Schlossbesuch in Blatna

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Im Rahmen unseres exklusiven Weihnachtsprogramms möchten wir Sie nun verehrte Hörerinnen zu einem Schlossbesuch einladen in eine Gegend, wo die traditionellen böhmischen Weihnachtskarpfen in den zahlreichen Teichen beheimatet sind und wo es zu früheren Zeiten ausgedehnte Sumpfgebiete mit viel Wild gab. In den folgenden Minuten werden Sie ein ausführliches Interview hören, das wir mit Baronin Kornelie Hildprandt auf Schloss Blatna geführt haben. Sie werden dabei viel über das Schlossleben, Dammhirsche, Restitutionsmühen, aber auch über Äthiopien erfahren...

Das südböhmische Schloss Blatna sticht ins Auge, weil es eines der wenigen Wasserschlösser in Tschechien ist. Ein imposanter Bau, ursprünglich im 13. Jahrhundert als Festung gedacht, wurde der Gebäudekomplex über die Jahrhundert ausgebaut. Die Fassade mit stilisierten Renaissance-Gotik Fenster lässt erahnen, dass als architektonisches Vorbild der älteste Renaissance Bau in Tschechien, der sogenannte Ludwigsflügel des Ladislav Saals auf der Prager Burg diente.

Das mächtige Schloss liegt auf einer kleinen Insel, den Innenhof erreicht man über eine Brücke, denn der klassische Wassergraben fehlt natürlich nicht. Ein grosszügig angelegter, ganzjährig geöffneter Schlosspark lädt zu romantischen Spaziergängen ein, bei denen man auch an einem aparten Gartenhaus im Empirestil vorbeikommt. Dort habe ich im Spätherbst einige Stunden bei Kaminfeuer und Tee mit Baronin Kornelie Hildprandt verbracht, die mir aus ihrem sprichwörtlich bewegten Leben erzählte. Kornelie Hildprandt, gebürtige Pragerin stammt aus einer Diplomatenfamilie. Ihr Vater, Ferdinand Veverka ein welt- und sprachgewandter Mann weilte in diplomatischer Mission unter anderem in der Schweiz und in den Vereinigten Staaten, so dass Kornelie in Bern das Gymnasium besuchte und in Washington D.C. Sprachen, Geschichte und Kunstgeschichte studierte. Ihren Mann lernte sie auf einem Ball in Wien kennen, es folgten einige Höflichkeitsbesuche, Bedrich Hildprant hielt um die Hand von Kornelie Veverkova an und das junge Paar übersiedelte nach der Heirat auf Schloss Blatna. Dort pflegte man die Jagd, Ende August Perlhühner, Ende November Fasanenjagd um im Januar dann auf die hohe Jagd. Als in Tschechien Ende der 40-er Jahre aber die Kommunisten an die Macht kamen, war es mit den Jagd- und Schlossspielen schnell mal aus. Baronin Kornelie Hildprandt:

Der Adelige Lev aus Rozmital entdeckte auf seinen Reisen in Spanien das berühmten Schloss Montsalvatierra, wo König Arthur mit den Rittern der Tafelrunde zu Tische sass. Die Artussage inspirierte Lev von Rozmital zu einer kühnen künstlerischen Ausführung im Schloss Blatna. Besagte Fresken eben, deren üppig gemalte Wald und Sagenmotive bis heute erhalten sind. Wie der Historiker Vaclav Koubik vor Ort ausführte, kann man sich im Turmzimmer auch die Adelgeschlechter, die im Schloss ansässig waren vor Augen halten.

Kornelie Hildbrandt verbringt ihre Tage auf dem Schloss ihrem Alter angemessen in angenehmer Kontemplation....

Autor: Marcela Pozarek
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