Grenzstadt Cheb weist Vorwürfe der verbreiteten Kinderprostitution zurück

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Die nordwestböhmische Grenzstadt Cheb/Eger ist mit ihrer historischen Burg und dem berühmten Spalicek, einem bizarren Häuserkomplex auf dem Egerer Marktplatz, eigentlich eine touristische Attraktion. Doch in den zurückliegenden Wochen und Monaten häuften sich immer wieder Berichte über eine hier angeblich sehr ausgebreitete Kinder-Prostitution, die diese Stadt seitdem in eine ziemlich dunkle Ecke rücken. Den jüngsten Negativschlagzeilen in dieser Problematik hat die Stadt nun polizeiliche Untersuchungsberichte entgegen gestellt. Näheres zu diesem unerfreulichen Thema nun von Lothar Martin.

"Es ist erschreckend, dass trotz vieler Warnungen und Appelle die Kinder-Prostitution mitten in Europa weitergeht". Mit diesen drastischen Worten hatte der Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Reinhard Schlagintweit Anfang Juni auf die Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF reagiert, denen zufolge auch ein Jahr nach der EU-Erweiterung weiterhin Kinder an der deutsch-tschechischen Grenze zur Prostitution gezwungen würden. Eine Studie der Karlsuniversität Prag bei fast 850 Minderjährigen aus Cheb habe ergeben, dass jedes siebte Kind schon von einem Erwachsenen Geld für Sex angeboten bekam, hieß es damals. Mit UNICEF-Unterstützung hatte die Prager Universität 844 Kinder in Cheb im Alter von 7 bis 15 Jahren befragt. 43 Prozent der Mädchen nannten Prostitution eine gute Verdienstmöglichkeit, wenn man keine Ausbildung hat. Fast zehn Prozent können sich dies für sich vorstellen, wird in der Studie kundgetan. Ein alarmierendes Umfrage-Ergebnis, das die Stadtväter von Cheb erneut auf den Plan gerufen hat, diesen Aussagen und den damit verknüpften Vorwürfen nachzugehen. Anhand der inzwischen vorliegenden Untersuchungsergebnisse hat die Grenzstadt Cheb die Berichte über eine angeblich weit verbreitete Kinder-Prostitution am Dienstag zurückgewiesen. Für die von Medien und Bürgerinitiativen erhobenen Vorwürfe habe man keine Beweise gefunden, sagte die Sprecherin des tschechischen Polizeipräsidiums, Blanka Kosinova. Weder die Sondereinheit für die Bekämpfung organisierter Kriminalität noch die bilaterale Arbeitsgruppe "Eger" hätten entsprechende Hinweise entdeckt, ergänzte Kosinova und erklärte:

"Es ist richtig, dass Interessenten an Kinder-Prostitution hierher fahren und dass die Kommunität der Roma dies auch ausnutzt. Ein Beleg dafür sind 60 Fälle von Betrug, bei denen stets eine Prostitution angeboten wird, die jungen Anbieter sich aber sogleich mit dem Geld der Klienten aus dem Staub machen. Zum Sex kommt es dabei selbstverständlich nicht."

Cheb (Foto: Milos Turek)
Diese Aussage wurde auch von Bezirksstaatsanwalt Vaclav Opl bestätigt, der darüber hinaus bemerkte:

"Bei uns gilt das Prinzip der Legalität, das heißt die Staatsanwaltschaft muss die Straftaten verfolgen, die in Erfahrung gebracht wurden. Daher kann ich hier eindeutig sagen, dass ich weder eine Strafanzeige in punkto Kinder-Prostitution noch andere Erkenntnisse vorliegen habe. Demnach hatten wir in der Tat keine konkreten Fälle."

Der Bürgermeister von Cheb, Jan Svoboda, zeigte sich erleichtert über die Untersuchungsergebnisse. "Man muss sich einmal klar darüber werden, wer der Stadt Schande macht und hier Sex mit Kindern sucht: deutsche Touristen", sagte Svoboda. In die gleiche Kerbe schlug auch UNICEF, als die Kinderhilfsorganisation kritisierte, dass die von der deutschen Regierung angekündigte Aufklärungsarbeit an der Grenze noch nicht geleistet worden sei. Die versprochenen Schulungen bei Polizei und Bundesgrenzschutz seien bisher ausgeblieben. Die Behörden beider Länder müssten enger kooperieren, um Täter zum Beispiel mit verdeckten Ermittlungen zu fassen. Dem ist nichts hinzuzufügen.