Brooklyn, Österreich und ein versteinertes Riesenfaultier – US-Autor John Wray in Prag
Das Prague Writers’ Festival zählt zu den meistbeachteten Literaturfestivals in Europa. Schriftsteller aus der ganzen Welt kommen hier jedes Jahr zusammen: jüngere und ältere, bekannte und noch weniger bekannte, Nobelpreisträger und Newcomer. Am Sonntag wurde der mittlerweile 20. Jahrgang feierlich eröffnet, noch bis Donnerstagabend stehen zahlreiche Lesungen, Autogrammstunden und Podiumsdiskussionen auf dem Programm. Einer der Autoren ist der junge New Yorker John Wray. Er hat enge Verbindungen zu Österreich – und auch einige zu Tschechien.
„Im Jahr 1991 war ich kurz in Prag. Seither hat sich die Stadt natürlich gewaltig verändert.“
Heute, sagt John Wray, erinnert ihn vieles hier an Wien. Und Wien kennt er sehr gut. Seine Mutter ist Österreicherin, sein Vater Amerikaner. Geboren ist er 1971 in Washington DC, heute lebt er im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Doch er war oft in Österreich, vor allem bei seiner Familie in Kärnten, und eben in Wien, wo er eine Zeitlang studiert hat. Trotz seiner zwei Pässe und seiner zweiten Muttersprache Deutsch ist es ihm damals gar nicht so leicht gefallen, sich ganz als Österreicher zu fühlen.
„Witzigerweise: In den letzten zehn Jahren, seitdem ich als so genannter freier Schriftsteller leben kann, ist es wieder möglich, wesentlich mehr Zeit in Österreich zu verbringen. Ich bin jetzt sicher österreichischer als vor zehn oder zwanzig Jahren.“Spätestens mit seinem dritten Roman „Lowboy“, auf Deutsch heißt er „Retter der Welt“, wurde John Wray zum aufsteigenden Stern des New Yorker Literaturhimmels. Die Hauptfigur, ein sechzehnjähriger Junge, der an paranoider Schizophrenie leidet, irrt durch die New Yorker U-Bahn, verfolgt von seiner Mutter und einem Polizeiinspektor, verfolgt vom Glauben, nur er könne die Welt vor einer Katastrophe retten. Dass Wray das Buch auch in der U-Bahn geschrieben hat, war fast ein Zufall.
„Eigentlich wollte ich nur ein billiges Atelier, ein billiges Büro finden. Die New Yorker U-Bahn kann manchmal sehr überfüllt sein, aber wenn man nicht zu den Hauptverkehrszeiten drinsitzt, dann ist sie eigentlich ein ziemlich gutes Ambiente für die Arbeit.“Derzeit arbeitet John Wray an seinem vierten Roman. Wie er heißen soll, weiß er noch nicht, auch nicht, wann er fertig sein wird. Fest steht aber, dass die Geschichte seiner Familie, die auch Wurzeln im heutigen Tschechien hat, darin eine zentrale Rolle spielt:
Mit dem Ururgroßvater Professor Toula wird der neue Roman des österreichisch-amerikanischen Autors John Wray beginnen. Und zwar im südmährischen Znaim.







