Sportreport

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Ahoi und herzlich willkommen zum Sportreport von Radio Prag. Am Mikrofon begrüßen Sie Jörn Nuber und Lothar Martin.

Das tschechische Eishockey ist gegenwärtig absolute Weltspitze. In den zurückliegenden drei Jahren gewann die Nationalmannschaft jeweils den Weltmeistertitel. Parallel dazu erwies sich auch die Nachwuchsauswahl des Landes als die weltbeste. Sie gewann 2000 und 2001 den WM-Titel der Unter-20-Jährigen. Vorläufige Krönung der tschechischen Eishockeyschule war jedoch der Olympiasieg von 1998 im japanischen Nagano. Erstmals seit längerer Zeit hatte sich dort die komplette Weltelite unter den Kufencracks bei einer internationalen Meisterschaft ein Stelldichein gegeben, den Pokal und die olympischen Goldmedaillen aber hielten am Ende die Männer um Kapitän Vladimír Ruzicka in den Händen. Es war der Erfolg, mit dem sich die böhmischen und mährischen Puckjäger hierzulande nahezu unsterblich gemacht haben. Die Erfolge von gestern bleiben in schöner Erinnerung, in der Gegenwart haben sie jedoch allenfalls statistischen Wert. Und so rüstet das tschechische Eishockey derzeit für ein nicht minder erfolgreiches Abschneiden bei den Olympischen Winterspielen in zwei Monaten in Salt Lake City. Wie die Chancen dafür stehen, darüber sprachen wir mit einem hiesigen Eishockeyidol vergangener Tage - dem Rekordtorschützen des Landes, Milan Nový. Doch der eigentliche Grund, warum wir Milan Nový vors Mikrofon baten, ist ein anderer. Wenn Sie wissen wollen welcher, dann bleiben Sie doch einfach dran.

Früher spielten sie für kleines Geld großes Eishockey. Heute leben sie in Armut. Nicht alle Nationalspieler aus sozialistischen Zeiten haben im Leben nach ihrer Sportkarriere so Fuß gefasst, dass sie heute abgesichert sind. Selbst ein Weltklasse-Stürmer wie Vlastimil Bubník, der in 127 Länderspielen für die Tschechoslowakei 121 Tore schoss, muss mit einer lächerlichen Rente von einigen tausend Kronen monatlich auskommen. Bubník, der in den 40er und 50er Jahren zusammen mit dem derzeitigen Präsidenten des tschechischen Eishockeyverbandes, Karel Gut, spielte, lebt heute in einer kleinen Hütte in Ostmähren. Milan Nový kennt weitere Schicksale dieser Art. Der unerreichte Rekordtorschütze aus Kladno, der in seiner Karriere den Puck 474 Mal im Netz der tschechischen Ligakonkurrenz und 120 Mal als Nationalspieler im Gehäuse der gegnerischen Länderteams unterbrachte, möchte in Not geratenen tschechischen Eishockeycracks helfen. Er hat eigens dafür im Rahmen seiner Stiftung CAPS 66 den "Fonds der Legenden" ins Leben gerufen. Dabei ist daran gedacht, neben früheren Nationalspielern auch Spieler zu unterstützen, die sich aufgrund einer schwerwiegenden Verletzung nicht mehr alleine um ihren Lebensunterhalt kümmern können. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Spieler Tomas Zelenka aus Trebíc, der in einem letztjährigen Play-off-Spiel der zweiten tschechischen Liga nach einem Foul so unglücklich gegen die Bande geprallt war, dass er heute querschnittsgelähmt ist.

Geld für den Fonds soll nun eine grenzüberschreitende Aktion bringen: Das Kräftemessen eines deutschen Old-Star-Teams mit einem tschechischen. Die Begegnung wird am 25. Januar 2002 im westböhmischen Plzen/Pilsen ausgetragen. Hauptinitiator Milan Nový und seine Helfer konnten für diesen Vergleich Spieler gewinnen, die wohl mit Fug und Recht das Beste darstellten, was sowohl das deutsche als auch das tschechische Eishockey in den 70er und 80er Jahren zu bieten hatte. Über die Zusammensetzung der deutschen Mannschaft sagte Nový: "Sie tritt in einer sehr guten Formation an. Am meisten bin ich aber erfreut darüber, dass Erich Kühnhackl und Alois Schloder in ihr vertreten sind. Das sind für mich zwei große Stars des deutschen Eishockeys. Selbstverständlich kenne ich auch die anderen deutschen Spieler einschließlich den Trainer Xaver Unsinn. Sie alle haben sich sehr um das deutsche Eishockey verdient gemacht und freue mich, dass sie alle nach Pilsen kommen werden."

Ja, Erich Kühnhackl, der übrigens nicht in Deutschland, sondern im westböhmischen Citice/Zieditz bei Soklov/Falkenau geboren ist und auch recht passabel tschechisch spricht, ist bis heute mit 725 Bundesliga- und 131 Länderspieltoren Deutschlands erfolgreichster Torjäger aller Zeiten. Daher wurde er auch in Deutschland zum Spieler des Jahrhunderts gewählt. Überdies ist er Mitglied der Hall of Fame. Der 54-jährige Alois Schloder war der langjährige Kapitän der deutschen Eishockeyauswahl und neben Kühnhackl, Erich Weishaupt, Klaus Auhuber und Trainer Xaver Unsinn einer derjenigen, die mit den Gewinn der olympischen Bronzemedaille 1976 in Innsbruck den bisher größten Erfolg für das deutsche Eishockey einfuhren. Neben den Genannten sind die beiden Truntschka-Brüder Gerd und Bernd hervorzuheben sowie Verteidiger Dietmar Peters, der mit 315 Einsätzen ewige Länderspiel-Rekordhalter der ehemaligen DDR.

Selbstverständlich hat aber auch das tschechische Old-Star-Team viele Namen mit internationalem Klang und Renommee zu bieten. Zur Aufstellung und zur Frage, ob auch er der tschechischen Mannschaft angehören werde, antwortete Milan Nový: "Nun, gern würde ich auch eine Weile mitspielen, solange es die Kondition zulässt. Was die anderen tschechischen Akteure anbelangt, so möchte ich nur einige Namen nennen wie den des auch in Deutschland gut bekannten Vladimír Martinec, der derzeit als Assistenzcoach bei der tschechischen Auswahl fungiert, oder aber Frantisek Cerník und Jaroslav Pouzar. Ich denke, dass auf beiden Seiten Spieler stehen, die in der Geschichte des Eishockeys einiges bewegt haben."

Dem kann nur zugestimmt werden. Immerhin sind Martinec, Cerník und Pouzar, aber auch Jirí Králík, Bohuslav Stastný, Bohuslav Ebermann, Jirí Hrdina und Pavel Richter zumindest einmal oder sogar mehrfach Weltmeister geworden. Pouzar und Hrdina können zudem auf drei Stanley-Cup-Gewinne in der nordamerikanischen National Hockey-League verweisen. Ein sportlicher Leckerbissen ist also angesagt am 25. Januar in Pilsen, und der Erlös der Partie kommt überdies noch dem eingangs erwähnten guten Zweck zu Gute. Kein Wunder, dass Milan Nový mit optimistischen Erwartungen auf diese Begegnung blickt: "Nun, wir erhoffen uns, dass dieses Spiel den Zuschauern gefallen wird. Wir erhoffen uns davon, dass wir mit dem Erlös der Partie mehreren ehemaligen, verdienten Spielern helfen können. Doch dieser ´Fond der Legenden´ muss nicht nur den ehemaligen tschechischen Cracks vorbehalten sein. Wir haben da ein einfaches, aber bewährtes Prinzip: Wer uns bei dieser Sache hilft, dem helfen auch wir, sowohl im In- als auch im Ausland".

Ein Beispiel, das Schule machen sollte. Inwieweit aber die tschechischen Cracks der Gegenwart ihre Hausaufgaben gemacht haben im Hinblick auf die bevorstehende Olympiade, darüber reden wir gleich.

Dieser Tage entscheidet das Trainertrio Josef Augusta, Vladimír Martinec und Vladimír Ruzicka mit beratender Stimme von Generalmanager Ivan Hlinka über die Zusammensetzung des tschechischen Nationalteams für das olympische Turnier in Salt Lake City. Allen ist klar, dass die Titelverteidigung - noch dazu auf nordamerikanischem Boden - ein ganz schwieriges Unterfangen wird. Als Erfolg wird daher schon der Gewinn einer Medaille angesehen. Dies sieht auch Milan Nový nicht anders: "Das wird sehr schwer werden. Ich denke, eine Medaille würde ein Erfolg sein. Nun, nicht jedes Jahr kann man gewinnen. Sicher, wir haben ein sehr starkes Team, aber meiner Meinung nach gibt es vier, fünf Mannschaften, wo die Leistungsunterschiede minimal sind. Deshalb werden Fitness, mentale Stärke und die Tagesform über den Ausgang des mit Spannung erwarteten Turniers entscheiden."

Um das Minimalziel - eine Medaille - zu erreichen, setzt Chefcoach Josef Augusta diesmal auf einen sehr großen Stamm von den in der weltbesten Liga, der nordamerikanischen NHL erprobten und gestählten Akteuren. Allen voran auf Weltklasse-Goalie Dominik Hasek und Superstürmer Jaromír Jágr. Jágr wurde von Augusta bereits früh zum Kapitän des Titelverteidigers ernannt. Eine Entscheidung, zu der wir auch Milan Nový befragten, zumal dieser Ende der 80er Jahre als 38-jähriger mit dem damals 16-jährigen Teenie Jágr noch zusammen in einer Sturmformation beim tschechischen Klub Poldi Kladno gespielt hat. "Also Jarda war seinerzeit mein rechter Flügelmann, wir kommen gut miteinander aus und ich wünsche ihm das Allerbeste. Doch eine einfache Position ist das Amt des Kapitäns auf keinen Fall."

Man wird sehen, ob die tschechische Eishockeyauswahl mit Kapitän Jágr an der Spitze auch in Salt Lake City ihre einmalige Siegesserie fortsetzen kann oder nicht. Doch das ist Zukunftsmusik.

Autoren: Lothar Martin , Jörn Nuber
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