Staatliche Förderung für Gebäudedämmung: Experten erstellen Renovierungspass
Mit dem Förderprogramm „Nová zelená úsporám“ (Neues grünes Licht für Einsparungen) unterstützt das tschechische Umweltministerium schon seit mehreren Jahren Immobilienbesitzer, die die Wärmedämmung ihrer Häuser modernisieren. Jetzt wird der sogenannte Renovierungspass eingeführt.
Das Gebäude sei ja gar nicht so groß, sagt die Besitzerin, als sie dem Energieexperten die Tür aufschließt. Der Mann lässt sich von ihr das Mehrfamilienhaus im Prager Stadtteil Modřany zeigen. Denn er soll der Besitzerin helfen bei der Entscheidung, ob sich für sie ein Antrag auf staatliche Fördergelder für eine neue Wärmedämmung lohnt.
Im Programm „Nová zelená úsporám“ gibt es nämlich Unterstützung für Umbauarbeiten, die zu Einsparungen beim Energieverbrauch führen. Auf der Programm-Homepage hat das tschechische Umweltministerium nun eine Liste mit Beratern bereitgestellt, an die sich potentielle Interessenten wenden und einen sogenannten Renovierungspass erstellen lassen können. Am Beispiel des Wohnhauses in Modřany erläutert Petr Valdman, der Leiter des Staatlichen Umweltfonds, was die Eingabe der Daten in das Onlineportal ergeben hat:
„Als erste Etappe wird die Dämmung von Dach, Wänden und Decken empfohlen. Die Kosten sind hier mit rund 5,6 Millionen Kronen angegeben.“
5,6 Millionen Kronen sind umgerechnet 230.000 Euro. Weiter ergibt der Onlinerechner, dass durch diese Maßnahme die Energiekosten für das Gebäude um ein Drittel gesenkt werden könnten. Als weitere Schritte werden dann ein neues Heizsystem empfohlen, der Austausch der Glühbirnen durch LED-Lampen oder auch der Einbau einer Klimaanlage sowie von Fotovoltaiktechnologie.
Die Vorschläge im Renovierungspass sind natürlich nicht bindend. Die einzelnen Etappen können auf mehrere Jahre verteilt und mit separaten Förderanträgen finanziert werden. Privathaushalte, die von Energiearmut bedroht sind – also Schwierigkeiten haben, ihre Stromrechnungen zu bezahlen –, bekommen den Renovierungspass kostenlos. Ansonsten gelten für die Konsultation aber die jeweiligen Stundensätze der Experten. Das Umweltministerium bietet jedoch auch hierfür Zuschüsse an, nämlich 3000 Kronen (120 Euro) bei einem Einfamilienhaus und 5000 Kronen (200 Euro) bei einem Mehrfamilienhaus. Ressortleiter Igor Červený (Motoristé sobě) begründet, warum sich der Staat diese Beratungen jetzt etwas kosten lässt:
„Die vorangegangen Programme waren nicht ganz zu Ende gedacht. Darum geschah es manchmal, dass sie von sogenannten Kaffeefahrten-Betrügern missbraucht wurden.“
So hätten etwa Baufirmen jenen Kunden, die die staatlichen Fördermittel bekamen, höhere Rechnungen ausgestellt, sagt der Minister und schildert ein weiteres Beispiel:
„Oft passierte es, dass Senioren für ihre Gartenlauben oder Wohnhäuser zum Beispiel Wärmepumpen angeboten wurden. Das war Unsinn, vor allem wenn im Winter die Strompreise noch anstiegen. Aus diesem Grund starten wir jetzt eine umfangreiche Beratung, damit wir solche Fälle verhindern.“
Die jetzige Ressortleitung von der Autofahrerpartei Motoristé sobě hatte schon vor einiger Zeit angekündigt, das gesamte Förderprogramm „Nová zelená úsporám“ umzustellen. Mehrere Wochen war die Antragstellung ausgesetzt worden, und Anfang März wurden zinslose Kredite anstelle von direkten Subventionen eingeführt. Dies kommentiert Červenýs Amtsvorgänger Petr Hladík von den Christdemokraten:
„Diese Neuerung kritisiere ich. Denn anstatt das Geld als Hilfe direkt an die Menschen weiterzugeben, kommt es durch die zinsfreien Kredite nun ausländischen Banken zugute.“
Grundsätzlich sei der Renovierungspass aber eine gute Idee, räumte Hladík im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (ČT) ein.
Das Förderprogramm mit dem ursprünglichen Namen „Zelená úsporám“ (Grünes Licht für Einsparungen) gibt es beim tschechischen Umweltministerium seit 2009. Bisher wurde es von rund 600.000 Privathaushalten und Immobilienbesitzern genutzt.
Verbunden
-
Ausbau der Erneuerbaren in Tschechien: Regierung bremst, Ökologen fordern Beschleunigung
Immer mehr Kohlekraftwerke werden hierzulande vom Netz genommen. Ihre Leistung muss ersetzt werden. Welche Rolle spricht die neue Regierung dabei den Erneuerbaren zu?
-
Studie: Erfüllung der EU-Klimaziele für tschechische Industrie unrealistisch
Die Umsetzung der Ziele würde erfordern, die Investitionen zu vervielfachen und Technologien einzuführen, die es derzeit hierzulande noch nicht gibt.







