Ausbau der Verkehrsadern zwischen Tschechien und Niederösterreich geht voran

Foto: My Friend, CC BY-SA 3.0

Am Montag hat der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll ein weiteres Mal Prag besucht. Bei seinen Gesprächen mit dem tschechischen Verkehrsminister Dan Ťok (Ano-Partei) ging es erneut um das Dauerthema der letzten Jahre: die Verbesserung der Verkehrsverbindungen zwischen den beiden Ländern. Doch wie es scheint, können beide Seiten bei zwei wichtigen Fernstraßen schon bald Vollzug melden.

Erwin Pröll (Foto: Pavol Frešo, CC BY 2.0)
Erwin Pröll ist ein Methusalem. Seit 1992 ist der 69-jährige ÖVP-Politiker nun schon Landeshauptmann von Niederösterreich. Und in dieser Funktion pflegt er seit Jahren auch eine gute Zusammenarbeit mit Tschechien. Das Problem der immer noch unzureichend ausgebauten Verkehrsverbindungen zum Nachbarstaat brennt ihm indes unter den Nägeln. Besonders jetzt, wo der Brexit schon bald vieles verändern könnte:

„Gerade im Zusammenhang mit dem künftigen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union tun sich natürlich große Chancen vor allem auch für diese, unsere Region im Herzen Europas auf. Denn ich bin überzeugt davon, dass einer Vielzahl an Unternehmen, die heute in Großbritannien ihren Standort haben, sowie weiteren Unternehmen, beispielsweise aus Amerika, nunmehr die Möglichkeit gegeben wird, hier an diesem Teil Europas ihre Zentralen und ihre Betriebe zu eröffnen. Doch dazu ist es notwendig, dass wir die Verkehrsinfrastruktur dieser Region auf höchstes Niveau bringen.“

R52 bei Pohořelice (Foto: My Friend, CC BY-SA 3.0)
Für die Region Südmähren/Niederösterreich sind besonders zwei Straßenverbindungen von Bedeutung: Die Strecke von Brno / Brünn nach Wien über den Grenzübergang Mikulov/Drasenhofen und die Trasse von Jihlava / Iglau nach St. Pölten über Znojmo / Znaim und Hollabrunn. Verkehrsminister Ťok bestätigte nach dem Treffen mit Pröll, dass man auf tschechischer Seite derzeit ganz intensiv an der Umfahrung von Mikulov / Nikolsburg arbeite. Danach aber sei die Fernstraße R52 bis Pohořelice vorerst weiter nur zweispurig, da auf diesem Teilstück immer noch nicht die dazu notwendige Änderung im Flächennutzungsplan getroffen worden sei. Das könnte sich im Herbst ändern, räumte Ťok vorsichtig ein. Dafür hielt er eine erfreuliche Nachricht bezüglich der anderen Strecke parat:

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„Was Znojmo betrifft, da haben wir eine gute Nachricht: Ein Teilstück der Umfahrung der Stadt wird in der kommenden Woche für den Verkehr freigegeben. Dort geht es also voran, und ich bin überzeugt davon, dass die Strecke von Jihlava bis nach Niederösterreich schon bald als wechselseitige dreispurige Straße befahrbar sein wird.“

Landeshauptmann Pröll wiederum versicherte, dass man mit den Bauvorhaben auf niederösterreichischer Seite im Soll liege:

„Wir in Niederösterreich sind betreffs des Ausbaus der Nordautobahn im Zeitplan. Das heißt, der Abschnitt von Schrick bis Poysbrunn ist bereits im Bau. Wir gehen davon aus, dass wir dann zu Ende 2017 die Verkehrsfreigabe machen können.“

Foto: My Friend, CC BY-SA 3.0
Prölls Worten zufolge sei es wichtig gewesen, von seinem tschechischen Gastgeber zu erfahren, dass die Strecke von Mikulov bis Pohořelice vorläufig nur zweispurig bleibe. Daher werde man das letzte Teilstück auf österreichischer Seite, von Poysbrunn nach Drasenhofen, vorerst auch nur zweispurig ausbauen. Im Projekt Nordautobahn seien indes bis einschließlich Drasenhofen vier Spuren vorgesehen. In der Umweltverträglichkeitsprüfung, die für den letzten Bauabschnitt gerade durchgeführt wird, werde dies auch so berücksichtigt, versicherte Pröll.

Zu guter Letzt verriet Verkehrsminister Ťok, dass es auch auf der Schiene ein neues Projekt gebe, das beide Seiten schon bald angehen wollen:

Dan Ťok (Foto: Archiv des tschechischen Verkehrsministeriums)
„Wir haben über eine sehr interessante Idee debattiert, und zwar über eine regionale Expressverbindung zwischen Wien und České Budějovice / Budweis. Dieser Regionalexpress könnte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit dort weiter ankurbeln. Denn dieses Gebiet verdient eine größere Aufmerksamkeit, sowohl von tschechischer als auch niederösterreichischer Seite.“