Wirtschafts-Wochenrückblick: 9. bis 15. Juli

Foto: Archiv von Česká zbrojovka

Die Tschechische Republik ist für deutsche Investoren weiter attraktiv, wenn auch nicht mehr der Top-Standort in Mittel-und Osteuropa. Über diese Feststellung, aber auch über andere Wirtschaftsthemen haben wir Sie in der vergangenen Woche informiert. Die Berichte dazu sind im aktuellen WirtschaftsCzech zusammengefasst, es sind Meldungen vom 9. Juli bis 15. Juli 2014.

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In der zurückliegenden Woche wurden erneut interessante Meldungen aus der tschechischen Wirtschaft veröffentlicht. Beginnen wir mit einer erfreulichen: Die Tschechische Republik ist für deutsche Investoren das zweitattraktivste Land von insgesamt 15 Staaten Mittel- und Osteuropas. Dies hat eine Umfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) sowie der anderen deutschen Handelskammern in den Ländern der Region ergeben. Attraktivstes Land ist demnach Polen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Tschechische Republik nach sieben Jahren Vormachtstellung in der Umfrage den ersten Platz räumen müssen. Der Rückstand auf den neuen Primus Polen ist dabei nicht groß, aber im Vergleich zum vergangenen Jahr leicht gewachsen. Dabei haben 88 Prozent der Investoren gesagt, dass sie Tschechien erneut als Zielland ansteuern würden. Dies sei der höchste Wert seit dem Start der Umfrage im Jahr 2006, wie DTIHK-Sprecher Hannes Lachmann mitteilte.


Foto: Archiv Radio Prag
Die Pkw-Produktion in Tschechien ist im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 10,3 Prozent gestiegen, und zwar auf knapp 635.000 Fahrzeuge. Hersteller Škoda erhöhte seine Produktion um 24 Prozent auf fast 392.000 Autos und verbucht damit einen Marktanteil von 62 Prozent. In größerem Abstand folgen Hyundai und TPCA mit einem Anteil von 25 beziehungsweise 13 Prozent. Hyundai konnte dabei seine Produktion um drei Prozent auf rund 160.000 Wagen steigern. Die Firma TPCA, ein Zusammenschluss der Kleinwagenproduktion von Toyota, Peugeot und Citroen, hingegen musste einen Rückgang von 20 Prozent einstecken – wegen des Anlaufs einer neuen Modellserie kam das Konsortium nur auf die Herstellung von 83.000 Autos.

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Das geht aus den Daten des tschechischen Verbandes der Automobilindustrie (SAP) hervor, der am Montag die Halbjahresergebnisse der tschechischen Fahrzeugproduktion veröffentlicht hat. Für das gesamte Jahr 2014 rechnet der Verband daher mit einer Pkw-Produktion von 1,18 Millionen Wagen – das wäre das zweitbeste Ergebnis nach dem bisherigen Rekordjahr 2011.


Foto: Archiv Radio Prag
Der Boom auf dem mitteleuropäischen Immobilien-Markt setzte sich auch im zweiten Quartal dieses Jahres fort. Für kommerzielle Immobilien in dieser Region haben die Investoren von April bis Juni 1,14 Milliarden Euro ausgegeben. Das entspricht einem Zuwachs von 73 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres, informierte das Beratungsbüro für Immobilienfragen Cushman & Wakefield (C & W) am Donnerstag.

Auch in der Tschechischen Republik sei ein großer Anstieg verzeichnet worden. Wurden im zweiten Quartal dieses Jahres rund 340 Million Euro in den Erwerb von Immobilen investiert, so waren es von April bis Juni 2013 lediglich 108 Millionen Euro. Der größte Bedarf wurde dabei einmal mehr beim Ankauf von Büros registriert, bemerkte C & W.


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Weniger erfreulich ist indes, dass Tschechien der Verlust eines großen Teils der Gelder aus dem auslaufenden Förderzeitraum der Europäischen Union droht. Bis zu 2,4 Milliarden Euro könnten ungenutzt bleiben, wie laut dem tschechischen Rechnungshof (NKÚ) aus dem aktuellen EU-Report 2014 hervorgeht. Das sind knapp zehn Prozent der Gesamtsumme von 25,5 Milliarden Euro, die Brüssel für den Zeitraum 2007 bis 2013 für Tschechien bereitgehalten hat.

Ende vergangenen Jahres waren erst 14,5 Milliarden Euro abgeschöpft worden, also zirka 54 Prozent, informiert der Rechnungshof. Weil diese Lücke bereits bei der Ernennung der Regierung zu Beginn des Jahres bekannt gewesen war, hatte das Mitte-Rechts-Kabinett versprochen, einen Krisenplan gegen den drohenden Verlust der Gelder aus dem Förderzeitraum 2007 bis 2013 aufzulegen. Dieser Plan wurde im März verabschiedet. Die Ministerin für Regionalentwicklung, Věra Jourová, musste jedoch mittlerweile konstatieren, dass die Bemühungen der Regierung, das Ausschöpfen der EU-Gelder im letzten Moment noch einmal zu forcieren, nicht gegriffen haben. Wie hoch der Schaden tatsächlich ist, soll nach Ende Juli klar sein.


Robert Fico und Bohuslav Sobotka (Foto: ČTK)
Und zum Abschluss noch eine aktuelle Meldung: Die Premierminister Tschechiens und der Slowakei, Bohuslav Sobotka und Robert Fico, haben am Dienstag in der westslowakischen Stadt Nováky einen neuen gemeinsamen Betrieb des tschechischen Waffenproduzenten Česká zbrojovka und seines slowakischen Partners MSM Martin eröffnet. In der Fabrik namens CZ-Slovensko sollen jährlich Waffenkomponenten im Wert von drei bis vier Millionen Euro hergestellt werden. Dies teilte der Generaldirektor von Česká zbrojovka, Lubomír Kovařík, mit. Er hoffe, dass der neue Produktionsbetrieb in der Slowakei der Firma helfen werde, einen Vertrag über die Umrüstung der Slowakischen Armee abzuschließen, so Kovařík.