Towards Silence - In die Stille

Die Ausstellung "Towards Silence - In die Stille" entführt den Betrachter in Landschaften der Strenge, Kontemplation und überquellenden Üppigkeit. Marcela Pozarek begleitet Sie in den folgenden Minuten durch die Bilderwelten eines in Tschechien mittlerweile bekannten Künstlers.

"Seltsam im Nebel zu wandern, einsam ist jeder Stein.....", der Anfang dieses Gedichts von Hermann Hesse führt uns im heutigen Kultursalon direkt ans Prager Moldauufer, in die Galerie Rudolfinum, wo noch bis zum 17. März diesen Jahres die monumentalen, abstrakten Landschaftsbilder von Michael Biberstein zu sehen sind. Die Ausstellungssäle des Rudolfinums protzen mit pompös biedermeierlicher Ambience: Parkett, altrosafarbene Wände, putzige Polstermöbelchen, die zum verweilen einladen. Biberstein stellte seine Bilder vor Jahren im funktionalistischen Bau des Brünner Hauses der Kunst aus, die dort eine ganz andere, rohere Wirkungsdichte schufen. Mit dem schweizerischen, in Portugal lebenden Künstler Michael Biberstein sprach ich über seine Bilder und deren Wirkung anlässlich der Vernissage der Ausstellung auf dem Prager Flughafen Ruzyne, die Akustik der Halle untermalte ein wenig das Interview.

Morton Feldmans "Works for piano 2", die Sie im Hintergrund gerade hören, dient in der Galerie Rudolfinum als Verstärkung eines besonderen Konzepts der Stille, die Bibersteins Bilder evozieren. In Zeiten permanenter Geräuschkulissen, Klangüberflutungen bieten die Bilder nicht die klassische Oase der Stille, wie es prima vista vielleicht scheinen mag. Die monumentalen Flächen akzentuieren Stille nicht als akustisches Moment, erweitern vielmehr die Wahrnehmung der Stille und machen sie zu einem Raumgefühl. Die Auflösung des Bildraums, der Landschaft in eine Fläche ohne Begrenzung kann aber auch ins Uferlose tendieren. Der Kameramann Davis Calek drehte eine Kurzreportage über die Bilder für eine neue Sendung des Tschechischen Fernsehens über die aktuelle Ausstellungsszene in Prag, mit ihm sprachen wir über Werk und Wirkung:

"Ich persönlich mag eher Kontraste, diese Bilder sind sehr zart. Mir fehlt etwas, was diese Feinheit trennen würde, denn Zartheit und Feinheit nimmt man erst in Kontrast zu etwas Hartem wahr. Die Bilder sind so subtil und gross, dass sie fast etwas ausufern."

Ein solches Bild ist beispielsweise "Grey Glider" aus dem Jahre 1995. Eine zart olivgrüne monochrome Fläche erinnert an minimalistische, japanische Landschaftsmalereien, die oft bis zur Abstraktion reduziert sind. Die eindrückliche Einfarbigkeit steht aber gleichzeitig in einem angenehm irritierenden Gegensatz zu besagter, aufdringlich wirkender altrosafarbenen Wand.

David Calek dazu:

"Interessant sind die Werke, die eine schwarze Fläche haben: Dieser deutliche vertikale Kontrast. Mich erinnern die Bilder an melancholische Landschaften im Nebel. Wenn ich die Bilder zu Hause hängen hätte, sie lange ansehen könnte, kämen bestimmte Bedeutungen an die Oberfläche. Was ich am meisten daran schätze ist, dass es sehr ambivalent ist und dass man schrittweise verschiedene Bedeutungsebenen aufdecken kann. Es ist wie bei Wolken die vorüberziehen oder der Strukturen von Bäumen, da kann man ja auch seine Vorstellungen und Assoziationen hineinprojizieren."

Der Kameramann David Calek warf während des Gesprächs die simple Frage auf, wohin eigentlich mit diesen grossformatigen Bildern, deren Existenz stark von räumlichen Gegebenheiten abhängt.

"Wenn ich durch diese Galerie gehe überlege ich mir auch, für wen hat er diese Bilder eigentlich gemalt. Sind sie beispielsweise für ein Bankgebäude gedacht, wo die Bilder an einer weissen Wand hängen, die Angestellten vorübergehen und beim betrachten in eine bessere Stimmung kommen oder etwa einer Kirche? Kaum jemand hat ja eine Wohnung für solche Formate."

Bibersteins "Formate", es gibt übrigens auch kleine Versionen, waren in den letzten Jahren bereits öfters in Tschechien zu sehen. Der Künstler entdeckte hier auch eine Entwicklung der realen Stadt - und Landschaftsbilder...

Autor: Marcela Pozarek
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