Schwester Thoma und das Brünner Klarissenkloster

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Das Brünner Klarissenkloster kann auf eine bemerkenswerte Geschichte zurückblicken. Nach Zeiten der Unterdrückung während des kommunistischen Regimes und einem Leben im Untergrund, ist es ihm heute wieder möglich, an alte Traditionen anzuknüpfen. Jörn Nuber berichtet.

Der Klarissenorden ist ein katholischer Frauenorden, dessen Angehörige nicht im Krankendienst oder der Seelsorge tätig sind, sondern sich dem Gebet, der Gottesverehrung und Gottessuche widmen. Der Orden gilt als einer der strengsten weiblichen Orden der katholischen Kirche. Seine Schwestern leben in strenger Abgeschiedenheit von der Welt; sie haben kein persönliches Eigentum und verzichten auf alles, was das Leben angenehm machen könnte. Sie sehen ihre Aufgabe darin, zu beten und Buße zu tun, für sich und für andere.

Seit kurzem steht am Stadtrand von Brno/Brünn das neue Klostergebäude des Klarissenordens, in dem momentan elf Schwestern diesen Lebensweg gehen. Dies war jedoch nicht immer so einfach wie heute. Nur ihrem starken Glauben haben die Schwestern zu verdanken, dass sie jetzt ungestört ihrem Vorsatz nachgehen können. Denn zur Zeit des kommunistischen Regimes existierte der Klarissenorden in der Tschechoslowakei offiziell nicht. Junge Frauen, die als Ordensschwester leben wollten, haben sich daher im Untergrund zusammengeschlossen und auf diese Art Widerstand geleistet. Schwester Thoma, die seit sieben Jahren mit den Brünner Klarissen lebt, erzählt:

"Die jungen Frauen, die als Ordensfrauen leben wollten, mussten das heimlich machen, denn sie konnten das in der Zeit der Totalität nicht öffentlich tun. Die Klarissen brauchen ein Kloster, um ihr kontemplatives Leben führen zu können, dass man also zurückgezogen und verborgen lebt. Diese Möglichkeit hatten die jungen Frauen nicht und so lebten sie einfach in einem Familienhaus und gingen tagsüber in ein Krankenhaus arbeiten. Sie beteten eben morgens und abends mehrere Stunden, um doch dieses Charisma zu pflegen."

Nach der politischen Wende baten sie beim deutschen Klarissenorden um Unterstützung für die Errichtung des neuen Klosters, um an die alten Ordenstraditionen wieder anknüpfen zu können. Schwester Thoma, die eben zu hören war, kam daraufhin aus dem Paderborner Klarissenkloster nach Brünn, um gemeinsam mit der kleinen geheimen Klarissengemeinde das neue Kloster am Stadtrand aufzubauen und dort mit ihnen zu leben.

Wenn Sie noch mehr über das Brünner Klarissenkloster erfahren wollen, schalten Sie an einem der Weihnachtstage Radio Prag ein.

Autor: Jörn Nuber
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