Tschechien trauert um vier getötete Soldaten – Fünfter Soldat schwer verletzt

Foto: Archiv der Armee der Tschechischen Republik

Auch einen Tag nach der schlimmen Nachricht aus Afghanistan hält die Trauer in Tschechien an. Beklagt wird der Tod von vier tschechischen Soldaten, die am Dienstagmorgen durch einen Selbstmordanschlag in der ostafghanischen Provinz Parwan getötet wurden. Ein fünfter Soldat wurde bei der Detonation schwer verletzt, er wurde notoperiert und ist noch nicht transportfähig. Tschechiens führende Politiker erwiesen den getöteten Soldaten Ehre und drückten gegenüber den Verbliebenen ihr tiefes Beileid aus.

Martin Stropnický (Foto: ČTK)
Der tschechische Verteidigungsminister Martin Stropnický unterbrach am Dienstag seinen Urlaub, um nach dem schweren Schicksalsschlag in den Reihen seiner Untergebenen da zu sein und den Hinterbliebenen beizustehen. Eine außerordentliche Pressekonferenz am Nachmittag begann er mit den Worten:

„Heute Morgen habe ich vom Oberbefehlshaber des Generalstabs unserer Armee die unstrittig tragischste Nachricht in meiner bisherigen Tätigkeit als Verteidigungsminister erhalten.“

Foto: ČTK
Stropnický bestätigte den Tod der vier Soldaten und die schwere Verletzung eines fünften Armeeangehörigen. Zu den vier Getöteten sagte er:

„Ich möchte mich auf diesem Wege vor ihnen verneigen und ihnen meine Huld und Ehre erweisen. Zudem darf ich konstatieren: Wir alle in der Tschechischen Republik können mit Recht auf sie stolz sein, denn sie haben ihre Verpflichtungen als Berufssoldat mit aller Konsequenz erfüllt. Und so werden wir sie stets auch hoch achten.“

Soldaten in Bagram (Foto: Archiv der Armee der Tschechischen Republik)
Darüber hinaus sagte Stropnický den Hinterbliebenen der Opfer seine größtmögliche Unterstützung bei der Überwindung des schmerzlichen Verlustes zu. Dazu habe die Armee die besten Voraussetzungen, sowohl seelsorgerisch wie auch finanziell, ergänzte der Minister. Stropnický dachte in der schweren Stunde zudem an die anderen tschechischen Soldaten in Afghanistan:

„Wichtig ist aber auch, nicht die Soldaten unserer Armee zu vergessen, die weiter in Kabul und in Bagram im Einsatz sind. Es sind Soldaten, die weiter die anstrengenden Aufgaben einer Auslandsmission erfüllen und denen unzweifelhaft dieser tragische Moment sehr nahe geht.“

Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik
Derzeit sind immer noch 270 tschechische Soldaten in Afghanistan, ihnen sagte der Minister seinen baldigen Besuch zu. Weniger positiv war indes die Information, die der Minister zum Gesundheitszustand des schwer verletzten Soldaten kundtat:

„Der Soldat musste in der Nacht ein weiteres Mal operiert werden. Aus Respekt vor seiner Privatsphäre möchte ich keine weiteren Details nennen. Es ist aber leider so, dass es sich um einen Soldaten handelt, auf den zu Hause eine Frau und drei Kinder warten. Dort müssen wir zügig reagieren, denn es ist nicht auszuschließen, dass er dauerhafte Schäden davontragen wird. Am Mittwoch erwartet ihn zudem eine weitere OP.“

Bohuslav Sobotka (Foto: ČTK)
Ähnlich wie der Verteidigungsminister äußerten auch Staatspräsident Miloš Zeman, Premier Bohuslav Sobotka und weitere führende Politiker ihre tiefe Bestürzung über den Vorfall und ihr Mitgefühl mit den Hinterbliebenen. In der aktuellen Tagespresse wurde unterdessen eine Diskussion zu Sinn und Zweck von militärischen Auslandsmissionen begonnen. So machte die große Tageszeitung „Mladá fronta Dnes“ am Mittwoch auf ihrer Titelseite mit der Frage auf: „Mission Afghanistan: Warum sind wir noch dort?“ Für Tschechien waren es die Todesopfer sechs bis neun in Afghanistan, noch nie zuvor waren aber gleich vier Menschen auf einmal umgekommen. Stropnický betonte indes am Dienstag, dass ein vorzeitiger Abzug der übrigen Soldaten aus dem Land am Hindukusch nicht in Frage käme.