„Child of Prague“: Das Prager Jesulein reist nach Irland
Eine Kopie der verehrten Statue wird demnächst der irischen Grafschaft Kerry übergeben. Tschechien würdigt damit die dortige Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union.
Die mehr als vierhundert Jahre alte Figur des Prager Jesuleins aus der Kleinseitner Kirche Maria vom Siege zählt zu den bedeutendsten christlichen Wahrzeichen Prags und zieht Gläubige aus aller Welt an. Anlässlich der feierlichen Segnung einer Kopie der Statuette betonte der Prager Erzbischof Stanislav Přibyl die tiefe theologische Bedeutung der Figur:
„Das Jesulein ist zu einem weltweiten Symbol für die Verehrung des christlichen Glaubenskerns geworden – Christus, dargestellt als Kind, das jedoch die segnende Haltung eines Erwachsenen einnimmt.“
Die Kopie der Statuette wird nun nach Westirland reisen. Sie erhielt für diesen Anlass ein eigens angefertigtes grünes Kleid mit vielen Symbolen, die sowohl auf Irland als auch auf Tschechien verweisen. Jana Adamcová, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Prague City Tourism, erläutert:
„Irland wird durch das smaragdgrüne Samtgewand Jesuleins symbolisiert. Zudem wurde der Mantel in der sogenannten Smocking-Technik gefertigt – einer traditionsreichen Handarbeitsform, die auf der Insel verwendet wird.“
Kristallherz und Smaragdgrün
An der feinen Ausstattung der Statuette waren verschiedene tschechische Kunsthandwerker beteiligt. So fertigten beispielsweise Glasbläser aus Jablonec nad Nisou die Krone und den Reichsapfel in aufwendiger Handarbeit. Jana Adamcová erklärt die tschechische Symbolik im Detail:
„Der Kragen ist mit einem Lindenblatt verziert, dem tschechischen Nationalsymbol. Das Weinreben-Ornament verweist wiederum nicht nur auf die christliche Tradition und die Verbundenheit Christi mit den Gläubigen, sondern schlägt auch die Brücke zu den tausendjährigen Prager Weinbergen und dem heiligen Wenzel. Das Herz aus Kristall ist zudem eine Hommage an jenes Symbol, das Václav Havel stets seiner Unterschrift beizufügen pflegte.“
In Irland ist das Jesulein als „Child of Prague“ tief in der Kultur verwurzelt. Laut dem tschechischen Botschafter in Dublin, Pavel Vošalík, hat die Statuette dort einen festen Platz in der Volkstradition eingenommen:
„Das Jesulein spielt bei jeder Hochzeitszeremonie eine außergewöhnliche Rolle. Man glaubt nämlich, es würde dafür sorgen, dass es nicht regnet, wenn die Statue am Hochzeitstag vor das Haus gestellt wird.“
Geschenk zur EU-Präsidentschaft Irlands
Die Übergabe der gesegneten Kopie an die Diözese in der irischen Grafschaft Kerry findet im Rahmen der irischen EU-Ratspräsidentschaft statt. In diesem Programm wurde Kerry der Tschechischen Republik als Partnerregion zugeteilt, um tschechische Kultur, Traditionen und zeitgenössisches Schaffen zu präsentieren. Botschafter Pavel Vošalík konkretisiert die Pläne zur künftigen Behausung der Statuette:
„Der Bischof von Kerry hat angekündigt, das Jesulein zunächst in der Kathedrale in Killarney – dem Bischofssitz – unterzubringen. Langfristig wird jedoch darüber nachgedacht, der Figur eine der zahlreichen lokalen Kirchen anzuvertrauen.“
Die offizielle Übergabe erfolgt am 8. September, im Rahmen der traditionellen Wallfahrt an der Marienquelle in Ballyheigue direkt an der Atlantikküste.







