Alternde Bevölkerung: Tschechien muss Sozial- und Pflegedienste künftig ausweiten
Tschechien muss sich auf eine Alterung der Bevölkerung vorbereiten. Das Arbeits- und das Gesundheitsministerium haben am Montag ein Methodenpapier vorgelegt, das Empfehlungen und vorbereitende Maßnahmen enthält.
In 15 Jahren werden in Tschechien doppelt so viele Menschen im Alter von über 80 Jahren leben als derzeit. Das aktuelle Dokument der beiden Ministerien enthält unter anderem Informationen darüber, wie die einzelnen Kreise die Kapazitäten der Sozialdienste planen sollen. Der stärkste Andrang sei schon in zehn Jahren zu erwarten, meint der Arbeits- und Sozialminister Marian Jurečka (Wahlbündnis Spolu). Die höchste Zahl von Menschen, die neue Sozialdienstleistungen in Anspruch nehmen werden, wird es laut dem Minister in Prag und im Mittelböhmischen Kreis geben.
„Diese Aufgabe steht uns bevor, und wir müssen daran gemeinsam arbeiten. Es müssen sowohl finanzielle Mittel, als auch Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt werden. Und es muss konkret geplant werden.“
Aus diesem Grund haben die beiden Ministerien ein neues System der Informationsvernetzung erstellt. Mit diesem könne man beispielsweise erfahren, wo Menschen leben, die einen Hirnschlag erlitten haben oder an Alzheimer leiden, und von wem sie gepflegt werden, sagt Ladislav Dušek. Er leitet das Institut für Gesundheitsinformationen und Statistik (ÚZIS).
„Informationen über einen Patienten hatten wir bisher nur durch dessen Kontakt zu den Gesundheitsinstitutionen. Wenn dieser Kontakt abgebrochen war, wussten wir nichts mehr über ihn. Wir konnten die Rolle der Familienangehörigen nicht beurteilen, die sich um die Person kümmerten. Und wir konnten zudem nicht die Frage beantworten, ob Patienten, die sich einer anspruchsvollen Behandlung unterzogen haben, wieder ein normales Leben führen und in die Arbeit zurückgekehrt sind.“
Allerdings gibt es auch ein weiteres Problem: Die Kapazitäten der stationären Pflegeeinrichtungen in Tschechien stiegen zuletzt nicht weiter an. Minister Jurečka will über das Thema nächste Woche mit Vertretern der Kreisverwaltungen sprechen. Bei den Sozialdienstleistern mangelt es aber schon jetzt auch an Personal. Laut dem Minister ist es deshalb notwendig, mehr Menschen zu angehendem Krankenhaus- und Pflegepersonal auszubilden.
„Wir müssen uns darum bemühen, mehr Menschen für diese Fächer zu gewinnen. Diese Schulen sind in der Trägerschaft der Kreise. Wir sind imstande, jeder Kreisverwaltung zu sagen, wie viele Schüler sie brauchen wird, um auf die Situation in den Sozial- und Pflegediensten vorbereitet zu sein.“
Helfen soll zudem die Aufstockung der Kapazität der medizinischen Fakultäten in Tschechien. Laut Ladislav Dušek steigt die Zahl von Ärzten, die sich auf die Palliativpflege spezialisieren. Lucie Vidovičová, Soziologin von der Masaryk-Universität in Brno / Brünn, betont aber, es sei notwendig, sich in Zukunft auch auf andere Formen der Seniorenfürsorge als nur auf Pflegeheime zu konzentrieren.
„Schon heute müssen auch ambulante Dienste sowie inoffizielle Pflegepersonen unterstützt werden. Derzeit leben rund 95 Prozent der Senioren zu Hause und werden in irgendeiner Form gepflegt und versorgt.“







