Nach 100 Jahren wieder zum Leben erwacht: Fotoatelier Seidel in Krumau

Museum des Fotoateliers Seidel (Foto: www.seidel.ckrumlov.cz)

Vor allem für die Böhmerwald-Freunde, passionierte Fotografen sowie für diejenigen, die in der Region von Český Krumlov / Krumau ihre familiären Wurzeln haben, hat das vor kurzem dort eröffnete Museum einen ganz besonderen Reiz. Das Fotoatelier Seidel ist nach rund 100 Jahren wieder eine Attraktion der Stadt. Es legt Zeugnis ab über den Böhmerwald-Fotografen Josef Seidel und dessen Sohn Franz, der beruflich in die Fußstapfen seines Vaters getreten war.

Am 5. Juni dieses Jahres war es so weit: Nach einer drei Jahre dauernden umfassenden Rekonstruktion wurde das Haus aus dem Jahr 1905, in dem sich früher das Atelier Seidel befand, feierlich eröffnet. In diesem auf den ersten Blick unauffälligen einstöckigen Haus in der Linzer Straße in Krumau wurde ein Museum eingerichtet, in dem man die technische Originaleinrichtung des Ateliers des Böhmerwaldfotografen und vor allem zahlreiche Fotos besichtigen kann. Im Haus der Familie Seidel sind fast 140.000 Glasplatten und Zelluloidbänder mit Negativen erhalten geblieben. Zum Erbe der Familie Seidel gehörten auch Fotos und Ansichtskarten, die das Werk von Josef und Franz Seidel dokumentieren. Es handelt sich hierbei um eine Bildchronik des Böhmerwaldes sowie des Alltagslebens in der Grenzregion, die heutzutage völlig anders aussieht.

An der feierlichen Eröffnung des Museums nahm auch der stellvertretende Kulturminister und ehemalige Bürgermeister von Krumau, František Mikeš, teil:

"Als ich im Jahre 1947 aus diesem Haus weggegangen oder besser gesagt als ein kleines Kind wahrscheinlich weggetragen worden bin, war ich mir eigentlich dessen gar nicht bewusst, dass ich nach 61 Jahren wieder in dieses Haus komme. Wer weiß, ob ich damals schon imstande war, überhaupt etwas wahrzunehmen. Damals, 1947, bin ich hier fotografiert worden, und heute nehme ich an der Wiedergeburt dieses Hauses teil.“

Die Eltern von František Mikeš ließen ihn im Fotoatelier Seidel verewigen, als er 14 Monate alt war. Bis heute hat der Ex-Bürgermeister von Krumau das Foto, es hängt bei ihm zu Hause an der Wand. Seidel fotografierte ihn auch später, beispielsweise als er ein Foto für den Personalausweis benötigt hat. Mikeš ist der Meinung, es sei schön, dass das Fotoatelier in der Stadt, die auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes verzeichnet ist, jetzt als weitere Attraktion dazugehört:

„Die Jahre zwischen meinem ersten Besuch bei Seidel und der jetzigen Visite waren für Krumau nicht immer gerade günstig. Es ist jedoch unglaublich, wie sich die Stadt in den letzten Jahren verändert hat. Vor allem im kulturellen Bereich hat sich Krumau schnell entwickelt. Das war unter anderem durch die gute Zusammenarbeit mit unseren Nachbarländern Deutschland und Österreich möglich – im Rahmen der Euregio sowie im Verbund der drei Länder.“

Für die Wiederbelebung des Ateliers sorgte der Entwicklungsfonds von Krumau, der eine Tochtergesellschaft der Stadt ist. Bei der Errichtung des Museums arbeitete er mit den Partnern der hiesigen Euroregion zusammen. Die Mitarbeiter des Fonds wollen Seidels Archiv künftig digitalisieren und es für Interessenten im Internet veröffentlichen. Kaspar Sammer von der Euregio Bayerischer Wald – Böhmerwald sagt, dass inzwischen viele Leute nach Fotos ihrer Vorfahren gefragt haben:

Sammers Kollege von der österreichischen Seite der Euregio, Wilhelm Patri, hob hervor, das neu eröffnete Museum biete nicht nur eine Zusammenfassung von Fakten und Daten, sondern vor allem Geschichten voller Emotionen:

Die Führung durch das Museum des Fotoateliers Seidel werden wir in der nächsten Ausgabe von „Reiseland Tschechien“ fortsetzen. Das Museum in der Linzer Straße in Krumau ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.