Einladung auf das Schloss Nachod

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Heute möchten wir Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, auf das ostböhmische Schloss Nachod einladen, das ca. 5 km von der polnischen Grenze entfernt liegt. Literaturfreunde aufgepasst: das Schloss hat sowohl mit Alfred von Wallenstein als auch mit Bozena Nemcova etwas zu tun.

Sein Entstehen verdankt das Schloss der alten Handelsstraße, die zwischen Böhmen und Kladsko/Glaz verlief. Mitte des 13. Jahrhunderts war das heutige Schloss noch eine gotische Burg mit einem hohen Walzenturm, im 14. Jahrhundert wurde sie immer weiter vergrößert, bis eine große Befestigungsanlage entstand. Die Familie der Smiricky, die die Burg 1544 kaufte, begann, sie in ein Schloss im Renaissance-Stil umzuwandeln.

Als nach der Schlacht am Weißen Berg die Besitzerin des Schlosses, Marketa Salomena, Böhmen verließ, fürchteten die Bewohner Nachods Plünderungen ihrer Stadt und des Schlosses. Aus diesem Grund wandten sie sich 1621 mit einem Brief an den Enkel von Hedwig Smiricka von Smirice, nämlich Albrecht von Wallenstein. Dieser wurde zunächst Besitzer des Herrschersitzes Nachod, doch bald schon ging dieses in den Besitz von Adam Erdmann Trcka über, der eng mit Wallenstein zusammenarbeitete. Als 1634 diese beiden in Eger starben, sollte das Schloss Nachod von nun an keinen böhmischen Besitzer mehr haben. Die italienische Familie Piccolomini baute das Schloss im barocken Stil aus und befestigte es weiter. Der erste Besitzer aus dieser Familie, Octavio Piccolomini, lebte jedoch nicht lange dort, sondern verließ Nachod, um dem spanischen König zu dienen. Bei seinem Aufenthalt in Brabant lernte er die Prinzessin Maria de Brabancon kennen und heirate sie. Die Prinzessin starb aber kurze Zeit später und die Gobelins, die Octavio für seinen Brüsseler Sitz bestellte, wanderten deswegen nach Nachod. Heute kann die Gobelin-Sammlung auf dem Schloss Nachod besichtigt werden.

Im Jahre 1792 kaufte der Herzog Peter Biron das Schloss. Er regierte nur kurz, doch in den acht Jahren erlebte das Schloss mehr Kultur als in all den Jahren davor. Im zweiten Stock des Schlosses ließ er ein Theater bauen, in welchem viermal die Woche gespielt wurde, zweimal wöchentlich fand ein Konzert statt.

Nach Birons Tod erbte seine älteste Tochter Katharina Wilhelmine Zaháòská das Schloss. Sie kümmerte sich vor allem um das politische Geschehen, einige Zeit war sie sogar eine vertraute Freundin des Grafen Metternich. Die Leser von Bozena Nemcovas Großmutter werden sich erinnern: Großmutter besucht mit ihren Enkelkindern oftmals die Frau Fürstin auf dem Schloss. Keine geringere als Katharina Zahanska ist dabei gemeint!

Die letzten Besitzer des Schlosses waren das Adelsgeschlecht Schaumburg-Lippe. Das Schloss blieb bis Ende des zweiten Weltkriegs in ihrem Besitz.

Besichtigen kann man im Schloss selber Exponate aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als die Familie der Piccolomini das Schloss bewohnte, so z. B. ihre Ahnengalerie und ihre Bibliothek. Nicht entgehen sollten Sie sich den wunderschönen Ausblick auf die Stadt Nachod und das Tal der Metuje sowie die umliegenden Hügel, der sich von der Loggia bietet.