Tagesecho

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Wenn Sie wissen wollen, warum die Ankündigung der Bundesregierung, ein neues Gesetz zum Energieimport zu erlassen, den tschechischen Energiekonzern CEZ aufschrecken lässt, dann hören Sie den folgenden Beitrag von Olaf Barth:

Vergangene Woche verlautbarte es aus dem Bundeswirtschaftsministerium, man plane ein neues Gesetz, dass den bisher üblichen Energieimport aus den europäischen Nachbarstaaten neu regeln soll. Diese Nachricht schlug, laut Berichten der tschechischen Tageszeitung "Lidove Noviny", den Verantwortlichen des tschechischen halbstaatlichen Energieversorgers ÈEZ gehörig auf den Magen.

Das Gesetz, über das das Kabinett allerdings frühestens in einem Monat beraten wird, soll nämlich Klauseln beinhalten, die es der Regierung ermöglichen, den deutschen Energiekonzernen den Import von Strom aus solchen Staaten zu verweigern, deren Kraftwerke nicht den EU-Normen entsprechen.

Eine solche Klausel und deren mögliche Anwendung auch auf tschechischen Strom würde CEZ bis ins Mark treffen, ist die Bundesrepublik doch der herausragende Absatzmarkt für den in Böhmen und Mähren produzierten Strom. Allein im Jahr 1999 speiste CEZ ca. sechstausend Gigawattstunden ins deutsche Netz ein - und damit rund zwei Drittel ihres gesamten Exportvolumens. Die Schätzungen für das Jahr 2000 belaufen sich sogar auf die doppelte Menge.

Eine solche Exporteinbuße könnte sich das Unternehmen schwerlich leisten, verliert es doch - gemäß tschechischen Quellen - auf dem inländischen Markt seine Spitzenposition.

Doch noch besteht Hoffnung für die Herren von CEZ, schließlich ist das Gesetz noch nicht endgültig verfasst und Widerstand dagegen droht auch von Seiten der mächtigen deutschen Energielobby. Diese bezieht den Importstrom nämlich zu deutlich geringeren Preisen als die tschechischen Verbraucher und wird ihn wohl auch weiterhin benötigen, sollte sie doch einige Kraftwerke in den nächsten Jahren vom Netz nehmen.

Autor: Olaf Barth
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