"Geschichte Österreichs" - ein neuer Titel der Editionsreihe "Geschichte der Staaten"

Eine der erfolgreichsten Editionsreihen des Prager Buchverlags Lidove noviny ist die, in der die Geschichte einzelner Staaten der Welt dargestellt wird. Nach etwa sechsjähriger Arbeit eines Kollektivs tschechischer Historiker ist nun im Rahmen dieser Reihe die "Geschichte Österreichs" erschienen. Nach dem Konzept dieses Werkes haben wir einen der Autoren, Milan Hlavacka von der Prager Karlsuniversität, gefragt:

"Das hängt von der Frage ab, was ist Österreich, was war Österreich. Und für jeden Autor war Österreich etwas anderes. Für mich war es die Habsburger Monarchie, für meinen Kollegen Veber war es die Österreichische Republik. Aber wir hatten ein einfaches Konzept, und zwar: Wir wollen erstens die Geschichte der Dynastie, zweitens die Geschichte des Staates oder des Reiches und die Geschichte der Gesellschaft oder der Gesellschaften schreiben. Das war dieses grobe Konzept und jeder musste es erfüllen. Aber in dieser Geschichte der Gesellschaft hatte es keinen Sinn, die Geschichte der Ungarn, der Tschechen, der Polen zu wiederholen, diese bezog sich nur auf die Geschichte Österreichs, also das innere Gebiet von Österreich."

Die Geschichte Österreichs hat einen engen Bezug auch zur Geschichte der böhmischen Länder. Wie haben sich die Autoren damit auseinandergesetzt?

"Wir wollten gar nicht vertuschen, dass wir Tschechen sind, das ist klar. Aber wir wollten keine gemeinsame Geschichte, sondern wirklich die Geschichte Österreichs oder der Habsburger Monarchie schreiben. Das bedeutete für jeden, das, was es da gibt, ein bisschen subjektiv zu sehen, aber zugleich zu unseren Geschichten, zu unseren Gefühlen, zu unseren Niederlagen Distanz zu halten."

Das Buch wurde am Dienstagabend feierlich vorgestellt und vom österreichischen Botschafter Klas Daublebsky mit Sekt getauft. Daublebsky bewertete gegenüber Radio Prag die Herausgabe des Geschichtsbuches folgendermaßen: "Ich bin davon überzeugt, dass Leute, die sich kennen, einander auch im täglichen Leben auch besser verstehen, als Menschen die sich nicht kennen. Und das gilt eben auch für die Geschichte der Länder. Die Geschichte und wie die Geschichte von der anderen Seite wahrgenommen wird hilft eben, davon bin ich fest überzeugt, zur Stärkung des gegenseitigen Verständnisses."