Tschechisch gesagt

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Von Kathrin Bock.

Mit der Sommerzeit geht auch unser Sprachkurs fürs erste zu Ende. Vielleicht haben Sie nun das Gefühl, etwas Tschechisch gelernt zu haben. Nun, dieses Gefühl wollen wir heute wieder zerstören, denn bisher war noch keine Rede von der tschechischen Grammatik - und die hat es wirklich in sich. Heute wollen wir Ihnen einige Spezialitäten aus der tschechischen Grammatikküche vorstellen.

Staunen erwecken z. B. die sieben Fälle. Neben dem auch im Deutschen vertretenen Nominativ, Genetiv, Dativ und Akkusativ kennen die Tschechen noch den Vokativ, Lokativ und Instrumental. Dank dem Instrumental können Sie in vielen Sätzen auf die Präposition "mit" verzichten. Sagen Sie im Deutschen zum Beispiel "mit dem Auto" so lautet dies im Tschechischen autem. Der Lokativ steht nach vielen Präpositionen, wie z.B. in oder auf. Und der Vokativ schliesslich ist eine nur in wenigen Sprachen vorkommenden Köstlichkeit. Mit diesem Fall reden Sie jemaden an. Sie sagen im Tschechischen also nicht Marketa, sondern Markéto.

Auch im Tschechischen weisen die Substantive drei Geschlechter auf und jedes wird natürlich anders dekliniert. Artikel wie im Deutschen existieren nicht. Das männliche Geschlecht ist zumeist daran zu erkennen, dass das Wort auf einen Konsonanten endet. Das weibliche endet zumeist mit einem a, und das sächliche mit einem o. Aber manchmal endet das männliche mit einem a, das weibliche mit einem t, e oder l und das sächliche mit einem e oder i. Alles zusammen gibt es also ca. 20 verschiedene Deklinationsarten, dazu kommen natürlich noch unzählige Ausnahmen.

Damit das ganze nicht zu trocken ist, hören wir uns kurz einmal an, wie man das Wort muž Mann dekliniert: muž, muže, mužovi oder muži, muže, muži!, mužovi oder muži, mužem. Frau žena hört sich dagegen so an: žena, ženy, ženě, ženu, ženo!, ženě, ženou. So viel zu den sieben Fällen, die natürlich auch für die Adjektive und Pronomen gelten. Aber die stellen natürlich nicht das grösste Problem dar. Wussten Sie, dass alle Verben im Tschechischen, ebenso wie in den anderen slawischen Sprachen, zwei Infinitive besitzen? Es gibt - kurz und sehr einfach gesagt - einen Infinitiv für eine kurze abgeschlossene Handlung und einen für eine lange oder sich wiederholende Handlung.

Sagen Sie z.B. Chodím do školy "Ich gehe in die Schule", dann weiss jeder, dass Sie schulpflichtig sind und jeden Tag zur Schule gehen. Sagen Sie aber Jdu do školy "Ich gehe in die Schule", dann weiss jeder, dass Sie gerade auf dem Weg zur Schule sind.

Kombinieren Sie nun die jeweiligen Infinitive mit entsprecheden Vorsilben, so können Sie mit einem Wort genau das ausdrücken, wozu Sie im Deutschen einen langen Satz bräuchten. Aber dazu müssen Sie natürlich wissen, welcher Infinitiv und welche Vorsilbe richtig sind - und das ist eine Wissenschaft für sich. Und damit genug für diesmal. Na slyšenou Auf Wiederhören sagen Dagmar Keberlová und Katrin Bock.