Im Stift Tepl fanden die XII. Marienbader Gespräche statt

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"Christentum und nationale Identität - Spannungen und Herausforderungen" - so lautete das Motto der XII. Marienbader Gespräche, einer tschechisch-deutschen Konferenz, die unter Teilnahme von namhaften Intellektuellen aus beiden Ländern am Wochenende im Stift Teplá/Tepl bei Marienbad stattfand. Martina Schneibergova war dabei:

Die Konferenz, die alljährlich am ersten Wochenende nach Ostern stattfindet, wird von der Tschechischen christlichen Akademie und der Ackermann-Gemeinde mit Sitz in München organisiert. Die rund hundert Teilnehmer befassten sich z. B. mit den gemeinsamen christlichen Wurzeln der europäischen Integration, dem Problem des Nationalismus sowie mit der nationalen Identität und der gemischtnationalen Gesellschaft. In den Arbeitskreisen hat man sich eingehender mit den verschiedenen Aspekten der nationalen Identität befasst - vor allem damit, wofür und wogegen sie steht.

Den Gesprächen zufolge schien es, dass eher die Tschechen Probleme mit ihrer nationalen Identität haben. Denn es ist ihnen bisher nicht gelungen, ihre Vergangenheit zu bewältigen.

Den Präsidenten der Tschechischen Christlichen Akademie, Professor Tomas Halik, fragte ich zum Abschluss der Konferenz danach, worin die nationale Identität seiner Meinung nach besteht:

"Ich bin der Meinung, das wir immer zwischen dem Nationalismus und dem Patriotismus einen Unterschied machen müssen. Der Nationalismus ist eine Art von Fundamentalismus und er stellt eine große Gefahr für die Welt von morgen dar. Nationalismus ist auch eine gewisse Ersatzreligion, und gerade im christlichen Kontext, wenn wir über das Absolute etwas wissen, wenn wir Kontakt mit dem lebendigen Glauben haben, dann können wir diese nationale Identität nicht auf diese gefährliche Weise begreifen, sondern eher als einen positiven Beitrag zu einer Vielfalt. Europa muss ein vielfältiges farbiges Europa sein, und gerade die Christen können in diesem Kontext viel machen. Ich versuchte es, am Ende der Konferenz so zum Ausdruck bringen, dass wir uns durch die Persönlichkeiten - die großen Zeugen des christlichen Glaubens aus der letzten Vergangenheit (der Zeit der Auseinandersetzungen mit den totalitären Regimes des 20. Jahrhunderts) und zugleich authentische Zeugen des christlichen Glaubens von heute inspirieren lassen sollen - wie es z. B. der Begründer der Tschechischen christlichen Akademie, Josef Zverina, war, der von der Gestapo verhaftet worden war und dann auch viele Jahre in kommunistischen Gefängnissen verbrachte. Auch solche Leute sind für uns inspirierend."