Karel Stein: „Mich haben immer alte Flurdenkmäler interessiert“
Vor einer Woche fand auf dem Brünner Messegelände der 76. Sudetendeutsche Tag statt. Nicht nur viele Aussteller, sondern auch viele Besucher kamen aus Tschechien. Bei der Besichtigung der Infostände traf Martina Schneibergová Karel Stein, einen großen Kenner der nordböhmischen Landschaft. Hier ein kurzes Gespräch mit dem Forscher.
Herr Stein, sind Sie zum ersten Mal beim Sudetendeutschen Tag?
„Ich bekomme alljährlich die Einladung, aber jetzt bin ich zum ersten Mal hier – aus dem einfachen Grund, weil aus Tetschen (Děčín), wo ich wohne, ein direkter Zug herfährt.“
Stammen Sie aus Děčín?
„Ich bin in Varnsdorf geboren, in einer deutschsprachigen Familie. Ich stamme aus einer Mischehe. Wir haben zu Hause Deutsch gesprochen, und da bin ich in diese Umgebung der Deutschböhmen eingewachsen.“
Haben Sie im tschechisch-deutschen Bereich gearbeitet?
„Ich habe bei der Verwaltung des Landschaftsschutzgebietes gearbeitet. Da gab es laufend Aufgaben für mich, die auch die Zweisprachigkeit brauchten.“
Ich habe gehört, dass Sie sich für die Landschaft und für die kleinen Denkmäler Nordböhmens interessieren und auch um sie kümmern…
„Ich bin zwar in einer tschechischen Umgebung aufgewachsen, aber mich haben immer alte Flurdenkmäler angezogen, weil sie ganz verkommen waren. Als ich jung war, hat sich natürlich niemand um sie gekümmert. Sie wurden bestenfalls stehengelassen oder auch umgestürzt. Und mich hat das irgendwie ergriffen. Ich habe schon als Junge versucht, die Inschriften zu lesen oder kleine Flurdenkmäler zu renovieren. Dann hat sich die Zeit geändert, und es gab immer mehr Leute, die sich dafür interessierten. Es wurde eine meiner Herzensangelegenheiten, diese Tätigkeit weiterzuführen. Es hat mir riesige Freude gemacht, besonders deshalb, weil ich eine neue Zeit erlebt habe. Damals hatte ich überhaupt nicht geahnt, dass heute vieles schon renoviert ist –dass man das frei betreiben und frei darüber denken kann.“
Was alles gehört beispielsweise zu diesen Flurdenkmälern?
„Das sind zum Beispiel Denkmäler in den Wäldern, wo Holzfäller ums Leben gekommen sind, jemand vom Blitz erschlagen wurde oder einfach an Altersschwäche irgendwo gestorben ist. Sie sind ungemein vielfältig, diese kleinen Denkmäler. Und mich interessieren besonders die Geschichten, die sich auf jedes Kreuz und auf jedes Denkmal beziehen.“







