Alois Hába ohne Vierteltöne: Klassischer Klavierklang des experimentellen Komponisten

Alois Hába

Der tschechische Komponist Alois Hába ist als Pionier der Mikrointervallmusik bekannt. Dass er aber auch meisterhafte Werke für das traditionelle Halbtonsystem geschrieben hat, zeigt unser heutiger „MusikCzech“. Der Pianist Miroslav Beinhauer spielt Hábas Stücke für ganz normales Klavier.

Alois Hába | Quelle: Public Domain

Der tschechische Komponist Alois Hába ist als einer der großen Experimentatoren in die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts eingegangen. Er studierte in Wien und Berlin bei Franz Schreker, setzte sich intensiv mit den Tonsystemen außereuropäischer Musik auseinander und entwickelte seine eigene Theorie der Mikrointervallmusik als einer freien, universellen Musiksprache. Dabei ist er nicht nur bei der Theorie geblieben. In ihrer praktischen Anwendung arbeitete Hába mit Viertel-, Sechstel- und Fünfteltönen und initiierte den Bau neuer Musikinstrumente. Diese Begeisterung führte jedoch später dazu, dass die Rezeption seines Gesamtwerkes nur noch auf seine experimentelle Komponente reduziert wurde. Und das trotz der Tatsache, dass mehr als die Hälfte seines Werkes aus Kompositionen im traditionellen Halbtonsystem besteht.

Der 33-jährige Pianist Miroslav Beinhauer hat sich bereits während seines Studiums in Wien und Gent auf die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts spezialisiert. Er lernte Hába zunächst durch dessen Werke für das Sechstelton-Harmonium kennen – Beinhauer ist weltweit der einzige Spieler, der dieses von Hába konzipierte Instrument heute aktiv spielt. 2023 nahm er eine CD mit Hábas Kompositionen für dieses Instrument auf, das heute im Tschechischen Museum für Musik in Prag aufbewahrt wird.

Miroslav Beinhauer | Foto: Petr Sznapka,  ČTK

In der Folge studierte Beinhauer auch das komplette Werk von Alois Hába für das „konventionelle“ Klavier ein. Das Ergebnis ist die erste wirklich vollständige Einspielung von Hábas Kompositionen für Standardklavier ohne Mikrointervalle, aus der wir heute spielen. Das Doppelalbum umfasst Kompositionen Hábas, die während seiner Studienzeit, dann an der Wende der 1920er und 1930er Jahre entstanden, als er bereits eine bekannte Persönlichkeit der Musikwelt war, sowie aus seiner letzten Schaffensperiode, als er nach langjähriger Pause zum Komponieren für Soloklavier zurückkehrte.

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