Hörerforum

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Wir begrüßen Sie zu unserem gemeinsamen Hörerforum. Vor zwei Wochen hatten wir Sie um Meinungsäußerungen darüber gebeten, welche Bedeutung heute - im Multimedia-Zeitalter - eigentlich das Radiohören und insbesondere der Kurzwellenempfang für Sie hat. Dank Ihrer zahlreichen Zuschriften und Anfragen werden wir uns in der heutigen Sendung voll und ganz diesem Thema widmen.

Zu Beginn allerdings fällt mir eine traurige Aufgabe zu: Am 21. Februar ist unser langjähriger Stammhörer Lothar Rinck im Alter von 81 Jahren gestorben. Er ist uns besonders dadurch im Gedächtnis, dass er unsere Sendungen nicht nur über Jahre hinweg aufmerksam verfolgte, sondern sich in zahlreichen Kommentaren auch dazu äußerte und uns dadurch ein kontinuierliches und für uns äußerst wertvolles feedback auf unsere Arbeit gab. Im Namen der gesamten Redaktion möchte ich den Angehörigen und Freunden von Lothar Rinck unser Mitgefühl ausdrücken.

Beginnen wir unser heutiges Radio-Forum mit Ihren Anfragen und Kommentaren.

Marcel Goerke/Eschweiler fragte uns:

Warum gibt es kein 4. und 5. Programm des Tschechischen Rundfunks? Waren Programme für 4 und 5 geplant, sind aber nie realisiert worden?

Ihre Vermutung, Herr Goerke, ist vollkommen richtig. Ursprünglich waren 7 Programme des Tschechischen Rundfunks vorgesehen, die sich aber u.a. aus finanziellen Gründen nicht realisieren ließen. Man blieb jedoch trotz des Wegfalls des 4. Und 5. Programms bei der ursprünglich geplanten Nummerierung der Sender, wodurch der Eindruck entsteht, es fehlten zwei Sender.

Von Enrico Heller aus Schweringen erreichte uns folgender Vorschlag:

Sie wollen Meinungen zu ihrem Programm? Hier ist meine Meinung: Der Programminhalt und die Themen sind gut ausgesucht und werden ausführlich behandelt. Ich vermisse allerdings eventuell eine Ecke für die "Schreibwütigen". Könnte man nicht Adressen von Hörern untereinander tauschen? Oder um eine Brücke zu Ihrem Land zu schlagen Adressen für Brieffreundschaften, um mit den Leuten aus Ihrem Land in Verbindung zu kommen?

Ohne Zweifel würde es unsere Kompetenz als Rundfunkstation überschreiten, wenn wir innerhalb unser ohnehin begrenzten Sendezeit künftig noch die Funktion einer Vermittlungsbörse für Brieffreundschaften übernehmen würden. Da wir aber natürlich den Meinungsaustausch unter unseren Hörern auch außerhalb der Sendezeiten von Radio Prag befürworten, hätten wir folgenden Vorschlag: Hörer, die ihre Adressen gerne an andere Hörer weitergeben möchten, könnten uns dies mitteilen und unsere Internet-Redaktion würde auf der Web-Seite von Radio Prag eine "Ecke für Schreibwütige", wie sie Herr Heller vorschlägt, einrichten. Wer also den Austausch mit anderen Hörern wünscht, könnte künftig durch einen Blick auf unsere homepage die Adressen derjenigen herausfinden, die daran ebenfalls interessiert sind.

Selbstverständlich wollen und werden wir Anschriften nur dann im Internet veröffentlichen, wenn Sie uns vorher selber damit beauftragt haben. Aber bevor es überhaupt dazu kommt, würden wir gerne Ihre Meinungen zu dem Vorschlag von Enrico Heller erfahren. Bereits vor zwei Wochen hatte sich Gerhard Robrahn aus Berlin ziemlich negativ über das Medium Internet geäußert, da dies die Hörer in zwei Gruppen spalte- eine mit und eine ohne Internetzugang.

Und damit sind wir bereits mitten in der Diskussion darüber, welche Bedeutung eigentlich das Radiohören für Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, im Internet-Zeitalter hat. Vorab möchten wir Gerhard Robrahn dafür danken, dass er mit seinem Beitrag den Anstoß für diese Diskussion geliefert hat.

Von Manfred Endler erreichte uns unter der Überschrift "Kurzwelle: Information oder Unterhaltung" die folgende Meinungsäußerung :

1. Ich möchte die Kurzwelle nicht missen, weil ich da viele Informationen aus verschiedenen Ländern erhalte. Informationen, über die bei uns oft nicht berichtet wird bzw. wo man aus dem betreffenden Land eben noch einen größeren Einblick bekommt.

2. Wenn die Sendungen unterhaltsam aufgemacht sind, vielseitig informieren, auch mit dem innewohnenden Humor, dann wird sie vielleicht, die Kurzwelle, noch besser angenommen. Dabei liegen Sie meiner Ansicht nach gut mit einem abwechslungsreichen Programm von Information, Unterhaltung, Kultur, Geschichte und auch Alltagsinformationen ua. Was das Internet betrifft, so ist dies für mich eine gute Ergänzung. Aber da ich das immer extra bezahlen muss, möchte ich nicht alle Nachrichten über Internet hören und lesen. Mal eine zusätzliche Information, eine Statistik dazu, eine Sache nochmals nachschlagen, da sie im Radio zu schnell vorbei ist, das kann ich über Internet.

Sowohl Information als auch Unterhaltung und beides ergänzt durch das Internet also. Alfred Hora aus Wien vertritt hierzu einen anderen Standpunkt:

Kurz gefasst, ich gehöre zu den Informationshörern. Obwohl es für mich ganz lustig und interessant ist, fallweise die Frequenzbänder durchzukurbeln um hineinzuhören, was man sonst noch alles empfangen kann.

Da für mich (leider) nur deutschsprachige Sendungen in Frage kommen, ist die Auswahl entsprechend eingeschränkt. Trotzdem bleibt noch genügend Auswahl von Sendern von Südamerika bis Japan, die uns aus ihren Regionen gut unterrichten. Im Internet Radio zu hören (zumindest bis jetzt), ist für mich keine Alternative. Bei Radio Prag ist der KW-Empfang in unserer Region fast Ortsqualität. Natürlich vollkommen problemlos ist der Astra-Empfang. Wozu sollte ich mich noch mit Internetempfang bemühen. Auch die Kosten würden bei vielfachem Einklinken ganz schön zu Buche schlagen. Schließlich sind die Minutengebühren nicht überwältigend, aber die Zeit läuft und Minuten werden zu Stunden. Und eine Stunde sind eben immer nur 60 Minuten!

Auch Herr Dr. Hansjörg Biener aus Nürnberg sieht im Internet keine ernsthafte Konkurrenz zum Radiohören:

Im Hörerforum haben Sie gefragt, wie die Hörer und Hörerinnen die Zukunft des Auslandsradios auf Kurzwelle einschätzen, wo es doch jetzt das Internet gibt. Ich gebe gerne zu, dass ich den einen oder anderen Sender auch schon über das Internet gehört habe. Allerdings handelte es sich da nicht um Auslandssender, sondern um Programme, die sonst in Europa nicht zu hören sind. Insofern kommt das Internetradio in der Tat nicht den Auslandssendern zugute. Wenn ich auf Internetseiten von Auslandssendern gewesen bin, dann wollte ich schauen, ob ich zu bestimmten Meldungen auch etwas Schriftliches finden würde. Auf die Idee, Audiodateien herunter zu laden, bin ich allerdings noch nie verfallen. Warum sollte ich mich noch einmal 10 oder 30 Minuten hinsetzen, um etwas zu hören, was ich schon einmal gehört habe? Und dann müsste ich es immer noch notieren. Ganz abgesehen davon spielt natürlich auch die Gebührenstruktur eine Rolle. Wer einen kostenlosen Zugang zum Internet hat, mag mit Internetradio und Audiodateien glücklich werden. Wer Gebühren bezahlt, wird sich überlegen, ob dieser Spaß es wert ist.

Fernand Seidel-Mersch aus Luxemburg äußerte sich generell zu unserem Vorschlag, das Hörerforum künftig auch als Plattform für die Diskussion unter unseren Hörern zu nutzen:

Ihre Bitte zur Stellungnahme zum Hörerforum habe ich gehört. Nun, da bin ich der Meinung, man sollte alles so lassen, wie es ist. Nach meiner Ansicht besteht die Gefahr, dass die Themen zerredet werden könnten. Außerdem sehe ich für dieses Vorhaben eine zu kurze Sendezeit. Das ist meine Auffassung.

Abschließen möchten wir die heutige Diskussion um das Radiohören mit dem Standpunkt von Hans-Jürgen Tausend aus Erding:

Meine Zeit lässt es jetzt wieder mehr zu, interessante Nachrichten und Informationen aus einem Nachbarland zu empfangen. Ich hoffe, die Kurzwelle bleibt uns noch ein wenig erhalten...

Ich denke, in dieser Hinsicht können wir alle beruhigt sein. Anzeichen für ein Verschwinden unseres Sendebereiches gibt es bislang keine - im Gegenteil:

Ich möchte zum Abschluss des heutigen Hörerforums nicht versäumen, Sie über eine Entwicklung in eigener Sache zu informieren: Radio Prag kooperiert seit kurzem mit anderen europäischen Kurzwellenstationen im Rahmen zweier Sendereihen, für die sich der gemeinsame Oberbegriff "Radio E (für Europa)" eingebürgert hat: Es handelt sich dabei erstens um die jeden Freitag von der Deutschen Welle ausgestrahlte "E-Conference", in der jeweils die Beiträge verschiedener europäischer Kurzwellenstationen zu einem gemeinsamen Thema gesendet werden. Es beteiligen sich daran - mehr oder weniger regelmäßig - die folgenden Rundfunkstationen: der Österreichische Rundfunk, das Schweizer Radio international, Radio Flandern, die Deutsche Welle, Radio Schweden, die BBC, Radio Budapest, Radio France internationale sowie Radio Finnland.

Themen der vergangenen Wochen waren beispielsweise die Bedeutung von Volksentscheiden sowie die Maul- und Klauenseuche.

Zum anderen beteiligen wir uns seit neuestem an der Sendereihe "Europa im Gespräch", die einmal pro Monat abwechselnd von einer der oben genannten Rundfunkstationen moderiert und ausgestrahlt wird. Auch hier geht es darum, ein im Voraus vereinbartes gemeinsames Thema aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Das Motto für den Monat März lautete beispielsweise "grenzüberschreitende Zusammenarbeit".

Und damit sind wir für heute am Ende unserer Sendezeit. Am Mikrophon bedankt sich Silja Schultheis für Ihre rege Teilnahme an der Diskussion und verabschiedet sic h bis zum nächsten Hörerforum in zwei Wochen.