"Heilige Ketzer" - ein Buch über Hl. Kyrill und Methodios von Jindra Jarosova

r_2100x1400_radio_praha.png

Fast am Vorabend des Hl. Kyrill- und Methodios-Festes erschien im Verlag Radioservis ein Buch mit dem Titel "Heilige Ketzer oder eine Reportage nicht nur aus Großmähren". Seine Autorin - die Historikerin und Redakteurin des Tschechischen Rundfunks Jindra Jarosova versucht, mit ihrer "Reportage" auch Leser anzusprechen, für die die Geschichte nicht gerade ein Hobby ist. Es handelt sich hierbei weder um einen Roman, noch um ein faktografisches Buch, das sich ausschliesslich auf die Mission der beiden hochgebildeten Brüder konzentrieren würde.

In den ersten Kapiteln wird die Entstehung der europäischen christlichen Kultur dargestellt, die sich im ersten Jahrtausend auf den Trümmern der Antike entwickelte. Aufmerksamkeit wird im ersten Teil des Buches vor allem der byzantinischen Geschichte geschenkt. Genauso bedeutend sind auch Abschnitte, die sich mit der Situation im Fränkischen Reich sowie in Rom befassen, mit denen die Ereignisse in Großmähren zusammenhingen. Die Autorin hat eine bewundernswerte Menge von historischem Material gesammelt - nicht nur was die sog. "große Politik", sondern auch das Alltagsleben anbelangt. Sie charakterisiert die Streitigkeiten innerhalb der Kirche - sowohl die kirchenpolitischen Auseinandersetzungen, als auch Polemiken über die Glaubenslehre. Wie sieht die Historikerin die beiden heiligen Brüder?

"Sie waren Menschen aus Fleisch und Blut, und ich möchte betonen, dass die Zeit, in der sie lebten, eine sehr brutale Zeit war - und zwar nicht nur bei uns, sondern auch in Byzanz. Aus Byzanz sind diese beiden heiligen Ketzer - Kyrill und Methodios - zu uns gekommen. Diese Mission war etwas Grossartiges. Denn stellen Sie sich zwei Gelehrte vor, die in ihrer hochgebildeten Heimat zu den Grössten unter den Grossen gehörten, und sie packen ihre Sachen und begeben sich irgendwohin nach Mähren, wo es noch vor ein paar Generationen nur Urwald gab. Nach Mähren brachten sie Bildung von höchster Qualität, die es überhupat damals auf diesem Planeten gab. Ist dies nicht ein phantastischer Anfang der Geschichte?"

Jindra Jarosova arbeitete an dem Buch insgesamt vier Jahre lang, drei Jahre lang hat sie Material gesammelt, studiert und sortiert. Im April 1998 war das Buch über die heiligen Ketzer fertig. Auf die Frage, ob in ihrem Buch einige neue Tatsachen auftauchen, die sie selbst entdeckt und die vorher nicht publiziert wurden, antwortete Jindra Jarosova:

"Das würde ich nicht behaupten. Historiker, die sich mit dieser historischen Zeitetappe beschäftigen, kennen diese Tatsachen schon, aber die Öffentlichkeit wird über die Mehrheit dieser Tatsachen höchstwahrscheinlich zum erstenmal erfahren. Dazu gehört z.B. die Feststellung, dass Konstantin nicht nur ein sprachwissenschaftliches Genie war, der uns die erste slawische Schrift brachte, sondern dass er auch ein hervorragender Komponist war und dass er auch eine Reihe guter Musiker unterrichtet hatte. Ich weiss nicht, wieviele Menschen dies wissen. Oder eine andere interessante Tatsache - dass Methodios ursprünglich Soldat von Beruf war. Er herrschte zehn Jahre lang in einem slawischen Fürstentum als Fürst - und er wusste sehr gut, wie die grosse Politik betrieben wird."

Die Mehrheit der eher praktisch denkenden Tschechen ist offensichtlich davon überzeugt, dass der Hauptverdienst des heiligen Kyrill und Methodios darin besteht, dass man heute in Tschechien einen Feiertag hat... Dazu Jindra Jarosova:

"Dies ist eine der vielen guten Taten, die man ihnen zuschreiben kann. Ich will nicht, dass die Leute meinen, dass ich einen Lebenslauf von Kyrill und Methodios schrieb. Man findet ihn in diesem Buch zwar auch, aber das ist nur ein Bestandteil des Buches. Kyrill und Methodios sind nur zwei von den zahlreichen Gestalten, denen man in meinem Buch begegnet. Ähnlich wie die beiden Brüder ist keine der anderen Gestalten eine fiktive Gestalt. Sie haben alle wirklich gelebt, sie lebten in Mähren, in Westeuropa, in Nordafrika, in den arabischen Ländern und auch in Byzanz. Ich wollte vor allem zeigen, was es für ein Land war, in dem Kyrill und Methodios geboren wurden. Ich wollte zeigen, was sie beide in ihren Erinnerungen mit sich nach Grossmähren gebracht hatten. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass ein heutiger Action-Movie verglichen mit dem, was sich damals vor der Geburt des heiligen Kyrill und Methodios und nach deren Geburt in Byzanz abspielte, ein Märchen ist. Denn ich habe mich mit vielen Einzelheiten beschäftigt..."

Soweit Jindra Jarosova über ihr Buch "Heilige Ketzer oder eine Reportage nicht nur aus Großmähren".