Regionjournal

Die Kirche der heiligen Maria Magdalena in Chvalsiny (Foto: Miloš Hlávka, CC BY-SA 3.0 Unported)

Herzlich willkommen, verehrte Damen und Herren, zu einer weiteren Ausgabe unseres Regionaljournals. Diesmal haben wir Interessantes aus Südböhmen für Sie aufgespürt und möchten Sie nun einladen, mit uns diesen Teil der Tschechischen Republik zu besuchen, wobei wir nicht nur innerhalb des Landes bleiben werden. Am Mikrofon begrüßen Sie hierzu Jürgern Webermann und Dagmar Keberlova.

Südböhmen könnte als Beispiel für eine gut funktionierende grenzüberschreitende regionale Zusammenarbeit dienen. Seit mehreren Jahren arbeiten die Städte Ceske Budejovice/Budweis, Linz und Passau zusammen mit dem Ziel, neben dem kulturellen Austausch auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Regionen Südböhmen, Oberösterreich und Niederbayern zu stärken. Diese Zusammenarbeit unterstützen möchte das Dreistädtefest Budweis - Linz - Passau, das zum bereits sechsten Male Mitte September in Passau stattgefunden hat. Neben den drei Bürgermeistern dieser Städte nahmen an dem Treffen auch Künstler, Politiker und weitere bedeutende Persönlichkeiten der Regionen teil.

Ort des Treffens war die X-Point-Halle des in Passau entstehenden Messegeländes, das vor allem einem besseren wirtschaftlichen Austausch unter den Regionen dienen soll. Kernpunkt des Treffens der drei Bürgermeister war die Unterzeichnung des Abkommens über die künftige Veranstaltung von Messen auf dem Messegelände. Der Bürgermeister von Ceske Budejovice/Budweis sagte uns zu dem geplanten Projekt:

"Es sollte den Schätzungen der Stadt Passau nach ungefähr noch 5 bis 6 Jahre dauern, bis das Messegelände fertiggestellt wird. Ich glaube, es gibt so viele Erzeugnisse aus Budweis und seiner Region, dass wir mehr als nur eine Ausstellungshalle damit füllen würden. Ich habe keine Angst, dass wir nichts zu zeigen hätten. Das Abkommen besagt, dass wir jetzt den Ausbau des Messegeländes in Passau unterstützen werden und Passau sichert uns wiederum zu, dass auch kleinere Firmen aus dem Kreis Budweis, die es sich finanziell ansonsten nicht leisten könnten, auf den internationalen Messen in Passau präsent sein werden. Also dies bedeutet auch eine große Chance für die kleinen Unternehmen, denn gerade hier haben wir im Vergleich zu den westlichen Ländern noch einiges aufzuholen."

Das Treffen in Passau wurde jedoch nicht nur auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Zukunft ausgerichtet. An die 500 Teilnehmer beweisen, dass auch das gegenseitige (Sich)-Kennenlernen den hiesigen Bewohnern wichtig ist. Ein reges Interesse weckten z. B. die Internetpräsentation der drei Städte oder die Dokumentarfilme aus den Regionen. Willi Schmöller, Bürgermeister der Stadt Passau, hält die Begegnung für die Menschen aus diesen Regionen für wichtig, wie er uns sagte:

Dass die Zusammenarbeit unter den Regionen in der Zukunft viel wichtiger sein wird als die auf der zwischenstaatlichen Ebene, weiß man in diesem Dreiländereck ganz genau. Welche Bedeutung die Partnerschaft der drei Kreise bereits heute hat und wie sie in der Zukunft noch wachsen wird, dazu sagte uns Dr. Franz Dobusch, der Bürgermeister der Stadt Linz:

Die Politik ist sozusagen nur die Basis für die Zusammenarbeit, die dann auf verschiedenen Ebenen wie der Wirtschaft und der Kultur ausgetragen werden muss. Die Kooperationsvereinbarung bewertet Bürgermeister Dobusch als einen wichtigen Schritt, die Wirtschaft der Regionen zu fördern:

Bei einer der Filmprojektionen der südböhmischen Region waren auch die Reaktorblöcke des Atomkraftwerks Temelin zu sehen. Dieses Bild rief eine negative Reaktion der anwesenden Österreicher hervor, die bei der Ansicht von Temelin gepfiffen haben. Auch Bürgermeister Dobusch äußerte sich zu Temelin:

Die Kirche der heiligen Maria Magdalena in Chvalsiny  (Foto: Miloš Hlávka,  CC BY-SA 3.0 Unported)
Der zweite Ort, den wir heute besuchen werden, ist das südböhmische Chvalsiny im Böhmerwald. Hier wurde kürzlich eines der historischen Häuser renoviert, das als Museum des aus Chvalsiny stammenden Ingenieurs Josef Rosenauer eingerichtet wird. Josef Rosenauer kam Ende des 18. Jahrhunderts auf die Idee, die Wasserläufe der Flüsse Moldau und Donau miteinander zu verbinden. Der Schwarzenbergsche Schwemmkanal, der noch bis heute bewundert wird, hat damals die Beförderung von Holz aus dem Böhmerwald nach Prag und Wien wesentlich erleichtert. Das Haus wurde aus Mitteln des Programms Phare rekonstruiert, da es sich um ein grenzüberschreitendes Projekt handelt. Über das Projekt sagte Wilhelm Patri von der Euregio-Verwaltung in Freistadt folgendes:

Das Museum wird sowohl an den Ingenieur Rosenauer erinnern als auch die Geschichte der Gemeinde, ihrer Umgebung und der Forst- und Holzwirtschaft erläutern. Es soll den Worten des Bürgermeisters von Chvalsiny, Bohumil Havlicek, zufolge zu Beginn der touristischen Sommersaison im nächsten Jahr eröffnet werden, nachdem die Exposition beendet wird.