Frische Ideen und neue Partnerschaften: Deutsch-Tschechischer Kulturfrühling in Deutschland

Tomáš Sacher (Foto: YouTube Kanal der Tschechischen Zentren)

Neben der Natur blüht auch die Kultur beiderseits der tschechisch-deutschen Grenze auf. In den kommenden drei Monaten präsentieren sich beim Deutsch-Tschechischen Kulturfrühling die Spitzen der deutschen Kulturszene im südöstlichen Nachbarland. Aber auch anders herum ist viel geboten. Tomáš Sacher leitet das Tschechische Zentrum in Berlin und weiß genau, was die Tschechien-Interessierten von Kiel bis München erwartet.

Tomáš Sacher (Foto: YouTube Kanal der Tschechischen Zentren)
Herr Sacher, was sind die Highlights des Deutsch-Tschechischen Kulturfrühlings auf deutscher Seite? Könnten sie das kurz zusammenfassen?

„Wir haben ungefähr 30 Projekte, die in Deutschland stattfinden. Und zwar nicht nur in Berlin, sondern zum Beispiel auch in München, Leipzig oder Düsseldorf. Es freut mich sehr, dass ganz viel los sein wird in den Theatern, oder auch, was das Genre des zeitgenössischen Tanzes betrifft. Man hat zum Beispiel mit dem Tanzhaus NRW in Düsseldorf ein ganzes Festival vorbereitet, bei dem tschechische Tänzer das Neuste und Beste ihres Könnens zeigen werden. Wir haben ebenso zahlreiche Projekte in der Musik. Natürlich gibt es dabei auch klassische Musik. Aber im Programm sind zudem innovative Ideen, die sich erst langsam durchsetzen werden.“

Beim Kulturfrühling sind aber auch ganz neue Kooperationen entstanden. Ein schönes Beispiel gibt es da im Theater…

„Wir haben versucht, auch ganz neue Partnerschaften zu knüpfen. Eng zusammengearbeitet haben wir mit tschechischen Einrichtungen, die ihren Partner in Deutschland erst finden mussten.

„Wir haben versucht, auch ganz neue Partnerschaften zu knüpfen. Eng zusammengearbeitet haben wir mit tschechischen Einrichtungen, die ihren Partner in Deutschland erst finden mussten. So auch das Prager Theater Dejvice. Über das Theater am Geländer, das durch die Organisation des deutschsprachigen Theaterfestivals in Prag enge Kontakte mit den deutschen Häusern hat, ist dann eine Kooperation mit dem Deutschen Theater in Berlin entstanden. Das Theater Dejvice wird nun in den Kammerspielen in der deutschen Hauptstadt zwei Stücke zeigen.“

Wo liegt denn der Schwerpunkt des Deutsch-Tschechischen Kulturfrühlings in Deutschland? Sind es vor allem die Grenzregionen, oder wollte man umso weiter weg von Tschechien?

„Die Projekte an der Grenze sind sehr wichtig, aber meist sehr klein.“

„Ich würde schon sagen, dass wir weiter nach Westen schauen, weiter weg von Tschechien. Natürlich ist beim Neiße-Filmfestival oder in Chemnitz, wo sich viele Veranstaltungen um die Grenze drehen, besonders viel los. Mich freut aber, dass Tschechen in Städten wie Bremen oder Düsseldorf etwas ganz Neues vorbereiten werden. Gerade der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds hat uns jetzt die Chance gegeben, mit mehr Geld auch ambitioniert arbeiten zu können. Die Projekte an der Grenze sind sehr wichtig, aber meist sehr klein. Jetzt konnten wir bei der Organisation schon größere Pläne in Angriff nehmen und zum Beispiel auch an die großen Bühnen wie in Berlin gehen.“

Goethe Institut (Foto: Google Street View)
Wenn man sich das Programm anschaut, fällt vor allem eins auf: In Tschechien finden viel mehr Veranstaltungen statt, als in Deutschland. Liegt das am geringen Interesse der Deutschen an Tschechien?

„Nein, das überhaupt nicht. Zudem kann man auch nicht sagen, dass in Deutschland wirklich mehr stattfindet als in Tschechien. Ganz klar ist die Idee für den Deutsch-Tschechischen Kulturfrühling von der deutschen Botschaft in Prag und vom Goethe-Institut gekommen. Wir von den Tschechischen Zentren sind etwas später dazu gestoßen, so lässt sich der Unterschied rein technisch erklären. Gleichzeitig ist es aber so, dass sich das Goethe-Institut ausschließlich auf die drei Monate des Kulturfrühlings konzentriert. Die tschechischen Zentren halten dazu aber noch an ihrem regulären Programm fest. Neben den 30 Veranstaltungen im Rahmen des Kulturfrühlings finden in diesem Jahr weitere 40 Projekte des Tschechischen Zentrums in München und sogar 50 bis 60 Projekte des Zentrums in Berlin statt. “


Der Deutsch-Tschechische Kulturfrühling findet von Ende März bis Juli in verschiedenen Städten in Tschechien und Deutschland statt. Worauf genau Sie sich in Ihrer Region freuen können, finden Sie auf der Webseite des Deutsch-Tschechischen Kulturfrühlings www.de-tsch.eu oder auf den Webseiten der Tschechischen Zentren in Berlin, Düsseldorf oder München.