Preissteigerungen und deren Auswirkungen

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Von Olaf Barth.

Wie gewonnen, so zerronnen. Die Bedeutung dieses Sprichworts wurde den tschechischen Bürgern am Montag wieder einmal deutlich vor Augen geführt. Konnte man sich im dritten Quartal dieses Jahres noch darüber freuen, mehr Geld in der Tasche zu haben als noch im Vorjahr - der monatliche Durchschnittslohn stieg nämlich um 8,9 % oder 1180 Kronen an - so verdarb einem die Nachricht über höhere Energiepreise ab Januar 2002 deutlich die Freude. Mehr dazu verrät Regierungssprecher Libor Roucek:

"Die Preise für Privathaushalte erhöhen sich um nicht ganz 10%. Also nicht um 13%, wie die Regierung das in ihrem ursprünglichen Plan vorgesehen hatte. Die Preise für Gas werden um 5 anstatt um die zunächst in Erwägung gezogenen 10% steigen. Die Preise für Großabnehmer hingegen werden in einigen Fällen sogar unter dem heutigen Niveau liegen."

Da der tschechische Otto - pardon: Wenzel - Normalverbraucher aber in der Regel wahrlich nicht in die Kategorie der Energiegroßabnehmer fällt, ist sein sauer mehr verdientes Geld auch schon wieder weg.

Und so ist es auch kein Wunder, dass sich die Tschechen weiterhin vor dem EU-Beitritt fürchten! Wo ist da der Zusammenhang, werden Sie nun vielleicht fragen? Ganz einfach. In Böhmen, Mähren und Schlesien geht die Angst vor mit dem Beitritt verbundenen Preissteigerungen bei gleichbleibenden oder nur langsamer sich anpassenden Einkommen um. Zudem beunruhigt die Vorstellung, die reichen Westeuropäer könnten in den beschaulichen tschechischen Kessel einfallen und sich vieles - weil für sie billig - unter den Nagel reißen.

So ist es wohl auch kein Wunder, dass sich im November, laut einer Umfrage des Zentrums für Meinungsforschung, nur 44% der Befragten in einem Referendum für einen EU-Beitritt ausgesprochen hätten. Damit rangiert man - was die Zustimmung der Bevölkerung zum EU-Beitritt angeht - wieder einmal an letzter Stelle unter den mittel- und osteuropäischen Kandidatenländern.

Autor: Olaf Barth
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