Tschechisches Militärarchiv im Ausland?

Am Montag dieser Woche veröffentlichte einer der größten tschechischen Tageszeitungen Mlada Fronta Dnes einen Artikel, aus dem hervorgeht, dass eines der wichtigsten Militärarchive der ehemaligen Tschechoslowakei nach der Staatsteilung 1993 nicht getrennt wurde. So blieben alle wichtigen Angaben über alle tschechischen Männer, die bis 1992 zum Wehrdienst herangezogen wurden, im slowakischen Trnava. Ob dies ein Risiko für die nationale Sicherheit Tschechiens darstellt und wie die tschechische Regierung auf diese neue Situation reagierte, dazu mehr von unserem freien Mitarbeiter Armin Sandmann:

Als Tschechiens meistgelesene Tageszeitung Mlada Fronta Dnes am Montag dieser Woche auf ihrer Titelseite schrieb: Die Tschechen haben ihre Personalakten in der Slowakei, da wollte manch einer nicht so recht glauben, was er dort las. Hatte man bei der Teilung der Tschechoslowakei im Jahre 1993 etwas vergessen? So sind jegliche Unterlagen mit persönlichen Daten aller tschechischen Männer, die bis 1992 in der Armee dienten oder aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Wehrdienst herangezogen werden konnten, im slowakischen Trnava. Die Vorstellung, dass die Personalakten der gesamten männlichen Bevölkerung Tschechiens im Ausland und dazu noch in einem Land außerhalb der Nordatlantischen Allianz liegen, halte ich für ungeheuerlich, so kommentierte der ehemalige Chef des tschechischen Geheimdienstes Stanislav Devaty die veröffentlichten Fakten. So sind in Trnava zum Beispiel auch die persönlichen Daten von Präsident Vaclav Havel, Außenminister Jan Kavan und von Verteidigungsminister Vladimir Vetchy gelagert. Der Direktor der Behörde für nationale Sicherheit, Tomas Kadlec, hält die Existenz der persönlichen Daten tschechischer Bürger in der Slowakei für erschreckend. Der Pressesprecher des slowakischen Verteidigungsministers, Pavel Vitko, äußerte sich dazu, dass jegliche Informationen auf Grund des Gesetzes zum Schutz und der Geheimhaltung von Daten, welches sowohl in der Slowakei als auch in Tschechien gelte, geschützt seien. Auf die Frage, wie viele Personalakten über tschechische Staatsbürger im slowakischen Trnava archiviert seien, konnte Pressesprecher Vitko nur antworten, dass diese etwa den Platz von 36 Kilometern an Regallänge einnehmen. Am Dienstag dieser Woche setzte die tschechische Regierung vorerst einen Schlusspunkt hinter diese Diskussion, indem sie durch Regierungssprecher Libor Roucek verlauten lies, dass man die Angelegenheit für abgeschlossen hält und sich daher nicht weiter damit befassen werde.

Autor: Armin Sandmann
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