Forum 2000

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Vergangene Woche nahm ein nicht geringer Teil derer, die international auf den Gebieten Wissenschaft, Kunst, Religion und Politik Rang und Namen haben, an der Konferenz Forum 2000 in Prag teil. Im heutigen Schauplatz präsentieren wir Ihnen einige interessanten Meinungen und Ansätze die zu den Themen Bildung, religiöse Werte und Kunst in Zeiten der Globalisierung vorgetragen wurden. Die Sendung zusammengestellt hat Marcela Pozarek durch das Programm begleitet Sie Martina Schneibergova.

An den drei Konferenztagen des Forums 2000 brillierte der Spanische Saal der Prager Burg mit der Anwesenheit illustrer Namen aus der Welt des Geistes, der Wissenschaft und der Kunst. Bei der kurzen Eröffnungsrede äusserte sich Präsident Vaclav Havel dezidiert politisch. Er wies darauf hin, dass man dem bekannten russischen Journalisten Andrej Babicki von Radio Liberty, der sich um kritische Reportagen aus Tschetschenien verdient gemacht hatte und am Forum hätte teilnehmen sollen, in Moskau jedoch keinen Reisepass ausgestellt hatte. Der Saal gedachte auf Havels Initiative hin während einer Schweigeminute der Opfer des Blutvergiessens in Nahost und dieses aktuelle Thema war nicht nur durch die Anwesenheit des haschemitischen Prinzen Jordaniens Hassan bin Talal und des Friedensnobelpreisträgers Simon Peres während der Diskussionen immer wieder präsent.

Wie Bildung als Türe für zwischenmenschliche Verständigung im Zeitalter rasender Technologieentwicklung eine solide Dialogbasis bilden kann und soll, das wurde aus verschiedenen Perspektiven eingehend beleuchtet. Wie wichtig es ist komplexe Zusammenhänge zu verstehen und nicht nur Wissensstoff und Fakten anzuhäufen, erläuterte im Gespräch mit Radio Prag der Rektor der Universität der Vereinten Nationen in Tokio, Hans van Ginkel: Obwohl die Jahrestagung der Bretton Woods Institutionen in Prag längst zu Ende ist, wirkte das diesjährige Forum 2000 wie ein Nachhall der IWF-Weltbank Tagung Ende September, denn das Wort Globalisierung war in aller Munde, wurde immer wieder aufgegriffen, definiert und manchmal mit ängstlicher Ehrfurcht behandelt.

Der Soziologe und Leiter der London School of Economics, Anthony Giddens plädierte für eine Aufwertung des ominösen Begriffes:

" Wir leben in einer Zeit der sofortigen, instanten Kommunikation, das ändert viele Sachen. Unser persönliches Leben und auch die globalen Systeme. Globalisierung hängt mit Kommunikation zusammen und nicht in erster Linie mit dem Markt und der Wirtschaft. Deshalb ist es wichtig, dass wir aus dieser Perspektive den Einfluss auf die Bildung betrachten und natürlich den Einfluss der Globalisierung auf unser persönliches Leben."

In Zeiten der weltweiten Vernetzung aller Informationskanäle, darin waren sich alle einig, müsse das Menschliche, der Dialog, mehr in den Vordergrund treten, darauf wies auch ein tschechischer Studentenvertreter am Forum 2000, Lukas Vylupek hin.

"Das ist bestimmt ein Problem. Wichtig ist ein Rückhalt, beispielsweise die Familie. Der Mensch muss wissen, wo er seine Wurzeln hat und dass jemand hinter ihm steht und ihn unterstützt. Nicht dass der Vater nur ab und zu mal auf dem Handy eine Nachricht hinterlässt. Es muss ein Gegenüber sein, mit dem man jederzeit ein Gespräch führen kann. Das Internet bietet riesige Möglichkeiten, ich beobachte das an der Uni, wo ich auch unterrichte. Da hat man bei all diesen neuen Kommunikationsmöglichkeiten manchmal Mühe zu sehen, dass auch der ruhige, introvertierte Student absolut geniale Gedanken haben kann, irgendwie lässt sich das immer schwerer herausfinden."

Welche Richtung die Bildungsinstitutionen künftig einschlagen müssen, darüber hat man am runden Tisch leidenschaftlich diskutiert. Der Rektor der Universität der Vereinten Nationen in Tokyo, Hans van Ginkel: In der St. Veits - Kathedrale kamen anlässlich von Forum 2000 ranghohe Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen zusammen, um an Frieden und Völkerverständigung in einer Zeit zu gemahnen, wo in Nahost der zwischenmenschliche Dialog immer wieder zu versiegen droht.

Gleich neben Rabbiner Albert Friedlander sass in der Kathedrale der muslimische Scheich Abbas Mohajerani und der Dalaj Lama. Den Friedensdialog im Nahen Osten wieder aufnehmen, dazu wollen Staatspräsident Vaclav Havel, der Friedens Nobelpreisträger Simon Peres und der jordanische Prinz Hassan bin Talal beitragen, die gemeinsam auf der Konferenz Forum 2000 eine Erklärung für den Friedensprozess ausgearbeitet haben, mit der Hauptthese, dass ein politischer Weg in der Frage der Friedensstiftung wichtig, aber nicht ausreichend ist um für dauerhafte Stabilität im Nahen Osten zu sorgen. Der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Präsident Südafrikas Frederik de Klerk sagte an der Konferenz, aus eigener Erfahrung wisse er, dass man Frieden nicht mit der Waffe in der Hand erreichen könne, aber nur durch Dialog. Das israelische Kabinettsmitglied Simon Peres sprach sich diesbezüglich für ein maximales Entgegenkommen beider Seiten aus:

"Es ist ein wichtiges Bedürfnis für die Palästinenser und uns, die Leben unserer Menschen zu retten, eine wirtschaftliche Kontinuität herzustellen und bei der Schaffung einer neuen Beziehung weiter zu fahren. Wie verschieden auch die Blickwinkel sein mögen, aus denen Israeli und Palästinenser die Geschehnisse der vergangenen Woche betrachten, es muss eine gemeinsame Brücke gefunden werden. Ich ging damals mit Isaak Rabin nach Oslo um all dem, der israelischen Besetzung Palästinas ein Ende zu setzten, wir wollen die Palästinenser nicht dominieren. Sie haben ein Recht unabhängig und erfolgreich zu sein, sie sollen ihr Schicksal selbst bestimmen können. Ich sehe keinen Grund dafür, wieso die Beziehung zwischen diesen beiden Staaten nicht normal und positiv sein können."

Dass man mit Beharrlichkeit vielleicht zu einem für beide Seiten akzeptablen Stabilitätspakt und Friedenschluss kommt, davon war am Forum 2000 auch der haschemitische Prinz aus Jordanien, Hassan bin Talal überzeugt.

"Dieser Prozess der Friedensfindung verlangt ein grosses Mass an Geduld und ich möchte nicht sagen, welche Seite grosszügiger in ihrem Entgegenkommen war. Was die Palästinenser anbelangt, haben auch sie beispielsweise schon in Oslo viele Eingeständnisse, inklusive der Anerkennung des israelischen Staates gemacht. Was glaube ich jetzt wirklich helfen kann ist, wenn man immer wieder zum Ausdruck bringt, dass es am Ende dieses sehr dunklen Tunnels immer noch Licht gibt."

Während am zweiten Konferenztag wie erwähnt die religiösen Werte in der heutigen Gesellschaft im Vordergrund standen, beschäftige man sich am dritten und letzten Tag mit der Kultur, um die es in Zeiten des Fernsehkitsches und der Reizüberflutung auch nicht immer gut bestellt ist. Der britische Musiker Peter Gabriel plädierte auch im Fall der kulturellen Werte für Respekt des Fremden und Anderen:

"Viele Menschen verlangen immer noch eine Art Rassenreinheit und akzeptieren nicht offen Kommunitäten von Immigranten. Aber wenn man zurücksieht in die Geschichte, so findet man in England beispielsweise diese merkwürdig skurrile Tradition, eine Quintessenz unserer Kultur und zwar den Morris Tanz. Ein Mohrentanz, der ursprünglich von britischen Kaufleuten aus Nordafrika nach England importiert wurde. Wenn man also einen Blick zurück wirft, dann sieht man überall auf der Welt diese multikulturellen Wurzeln und Verknüpfungen."

Autoren: Martina Schneibergová , Marcela Pozarek
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