Die Geburt des „Panenka“: 50 Jahre EM-Finale von Belgrad

Antonín Panenka verwandelt im Finale der Europameisterschaft 1976 in Belgrad den entscheidenden Elfmeter gegen Deutschland

Vor 50 Jahren holten die Fußballer der Tschechoslowakei ihren einzigen EM-Titel. Das Finale gegen die BRD gewannen sie durch den berühmten Elfmeter von Panenka.

Am 20. Juni 1976 standen sich die Fußballnationalteams der Tschechoslowakei und der Bundesrepublik Deutschland im Europameisterschaftsfinale gegenüber. Die Spieler aus dem Ostblock führten bereits mit 2:0 durch die Tore von Stürmer Jan Švehlík und Abwehrspieler Karol Dobiáš. Aber Stürmer Dieter Müller gelang recht schnell der Anschlusstreffer, der Ausgleich durch Bernd Hölzenbein fiel jedoch erst in der letzten Minute der regulären Spielzeit. Da es in der Verlängerung keine Tore mehr gab, kam es erstmals in der Geschichte der großen Fußballturniere zu einer Entscheidung im Elfmeterschießen.

Berühmter Lupfer

Die Tschechoslowaken begannen vom Punkt, die Deutschen zogen nach. Bis zum Stand von 4:3 verwandelten die Spieler beider Mannschaften. Dann schoss Uli Hoeneß den Ball in den „Nachthimmel von Belgrad“, wie es hieß. Und Antonín Panenka konnte sein Team zum Europameister machen. Was dann kam, hat ihn zu einer Legende werden lassen.

Antonín Panenka,  EM 1976 in Belgrad | Foto: ČTK / imago sportfotodienst / imago sportfotodienst via www.imago-images.de

Der Mittelfeldspieler von Bohemians Prag nahm einen langen Anlauf, sah, dass der deutsche Torhüter Sepp Maier schon in eine Ecke unterwegs war und lupfte den Ball in die Mitte des Tores. Seine Elfmeterausführung hat Panenka im Jahr 2011 gegenüber Radio Prag International erläutert:

„Es war kein Risiko, weil ich in der Situation gesehen habe, dass es der leichteste Weg ist, um ein Tor zu schießen. Ich hatte einen Vorteil, weil bis zu diesem Moment niemand gewusst hat, dass ich auf diese spektakuläre Art spiele.“

Einen Elfmeter zu lupfen heißt seitdem im Deutschen wie im Tschechischen den Panenka zu machen.

Anerkennung von Maier

Antonín Panenka und Sepp Maier | Foto: Archiv FES Prag

Von Torhüter Maier hieß es, er sei viele Jahre lang nicht gut auf den damaligen Elfmeterschützen zu sprechen gewesen. Doch am Rand eines Treffens in der Deutschen Botschaft in Prag zum 35-jährigen Jubiläum des EM-Finales von 1976 sagte er im Interview:

„Ich habe nur bewundert, wie man in einem solch wichtigen Spiel so kaltschnäuzig sein kann und einen Elfmeter so schießt. Ich glaube, er hat ganz schön mit seiner sportlichen Karriere gespielt.“

Für Antonín Panenka war die Fußballwelt nach seinem Elfmeterschuss nicht mehr dieselbe. Zu seinem 75. Geburtstag beklagte er sich, dass seine Künste auf dem Rasen und die ganzen anderen Erfolge danach in den Hintergrund gerückt seien:

„Ich wollte den Fußball über das reine Kicken des Balls heben. Aber der Elfmeter hat das alles überdeckt“, so Panenka im Jahr 2023 gegenüber Radio Prag International.

Der EM-Titel vor einem halben Jahrhundert ist bis heute der einzige für sowohl die ehemalige tschechoslowakische als auch die heutige tschechische Fußballnationalmannschaft.

Autor: Till Janzer
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