Passionsgeschichte in Kürze: Fastenkrippe in der Jakobskirche in Jihlava

Eine einzigartige Fastenkrippe ist seit Aschermittwoch in der Jakobskirche in Jihlava zu sehen. 

Aus der Ferne erinnert sie an eine Weihnachtskrippe, beim näheren Blick ist zu sehen, dass die Figuren in der biblischen Landschaft aber die Passionsgeschichte darstellen. Die Osterkrippe werde erstmals in der Jakobskirche gezeigt, sagte Marek Skřivánek in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. Er führt die Touristen durch Jihlava und arbeitet mit der städtischen Organisation „Brána Jihlavy“ (Iglauer Tor) zusammen.

Foto: Irena Šarounová,  Tschechischer Rundfunk

„Die Fastenkrippe, die auch Passions- oder Osterkrippe genannt wird, ist mit der Weihnachtskrippentradition zu vergleichen. Seit dem Frühmittelalter wurden Osterkrippen in Kirchen gezeigt, sie stellten die Ereignisse der Heiligen Woche dar. Dabei ging es nicht nur um die Kreuzigungsszene, sondern auch beispielsweise um Christi Einzug in Jerusalem. Die Fastenkrippen, die es auch noch in Österreich gibt, wurden meist aus Papier gebastelt und bemalt. In der hiesigen Fastenkrippe gibt es Figuren aus Holz und Wachs sowie kaschierte Dekorationen.“

Foto: Irena Šarounová,  Tschechischer Rundfunk

An der Installation der Fastenkrippe war auch Vojtěch Blažek beteiligt. Der passionierte Laien-Uhrmacher merkt an:

„Die Fastenkrippe haben wir aus mehreren älteren Krippen zusammengestellt, die sich an verschiedenen Orten in Jihlava befanden. Ein Teil der Szene der Kreuzigung auf dem Kalvarienberg war mindestens bis ins Jahr 2000 in der Johannes-Täufer-Kirche auf der Erhebung Jánský kopeček zu sehen.“

Für die Dekoration wurden ebenso Moos und Stücke von Baumwurzeln verwendet. Dasselbe Naturmaterial dient oft auch als Dekoration von Weihnachtskrippen. Manchmal werde darum von einer „Jahreskrippe“ gesprochen, erläutert Marek Skřivánek.

Marek Skřivánek und Vojtěch Blažek | Foto: Irena Šarounová,  Tschechischer Rundfunk

„In den Kirchen wurde es manchmal so gehandhabt, dass der Großteil der Krippe unverändert stehen blieb und nur die Figuren ausgetauscht wurden. Zusammen mit meinem Kollegen Blažek habe ich die einzelnen Krippenteile repariert. Die Figuren vom letzten Abendmahl dürften verhältnismäßig alt sein, weil sie so ausschauen, wie es im 19. Jahrhundert üblich war. Ihre Körper wurden aus kaschiertem Material erstellt, die Köpfe sind aus Wachs. Dies ist hochinteressant. Über die gesamte Zeit haben sich bestimmt einige Generationen von Menschen an der Erstellung der Figuren beteiligt.“

Die Passionsgeschichte beginne auf der rechten Seite der Osterkrippe, wo Christi Einzug in Jerusalem zu sehen sei, sagt der Experte und macht auf einige Details aufmerksam.

Foto: Irena Šarounová,  Tschechischer Rundfunk

„Oben ist eine etwas neuere Figur zu sehen, die Pontius Pilatus darstellt. Während Christus betet, schlafen die Apostel. Unter den Aposteln beim letzten Abendmahl sitzt auch Judas. Er ist daran zu erkennen, dass er einen Beutel mit dem Geld für seinen Verrat mit sich hat. Der Verrat durch Judas wird ebenfalls dargestellt. Zu sehen ist zudem der ganze Kreuzweg und Christus, der das Kreuz trägt. Und schließlich kommt die Szene der Kreuzigung auf dem Golgota.“

Die Fastenkrippe von Jihlava sei aufgrund ihres Alters einzigartig innerhalb Tschechiens, betont Marek Skřivánek:

„Wir wissen nur davon, dass ein Ehepaar aus Bechyně eine Osterkrippe aus Holz kreiert hat. Aber die Krippe ist komplett neu.“

Foto: Irena Šarounová,  Tschechischer Rundfunk
Autoren: Martina Schneibergová , Irena Šarounová
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