Studie: Erfüllung der EU-Klimaziele für tschechische Industrie unrealistisch
Die Umstellung der tschechischen Industrie auf die Klimaziele der Europäischen Union ist nicht realistisch. Dies ergibt sich aus einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft EGU im Auftrag des tschechischen Industrie- und Verkehrsverbands. Demzufolge würde die Umsetzung der Ziele erfordern, die Investitionen zu vervielfachen und Technologien einzuführen, die es derzeit hierzulande noch nicht gibt.
Um die neuen Klimaziele der EU zu erreichen, müsste die Tschechische Republik mehr als drei Billionen Kronen (124,19 Milliarden Euro) in die Transformation der Industrie und die Dekarbonisierung investieren. Eine solche Vervielfachung der Investitionen gegenüber dem aktuellen Stand übersteigt jedoch die finanziellen und technologischen Möglichkeiten der heimischen Industrie. Damit droht ein ernsthafter Verlust ihrer Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere bei energieintensiven Unternehmen. Dies geht aus der Studie der Beratungsfirma EGU hervor.
Dabei wurde mit drei Szenarien zur Emissionsreduzierung gearbeitet. Das ehrgeizigste Szenario – das vor zwei Wochen auch vom Europäischen Parlament abgesegnet wurde – sieht bis 2040 eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 90 Prozent gegenüber 1990 vor. Als zweites Szenario nennen die Autoren eine Reduzierung um 85 Prozent und im dritten Fall um 76 Prozent. Die letztgenannte Variante würde Investitionen in Höhe von 1,2 Billionen Kronen (fast 50 Milliarden Euro) bedeuten. Michal Macenauer ist Strategiedirektor von EGU und Ko-Autor der Studie:
„Für uns wäre das Tempo erträglich, das das dritte Szenario vorsieht, aber selbst das mit großen Vorbehalten. Wir würden auf einmal viel mehr Strom, CCS-Technologien und eine Menge emissionsarmen Wasserstoff brauchen.“
Viele dieser Technologien, die zur Abscheidung und Speicherung von CO2 dienen, kommen derzeit in der Industrie noch nicht zum Einsatz. Macenauer zufolge liegt eine mehrfache Erhöhung der Investitionen – auch in diese Technologien – nicht in den Kräften der Unternehmen hierzulande. Dem stimmt auch Milan Brejchal zu. Er ist Vorstandsmitglied der Firma Orlen und leitet im Industrieverband das Team, das sich mit der Dekarbonisierung befasst:
„Wenn man die Gelder tatsächlich in die Klimaziele aufwenden würde, wird es sich anderswo wiederspiegeln. Wir nehmen an, dass dies unter anderem die Preise der Produkte auf dem Markt sowie die Energiepreise erhöhen würde.“
Die Dekarbonisierung sei derzeit vor allem für energieintensive Branchen wie Metall oder Chemie von Nachteil, ergänzt Brejchal. Im Gegensatz dazu sieht beispielsweise der Verein „Druhá ekonomická transformace“ (Zweite wirtschaftliche Transformation) die geplante Reduzierung von CO2-Emmissionen auch als Chance für das Wirtschaftswachstum. Seinen Angaben nach ist 2024 der weltweite Umsatz von sogenannten grünen Produkten – also emissionsarm produzierten Waren – auf über zwei Billionen Dollar gestiegen, und Tschechien liegt weltweit an dritter Stelle beim Anteil der Exporte von grünen Produkten am BIP.
Laut Aussage des Ko-Autors der Studie Michal Macenauer liegen die Emissionen in der tschechischen Industrie heute um etwa 68 Prozent niedriger als 1990. Dazu hätten Investitionen in die Kernkraftwerke beigetragen, aber auch die Tatsache, dass viele Industrieunternehmen ihren Standort verlagert hätten. Dies habe jedoch nicht zu einer Verringerung der Gesamtemissionen geführt, warnt er:
„Nach unserer Berechnung würde die Verlegung von 25 Prozent der Industrie in Länder außerhalb des regulierten Gebiets der EU dazu führen, dass die Emissionen um 16 Prozent ansteigen im Vergleich zum vorherigen Wert in Europa. Diese Zahl gilt im Durchschnitt für die Industrie. In manchen Branchen, wie etwa der Stahlindustrie, wäre der Anstieg noch viel deutlicher.“
Um den CO2-Fußabdruck zu verringern, ohne die Wettbewerbsfähigkeit tschechischer Unternehmen übermäßig zu beeinträchtigen, sollten laut Macenauer unrealistische Ziele aufgegeben und rentablere emissionsfreie Energiequellen gefördert werden. Er nennt vor allem große Photovoltaik- und Windkraftanlagen sowie Biogas. Milan Brejchal erwähnt noch eine weitere Maßnahme, die den Unternehmen schnell helfen würde – nämlich die Senkung der Strompreise. Dies ist eines der Ziele der wahrscheinlichen künftigen Regierung. Die Partei Ano plant, dass der Staat anstelle von Haushalten und Unternehmen die Abgaben für erneuerbare Energien übernimmt. Laut dem möglichen künftigen Industrieminister Karel Havlíček beläuft sich die Gesamtsumme dafür auf rund 20 Milliarden Kronen (830 Millionen Euro).







