„Immer wieder zurück nach Prag“ - Interview mit Jacqueline Fritz

Jacqueline Fritz (Foto: Autorin)

Sie ist Studentin der Europastudien an der Universität Passau und verbringt - nach einem Auslandsaufenthalt in Verona - einige Zeit als Praktikantin der Konrad-Adenauer-Stiftung in Prag. Nicht nur aufgrund Ihrer tschechischen Wurzeln zieht sie es immer wieder hier her zurück.

Jacqueline Fritz (Foto: Autorin)
Deine Mutter stammt aus Prag, dein Vater ist Deutscher und du selbst bist in Karlsruhe zweisprachig aufgewachsen. Wie würdest du dein Verhältnis zur Tschechischen Republik beschreiben?

"An erster Stelle würde ich mein Verhältnis über die Sprache definieren. Weiter bin ich durch meine Wurzeln mit dem Land und seiner Kultur verbunden. Ausserdem war ich sehr oft hier in Prag, zu Besuch bei meiner Familie."

Du kennst sowohl die deutsche als auch die tschechische Kultur, sprichst beide Sprachen fließend. Wie empfindest du das persönlich und worin spiegeln sich deiner Meinung nach Vor- und Nachteile?

"Meiner Meinung nach gibt es immer noch starke Vorurteile auf beiden Seiten. Für mich selbst ist es jedoch eine Bereicherung mit beiden Kulturen aufgewachsen zu sein. Ich möchte keine missen."

Dein Weg hat dich nach dem Abitur direkt nach Prag geführt. Dieses mal jedoch nicht nur aus privaten Gründen. Wie kam es dazu und wie hast du diese Zeit verbracht?

"Da ich davor immer mit meiner Familie hier war, war es für mich wichtig, festzustellen, ob ich ein persönliches Interesse an der Stadt und dem Land habe, das über meine Wurzeln hinausgeht. Deshalb wollte ich gerne mehr über die Kultur und Geschichte erfahren. So bin ich auf den Fremdenführerkurs aufmerksam geworden. Ich habe mich dadurch intensiv mit Tschechien auseinandergesetzt und habe vor allem die Stadt durch die Arbeit als Fremdenführerin noch mehr lieben gelernt. Zudem hat es mir Spaß gemacht, auch Touristen das Land, Leute und Geschichte näher zu bringen."

Seit 2008 studierst du in Passau Europastudien. Verfolgst du dabei dein Interesse an der tschechischen Sprache und deren Kultur und Geschichte weiter?

"Ja, mit dem Bohemicum (Wissenschaftliche Einrichtung an der Universität Regensburg für Tschechische Sprache und Kultur, Anm. d. R.), das von der Universität angeboten wurde, hatte ich die Möglichkeit, meine Interessen zu vertiefen. Dieses Programm konzentriert sich inhaltlich auf die Geschichte, Kultur und Sprache der Tschechischen Republik. Trotzdem habe ich mich für einen weiteren Schwerpunkt in meinem Studium entschieden, Italianistik."

Nach einigen Monaten an der Universität in Verona hast du dich für ein Praktikum hier in Prag entschieden. Wieso wieder in Prag?

"Prag ist eine Stadt die mich immer wieder anzieht. Hier wird es nie langweilig. Außerdem wollte ich gerne praktische Erfahrungen in meinem Studienbereich sammeln und Prag bot sich als Hauptstadt mit großem Kulturangebot an."

Warum hast du dich bei der KAS beworben?

"Einer meiner Studienschwerpunkte ist die Politikwissenschaft, obwohl ich mich erst mit meinem Studium konkret mit Politik auseinander gesetzt habe. Mir war es daher wichtig, in einer Einrichtung zu arbeiten, die sich mit der Vermittlung politischer Informationen beschäftigt. Die KAS hat in dieser Hinsicht meine Erwartungen erfüllt."

Bleiben wir beim Thema Politik. Wie präsentiert sich deiner Meinung nach die Tschechische Republik in der Europäischen Union?

"Ich sehe die Tschechische Republik ambivalent. Einerseits hat sie sich ihrem Beitritt zur EU 2004 klar für ihre Ziele und Werte ausgesprochen, andererseits, zeigt sie sich kritisch bis ablehnend."

In deinem Studium beschäftigst du dich nicht nur mit Politik, auch mit Literatur und Sprachwissenschaften. Hast du Vorstellungen in welchem Bereich du später arbeiten möchtest?

"Zurzeit bin ich noch unentschieden, da mir beide Bereiche viel Spaß machen. Am liebsten würde ich aber in einem Beruf arbeiten, der beides miteinander verbindet und wo ich meine Sprachkenntnisse einsetzen kann."

Könntest du dir vorstellen in Prag oder Tschechien zu arbeiten?

"Auf jeden Fall, ich sehne mich oft nach Prag und komme immer wieder gerne zurück. Die Hauptstadt bietet mir sehr viele Möglichkeiten, vor allem im kulturellen Bereich. Außerdem gefällt mir die Atmosphäre hier sehr gut. Es ist immer etwas los."

Im Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Polen. Sollte es zu einem Spiel zwischen Deutschland und Tschechien kommen, für welche Mannschaft schlägt dein Herz?

"Aus Prinzip würde ich lauter für die tschechische Mannschaft jubeln, aber so richtig entscheiden kann ich mich wohl nicht."

Prag
Du hast noch knapp einen Monat in Prag vor dir. Was erhoffst und wünschst du dir für diese Zeit?

"Soviel Erfahrungen wie möglich sammeln und nebenbei noch soviel Sonne wie möglich tanken."

Apropos Sonne. Wie würdest du diesen Satz beenden: „Prag ist für mich...“

"Ein Stück Heimat."