„Voice of America“: 62 Jahre lang Fenster in die Welt für viele Tschechen

Foto: Wikimedia Commons, Public Domain

Vor 15 Jahren, am 27. Februar 2004, endeten die Sendungen des amerikanischen Auslandsfunks „Voice of America“ auf Tschechisch, Slowakisch und den Sprachen von acht weiteren Ländern aus Mittel- und Osteuropa. Es war der Abschied von einem Sender, der die Tschechen und Slowaken in der Zeit des Kommunismus auch mit Informationen aus dem Westen versorgt hat.

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Prokop Tomek (Foto: Jana Přinosilová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Wenn dieses Signal ertönte, wussten die Hörer in der ehemaligen Tschechoslowakei: Es gibt noch etwas anderes hinter dem Eisernen Vorhang als das ihnen im Kommunismus quasi vordiktierte Leben. Und dass die Wahrheit oft ein andere ist, als sie ihnen von der einheimischen Propaganda suggeriert wurde. Schließlich sendete die „Stimme Amerikas“ nach einem festen Prinzip:

„Die Nachrichten können gut oder schlecht sein – wir sagen Ihnen die Wahrheit.“

Der Sender, der zum Symbol der Freiheit und Demokratie Amerikas sowie eines guten Rundfunkjournalismus wurde, ertönte erstmals im Februar 1942 im Äther. Exakt 79 Tage nachdem die USA in den Zweiten Weltkrieg eingetreten waren. Die Amerikaner waren der Ansicht, dass ein gut gewähltes Wort im Krieg die gleiche Wirkung erreichen könne wie eine zielgerichtete Kanone. Nur einen Monat später gab es bereits ein Programm in tschechischer und slowakischer Sprache. Der Militärhistoriker Prokop Tomek:

Jan Werich und Jiří Voskovec (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Die tschechoslowakische Redaktion entstand im Jahr 1942. Ihre bekanntesten Vertreter waren die beiden Schauspieler und Dramatiker Jiří Voskovec und Jan Werich. Ihre Programme wurden jedoch zunächst auf Schallplatten gepresst und per Flugzeug nach London gebracht. Dort wurden sie in der Kriegspropaganda des Senders BBC ausgestrahlt.“

Nur wenig später startete die „Stimme Amerikas“ aus New York ihre Sendungen über Kurzwelle, mit einem internationalen Programm in zunächst vier Sprachen. Eine davon war die „tschechisch-slowakische“. Programminhalt waren aber nicht nur der objektive Nachrichtenservice, sondern auch Beiträge aus Kultur und Sport in Amerika oder Reiseberichte aus den Vereinigten Staaten. Für literarische Rezensionen zeichnete der Schriftsteller Josef Škvorecký verantwortlich. Er war von dem Sendeformat sehr angetan:

Foto: Archiv Voice of America, Wikimedia Commons, Public Domain
„Das ist keine ideologische Rundfunkstation, sondern ein informativer Sender. Politische Predigten beispielsweise wurden hier nicht zugelassen.“

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs schienen sich Sinn und Zweck des Senders erfüllt zu haben. Sein Programm wurde ausgedünnt, viele Mitarbeiter wurden entlassen, die „Stimme Amerikas“ stand kurz vor dem Aus. Ende der 1940er/Anfang der 1950 Jahre kam man in den USA indes zu der Einsicht, man müsse der Gefahr des Kommunismus etwas entgegenstellen. Ab 1953 wurde „Voice of America“ so für mehr als 40 Jahre ein nahezu autonomer Bestandteil der amerikanischen Informationsagentur (USIA). Am 28. März 1993 – knapp drei Monate nach der Teilung der Tschechoslowakei – wurde auch das tschechoslowakische Programm in seine beiden Sprachkomponenten geteilt. Zu dieser Zeit begann die „Stimme Amerikas“ vielmehr in krisengeschüttelte Länder zu senden. Elf Jahre später, kurz vor dem Beitritt Tschechiens und der Slowakei zur Europäischen Union, wurden die Programme in beiden Sprachen eingestellt. Die fortschreitende Demokratisierung Europas war indes nicht der Grund für das Absetzen des tschechischen Programms, meint Historiker Tomek:

„Der Anlass ist wohl der 11. September 2001. Danach beschränkten die Vereinigten Staaten eine ganze Fülle von Aktivitäten in Ländern, die von ihnen als sicher angesehen werden. Demgegenüber lenkten sie fortan ihre Aufmerksamkeit, Ressourcen und Mittel verstärkt auf die Krisengebiete unseres Planeten.“