Cermin: Ich bewundere deutsche Gerichte

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Es geht vor allem um eine moralische Verurteilung derjenigen, die sich als Angehörige der SS-Truppen an der Folterung der Gefangenen in den KZ-Lagern beteiligt hatten. Dies ist nach Meinung der Vertreter der Nazi-Opfer der Hauptsinn der Gerichtsprozesse, bei denen man versucht, mehr als 56 Jahre alte Ereignisse zu untersuchen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Am Dienstag verurteilte das Landgericht Ravensburg den ehemaligen SS-Offizier Julius Viel zu zwölf Jahren Freiheitsentzug. Der inzwischen 83-Jährige hat nach Meinung des Gerichts im März 1945 im nordböhmischen Litomerice/Leitmeritz sieben jüdische Zwangsarbeiter erschossen.

Der Vorsitzende des Tschechischen Freiheitskämpferverbandes, Jakub Cermin, erklärte in diesem Zusammenhang: "Es gibt das Gesetz - auf die Schuld folgt die Strafe. Man darf niemandem erlauben, einen Menschen zu töten und unbestraft zu bleiben. Nach den beiden Weltkriegen ist die Moral stark gesunken, die Menschen fühlen sich an keine geistlichen Regeln gebunden oder es mangelt ihnen am Verantwortungsgefühl. Ich muss betonen, dass ich davon überzeugt bin, dass deutsche Gerichte jemanden wirklich nur anhand von entsprechenden Beweisen verurteilen. Ich meine, dass Deutschland mit der Nazi-Ära viel besser als die tschechische Republik mit dem Kommunismus abrechnet."

Der verurteilte Viel soll nach Kriegsende ein Leben ohne Fehl und Tadel gelebt haben. Ähnliche Beispiele würde man auch in der postkommunistischen tschechischen Gesellschaft finden. Es gibt da Menschen - z. B. ehemalige Aufseher aus den kommunistischen Gefängnissen der 50er Jahre - die sich keine Sorgen über ihre Schuld machen. Dazu noch einmal Jakub Cermin:

"Einige sogar, denen nachgewiesen worden ist, dass sie jemanden gefoltert haben, sagen offen, ich würde es wieder machen, ich fühle mich gar nicht schuldig. Dies ist ein moralischer Verfall."