Hörerforum

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Hallo und herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer. Auch heute wollen wieder ein wenig in unserer Postmappe herum stöbern. Den Karten und Briefen, die uns von Ihnen geschrieben wurden, haben sich diesmal Marketa Maurová und Lothar Martin angenommen.

Die Ereignisse der letzten Tage und Wochen, vor allem die fortgesetzten bakteriologischen Anschläge in den USA mit dem Anthrax-Erreger, machen sich - leider - auch in unserer Post bemerkbar. Nein, keine Sorge, natürlich sind wir von ähnlichen Attacken nicht betroffen, doch die allgemeine Angst und Verunsicherung haben bestimmt auch dazu geführt, dass unsere Postmappe derzeit wesentlich dünner ist als in anderen Wochen, wo die Normalität regiert. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich unsere schreibfleißigsten Zuhörer in Ihren Zuschriften auch und vor allem mit den heißen Themen unserer Tage - dem Kampf gegen den Terrorismus, dem militärischen Konflikt in Afghanistan und dem Angst bis Panik verursachen Auftreten des Anthrax-Erregers - befassen. Wir möchten einige davon zu Gehör bringen.

So schrieb uns Herr Thorsten Brandenburg aus München folgendes: "Vor wenigen Tagen bin ich aus Südfrankreich aus dem Urlaub zurückgekommen und konnte natürlich auch dort Ihre Sendungen sehr gut empfangen! Ich verfolge natürlich auch Ihre Berichterstattung zum Thema ´US-Anschläge´ und für mich eine sehr beeindruckende Meldung in Ihrem heutigen Programm war, die Nachricht über einen geplanten Anschlag auf ´Radio Free Europe´ in Prag. Ich habe auch viele Jahre dort gearbeitet und kann mich an die angespannte Sicherheitslage im Funkhaus während des Golfkriegs 1991 sehr gut erinnern. Da ich viele der jetzigen Mitarbeiter auch noch aus der Münchner Zeit kenne, hat mich diese Nachricht schon berührt."

Das können wir gut verstehen, doch noch mehr werden sich über dieses Schreiben sicher die jetzigen Mitarbeiter des Senders "Radio Freies Europa" und "Radio Liberty" freuen, wenn sie erfahren, dass sie bei ihrer derzeit noch angespannteren Arbeit nicht alleine sind.

Im Zusammenhang mit dem geplanten terroristischen Anschlag auf die im Prager Stadtzentrum gelegene Rundfunkstation hat uns unser Hörer Engelbert Borkner aus Hildesheim verwundert gefragt, von welcher Seite dieser Anschlag eigentlich geplant gewesen sei, da - so Herr Borkner - "beide Rundfunkanstalten doch nur Sendungen für die osteuropäischen Staaten produzieren und von diesen dürfte wohl eigentlich keine Gefahr mehr ausgehen." Dazu können wir Ihnen, Herr Borkner, folgendes sagen: "Seit dem Zerfall des ehemaligen Ostblocks und dem Bemühen mehrerer postkommunistischer Staaten in Mittel- und Osteuropa um den Aufbau von Demokratie und Marktwirtschaft, hat sich der Sendeauftrag von ´Radio Freies Europa´ und ´Radio Liberty´ auch geändert. Beide Rundfunkanstalten strahlen ihre Programme nun nicht mehr nach Tschechien, Polen oder Ungarn aus, sondern in die ehemaligen Sowjetrepubliken im Kaukasus und in Mittelasien sowie neuerdings auch in den Nahen Osten. Dazu gehören Länder wie der Irak, Iran und Afghanistan. Die Programme werden in der jeweiligen Landessprache gesendet. Auch aus diesem Grund haben beide Sendeanstalten ihren neuen Sitz seit Beginn der 90er Jahre weiter östlich, nämlich in der tschechischen Hauptstadt Prag aufgeschlagen."


Herr Borkner hat uns aber auch seine Meinung zu den Anthrax-Anschlägen in den USA und der damit einhergehenden Panikmache auch in Mittel- und Westeuropa geschrieben. Wir zitieren: "Im Normalfall wäre das Auslaufen einer Flüssigkeit wie es jetzt gerade vor wenigen Tagen auf dem Prager Flughafen geschehen ist, kaum beachtet worden. Dazu kam dann wohl noch, dass das Gepäck zu einer Gruppe von Flugzeugpassagieren gehörte, die etwas fremdländisch aussahen, und schon war die Wachsamkeit doppelt so groß und man befürchtete wieder etwas Schlimmes. Natürlich sind jetzt wohl die meisten Menschen hellwach und notieren kleinste Ungereimtheiten. Aber es besteht auch die Gefahr, dass dieses zu einer Hysterie führen kann, und das wäre gefährlich."

Dem kann man nur zustimmen. Selbiges dachte sich wohl auch der Adressat unser diesmal am weitesten gereisten Post, Herr Prof. Dr. Akira Tone aus Inuyama in Japan. Herr Prof. Tone nimmt in seinem Brief Stellung zu einer Nachricht von Radio Prag, die darüber berichtete, dass eine an den tschechischen Premier Milos Zeman eingegangene verdächtige Postsendung weder radioaktiv noch chemisch gefährlich sei. Auf diese Nachricht reagierte Herr Tone mit diesen Zeilen: "Ich teile mit absoluter Mehrheit meiner Landsleute die Empörung über die barbarischen Taten der Terroristen gegen die Bürger der USA und die Abscheu gegenüber jeglichen Trittbrettfahrern im Zusammenhang mit weiteren Attacken mit Anthrax-Bakterien. Dass die verdächtige Sendung aus Japan stammen soll, erweckte meine Neugierde, nicht zuletzt deswegen, weil ich mich schon seit 1968 Ihrem Lande verbunden fühle. Wenn ich mich jedoch frage, wie viel von 126 Millionen Japanern wohl den Namen und die Postanschrift Milos Zemans kennen mögen und wissen würden, dass es sich um den Premierminister der Tschechischen Republik handelt, so muss ich gestehen, dass es mich als Universitätslehrer an der juristischen Fakultät in meinem Nationalstolz sehr erheben würde, wenn sich nur ein einziger Student hierüber als informiert melden könnte. Was ich Ihnen mitteilen möchte, ist folgendes: Die Post mag zwar in Japan aufgegeben worden sein, aber uns scheint wenig wahrscheinlich, dass ein Japaner die Post aufgegeben hätte."

Zum Abschluss unserer heutigen Sendung machen wir Sie mit einem etwas differenzierteren Schreiben zum Themenkomplex "Terrorismus und Militärschläge gegen die Terroristen in Afghanistan" vertraut. Es beinhaltet die Meinung von Herrn Gerhard Robrahn aus Berlin, der uns dies mitteilte: "Mit Ihren Sondersendungen zu den USA-Ereignissen haben Sie das getan, was man von Ihnen gewöhnt ist: informative und gut recherchierte Berichterstattung. Obwohl, ich sehe das Thema USA etwas anders. Warum soll ich eine Regierung als meinen Freund ansehen, der seit rund 200 Jahren mit fast allen Völkern Krieg führt. Passt das in unsere Zeit? Eine solche Regierung mein Freund? Nein danke!"

Dies also zum Abschluss die Meinung eines Andersdenkenden. Und wie ist Ihre Auffassung zu den hier zu Wort gekommenen Zeitgenossen bzw. zum Brennpunkt-Thema unserer Tage? Wenn Sie sich uns mitteilen wollen, dann schreiben Sie doch ganz einfach an: Radio Prag, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik oder mailen Sie uns unter: lmartin@cro.cz.