Unterwegs entlang der tschechischen Küste: Mit Studenten auf der Frankfurter Buchmesse

In der vergangenen Woche fand die 78. Buchmesse in Frankfurt statt. Welchen Eindruck hat der Gastland-Auftritt Tschechiens bei den jüngeren Besuchern hinterlassen?

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

Der Messepavillon füllt sich zunehmend mit Besuchern. Die Menschen drängeln sich um den kleinen „Info-Point“ herum und studieren das Programm der nächsten Tage. Unter dem diesjährigen Motto „Tschechien – ein Land an der Küste“ präsentiert sich die Literaturlandschaft der Tschechischen Republik. Welche Assoziationen ruft dieses Motto bei den jungen Besuchern hervor?

„Ich habe mich zuallererst gefragt, ob Tschechien eine Küste hat und inwiefern das Motto mit der Buchmesse beziehungsweise Büchern zu tun hat“, sagt Viktoria Claus, Messebesucherin aus Mainz.

Neue Welten entdeckt

Politikstudent Max aus Düsseldorf hat noch weitere Gedanken:

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

„Der erste Eindruck von mir war: Wenn man das Meer und die Küste als Assoziation betrachtet, kann man dies wahrscheinlich mit Aufbruch verbinden und in etwas Neues hineinsteuern. Man kann zum Beispiel Christoph Kolumbus nehmen, der die Neue Welt entdeckt hat. Meine Assoziation war, dass man hier eine neue Landschaft entdeckt.“

Der Ausstellungsraum ist als eine bunte Felsenlandschaft aus Luftkissen gestaltet, in der ein roter Leuchtturm steht. Zwischen „Hafen-Bühne“ und „Strand-Bühne“ diskutieren die Autoren über ihre neuen Bücher. Und wie wirkt diese Raumgestaltung auf die Besucher und Besucherinnen?

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

„Wir sind in diese Halle hineingegangen, und ich habe versucht, das ganze Bild aufzunehmen. Ich habe diese riesengroßen Installationen betrachtet und habe dann gedacht: Das sind Kakteen mit orangen Punkten“, sagt Farial Nazzari. Sie ist Studentin der Transkulturellen Studien aus Neuss und besucht die Buchmesse zum wiederholten Mal.

„Es war zunächst erstmal sehr abstrakt. Mir war es nicht gerade ersichtlich, für was es wirklich stand, was es darstellen sollte. Man konnte vieles hineininterpretieren“, beschreibt Max.

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

Prag ist nicht Tschechien

Brünn | Foto: Jana Volková,  Tschechischer Rundfunk

Neben der Präsentation der Literatur soll eine Buchmesse auch Lust darauf machen, das Gastland selbst zu erkunden. Und haben die jungen Menschen den Entschluss gefasst, in der Zukunft die Tschechische Republik zu bereisen?

„Ja, auf jeden Fall. Ich war schon mehrfach in Prag und finde, das ist eine wunderschöne Stadt. Ich würde aber gerne mehr von Tschechien sehen und könnte mir sehr gut vorstellen, auch einmal nach Brünn zu reisen. Denn ich glaube, dass Prag nicht Tschechien ist, genauso wie Berlin nicht Deutschland ist“, schildert Viktoria ihre Gedanken.

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

Student Max meint hingegen:

„Ich würde auch unabhängig von der Buchmesse nach Tschechien fahren, allein aus dem Grund, weil es ein sehr schönes Land ist, mit sehr freundlichen Leuten und sehr schöner Kultur. Die Küche ist auch bestimmt sehr lecker, ich muss sie wahrscheinlich dort mal ausprobieren.“

Auch einige Bücher fanden zum Abschluss der Messetage noch den Weg in die Taschen der Gäste. Viktoria:

„Ich habe ein tolles Buch gefunden, von Marek Torčík: ‚Was die Zeit nicht nimmt‘. Darin geht es um die Identitätssuche eines jungen queeren Mannes, der viel Erfahrung mit Mobbing gemacht hat, sowie um das Jahr 1989, als große wirtschaftliche Umbrüche stattfanden, und sozusagen die Herausforderungen, vor die er gestellt wird.“

Autor: Lukas Kersting
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