssigkeiten verlagern sich, und das hat Einfluss auf den gesamten Organismus.“
Und es sind nicht nur biologische Faktoren, die im All anders – zumeist langsamer – ablaufen. Es sind vor allem die kognitiven Reaktionen der Astronauten, auf die das Projekt Icarus Armor abzielt. Dafür arbeitet Šálený mit Kollegen von der Mendel-Universität Brünn, der Karlsuniversität Prag sowie der US-amerikanischen University of Pennsylvania zusammen.
Icarus Armor und zwölf weitere Forschungsprogramme werden nun in die Mission von Aleš Svoboda eingebunden. Der Aufenthalt des Tschechen auf der ISS sei eine einzigartige Gelegenheit für hiesige Universitäten, Forschungsinstitute und Firmen, direkte Forschung im All zu betreiben, betont Ondřej Rohlík. Er ist Tschechiens Delegierter bei der ESA und sitzt im Programmrat für Pilotflüge, Mikrogravitation und Erforschung des Weltalls. Die ausgewählten 13 Projekte hätten Weltniveau und spielten in der ersten Liga mit, betont Rohlík:
„Tschechien ist eines der wenigen Länder, die alles bauen können. Wir entwickeln, betreiben und zertifizieren unsere eigenen Flugzeuge, Autos oder Züge. Die kosmischen Aktivitäten sind nun eines jener Dinge, die wir noch lernen müssen, damit wir im Rest des 21. Jahrhunderts bestehen können.“
Und dabei spielt zum Beispiel auch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) eine große Rolle. Beim Projekt Icarus Armor geht es konkret darum, die kognitiven Fähigkeiten eines Astronauten bei der Arbeit zu erforschen und einen digitalen Zwilling zu erstellen, der die Leistungsfähigkeit berechnen und steuern kann. Vratislav Šálený:
„Wir beobachten die physiologischen Indikatoren und parallel dazu die Stressbelastung. Eine Software, die zum Teil auf KI und zum Teil auf neuronalen Vernetzungen basiert, erkennt in der Menge an Daten bestimmte Trends. Diese besagen, wie sich die kognitive Leistung der Person in einem bestimmten Zustand künftig entwickeln wird.“
Das Projekt sei auch auf die Nutzung auf der Erde ausgerichtet, ergänzt Šálený und führt als Beispiel die außergewöhnliche Belastung von Medizinern während der Corona-Pandemie an. Die weiteren Projekte, für die Aleš Svoboda auf der ISS Versuche durchführen soll, betreffen etwa Trainingsprogramme zum Muskelerhalt, den Einsatz von Mikroalgen bei der Produktion von Sauerstoff, die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf die Fruchtbarkeit des Menschen oder auch die Entwicklung von Nanorobotern. Der tschechische Astronaut wird etwa 14 Wochen lang im All sein. Schon jetzt würden aber die Vorbereitungen auf all die unterschiedlichen Projekte beginnen, sagt Ondřej Rohlík, und man sei auf viele Überraschungen vorbereitet:
„Ich habe absolut keine Zweifel, dass ein Astronaut solche Experimente bewältigen und sehr schnell erlernen kann. Und dazu gehören auch Krisenszenarien, falls etwas schiefgeht. Denn Astronauten werden nicht nur auf das Vorgehen trainiert, wenn alles nach Plan läuft. Sie sind keine wirklichen Experten, auch wenn sie Mission Specialist genannt werden. Aber in Wirklichkeit geht es in ihrem Training vor allem darum, auf Unerwartetes vorbereitet zu sein.“
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