Wird das Jaroslav-Hasek-Geburtshaus in Prag abgerissen?

r_2100x1400_radio_praha.png

Der Prager Stadtkern steht nicht nur unter Denkmalschutz, sondern ist zweifelsohne auch kommerziell eine sehr günstige Zone. Die historischen Häuser lassen sich aber nicht so einfach kommerziell ausnutzen und so stehen deren Besitzer vor der Frage, wie dieses Dilemma zu lösen ist. Das historische Gebäude abzureißen und ein neues zu bauen - damit verstößt man gegen das Gesetz. Doch es gibt auch Wege, dieses Gesetz zu umgehen. Über ein solches Beispiel berichtet Markéta Maurová.

Will man ein unter Denkmalschutz stehendes oder sich in einer Denkmalschutzzone befindendes Haus niederreißen, braucht man dazu normalerweise eine Genehmigung des Amtes für Denkmalschutz. Der "Klub für das alte Prag" hat in der letzten Zeit auf mehrere Beispiele in Prag aufmerksam gemacht, wie man diese notwendige Bewilligung umgangen und den Abriss vollzogen hat. Das Vorgehen war einfach: Der Besitzer sorgte nicht für das Haus, sondern ließ es verfallen. Nachdem dieses einzustürzen drohte, gab es keine andere Möglichkeit, als es abzureißen. Dies ist schon in einigen Fällen tatsächlich geschehen. Der neueste Versuch betrifft ein klassizistisches Miethaus in der Nähe des Wenzelsplatzes, in dem 1883 der berühmte Schriftsteller Jaroslav Hasek geboren wurde. Mehr sagt uns der Architekt Jaroslav Vokoun vom "Klub für das alte Prag":

"Diese Methode ist die, dass der Besitzer des Hauses versucht, mit allen möglichen Mitteln deutlich zu machen oder zu beweisen, dass das Haus in schlechtem Zustand ist, dass ein Abriss notwendig ist. Und besonders im Falle des Geburtshauses Jaroslav Haseks verwendet er eine ganz unfaire Methode dadurch, dass er eine unterstützende Konstruktion für die Pawlatschen vorgetäuscht hat. Und diese Konstruktion soll zwar zeigen, dass die Pawlatschen baufällig sind, sie belastet aber diese Pawlatschen so, dass sie dadurch auch baufällig werden könnten."

Ist das Haus also ein einem relativ guten Zustand?

"Das Haus ist nicht in besonders gutem, aber auch nicht in so schlechtem Zustand, dass eine Demolierung notwendig wäre, das auf keinen Fall. Es gibt Häuser in noch schlimmerem Zustand und die sind auch nicht demoliert worden. Dieses Haus ist nicht nur als Geburtshaus von Jaroslav Hasek wichtig, sondern auch als Beispiel der klassizistischen Architektur in Prag. Und darüber hinaus noch urbanistisch als Point de vue von einer Querstraße."

Der Antrag, in dem um den Abriss des Hauses ersucht wird, liegt derzeit beim Denkmalschutzamt. Dieses wird in einer Woche einen negativen Bescheid ausgeben. Ob das das Haus tatsächlich retten wird, ist jedoch noch offen.