Historischer Böhmerwald: Museum in Krumau erwirbt Postkartensammlung aus Deutschland
Wie sah der Böhmerwald vor vielen Jahrzehnten aus? Die Antwort darauf liefert eine Sammlung historischer Postkarten, die das Regionalmuseum in Český Krumlov / Krumau von einem deutschen Sammler erworben hat. Nun werden alle Bilder nach und nach digitalisiert.
Das Museum Fotoatelier Seidel ist ein Teil des Regionalmuseums in Krumau und beherbergt ein vollständig ausgestattetes historisches Fotostudio in den ursprünglichen Räumlichkeiten einer Jugendstil-Villa der Stadt. Zudem besitzt das Museum ein Archiv mit 140.000 Bildaufnahmen auf Glasnegativen des Fotografen Josef Seidel und dessen Sohn Franz. Die beiden schufen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine einzigartige Sammlung von Böhmerwald-Fotografien. Nicht nur Landschaft und Städte, sondern auch der Alltag der Bewohner, einschließlich der Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen, sind darauf dokumentiert.
25.000 Postkarten von deutschem Privatsammler
Die Bestände des Museums wurden jüngst um eine wertvolle Kollektion erweitert. Petr Hudičák ist Kurator im Museum Fotoatelier Seidel. Er fährt fort:
„Wir arbeiten seit langem mit dem Sammler Reinhold Fink aus Deutschland zusammen. Seine Eltern stammen aus dem Böhmerwald, und er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Themen der Gegend. Eines seiner Interessensgebiete sind alte Postkarten. Wir haben ihm 21.000 Postkarten abgekauft, die vor 1950 entstanden sind, und weitere 5000, die etwas jünger, aber immer noch um die 70 Jahre alt sind. Insgesamt umfasst seine Sammlung etwas mehr als 25.000 Postkarten.“
Anfang der 1980er Jahre begann der in Fellbach lebende Reinhold Fink damit, Postkarten zum Thema Böhmerwald zu sammeln. Nun wird seine Kollektion das Archiv von Josef und Franz Seidel ergänzen:
„Es sind hauptsächlich Schwarzweißfotografien, aber auch sehr interessante Farblithografien, die zu den ältesten Postkarten gehören, die im Böhmerwald veröffentlicht wurden“, so Hudičák.
Alle Bilder werden nun digitalisiert und anschließend nicht nur Forschern, sondern auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Kurator beschreibt, was die Arbeit an der Digitalisierung alles umfasst:
„Die Postkarten sind sorgfältig in Ordnern sortiert. Jede der fast 30.000 transparenten Hüllen erhielt einen Aufkleber mit einer Identifikationsnummer, damit nach der Digitalisierung jede Postkarte eindeutig zugeordnet werden kann. Anschließend wird jede Karte gescannt, benannt, nummeriert und je nach Herkunftsort beschrieben. Ist der Verfasser bekannt, wird auch dessen Name vermerkt, beziehungsweise das Datum. Sodass jeder, der die jeweilige Postkarte einmal betrachtet, fast alles über sie erfährt.“
Online bei Atelier Seidel und Böhmerwaldmuseum Wien
Die Digitalisierung erfolgt im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Museum Fotoatelier Seidel in Krumau und dem Böhmerwaldmuseum Wien. Das Ergebnis des Interreg-Projekts wird eine gemeinsame zweisprachige Online-Datenbank sein. Die historischen Fotografien aus dem Böhmerwald können dann auf den Websites beider Einrichtungen bewundert werden.







