Internationale Forschungsstudie: Hitzewellen verschärfen Dürre auch in Tschechien extrem

Der Stausee Husinec in der Region Prachatice

Immer schneller verdunstet das Wasser aus der Natur, wenn es zu Hitzewellen kommt, wie das aktuell auch in Tschechien der Fall ist. Dabei regnet es durchaus hie und da. Wissenschaftler aus zwölf Staaten Europas haben sich in einer Studie mit dem Phänomen beschäftigt, und sie schreiben es dem Klimawandel zu. Auch ein Hydrologe von der Agraruniversität in Prag war an dem Forschungsprojekt beteiligt.

Oldřich Rakovec steht an einem Bach im Norden von Prag. Es ist der Únětický potok, der durch ein malerisches kleines Tal fließt und in die Moldau mündet…

Illustrationsfoto: Markus Spiske,  Unsplash,  Unsplash License

„Wenn man sich vorbeugt, sieht man, wie ein Teil des Flussbetts freigelegt ist. Und der Wasserstand ist vergleichsweise niedrig”, so der Hydrologe von der Tschechischen Agraruniversität in Prag (ČZU).

Steine, die ansonsten überspült sind, liegen derzeit trocken. Und die Wurzeln von Bäumen ragen aus dem Wasser heraus. Rakovec erläutert weiter:

„Im Frühling hat es nur wenig geregnet. Wenn man drei oder sechs Monate zusammennimmt, sind die Niederschlagsmengen zwar gering, aber nicht extrem niedrig. Der große Unterschied ist aber, dass die Atmosphäre heißer ist und dadurch mehr Wasser verdampft – und das geht auf die Rechnung des Klimawandels. Das heißt, die Feuchtigkeit verschwindet aus der Vegetation, dem Boden sowie den offenen Flussbetten und Seen.“

Übermäßige Verdunstung

Das betrifft nicht nur kleine Bäche wie den Únětický potok oder etwa wenige Regionen in Tschechien. Vielmehr ist Mittel- und Osteuropa weitläufig betroffen. Und das zeigt sich auch an den großen Flüssen wie der Donau oder etwa dem Rhein, wo wegen des niedrigen Wasserstandes der Umfang der Schifffahrt auf ein Zehntel reduziert werden musste. An der Donau wiederum hat Ungarn in der Nacht zum Sonntag sein Atomkraftwerk Paks abgeschaltet, weil nicht mehr genügend Wasser für die Kühlung vorhanden ist.

Kernkraftwerk Paks | Foto: Bernadett Szabo,  Reuters

Rakovec hat an einer Studie der Initiative World Weather Attribution mitgearbeitet, in der die Auswirkungen von Verdunstung in Europa untersucht wurden. Sarah Kew vom Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut ist eine der Autorinnen der Studie:

„Die Sommer in Europa verändern sich schnell. Unsere Studie zeigt, dass der Hauptgrund für die Trockenheit nicht mehr der fehlende Regen ist, sondern die extreme Hitze. Dadurch verdunstet das Wasser immer schneller aus dem Boden, als dies ohne Klimawandel geschehen würde. Mittlerweile hat sich die Erde schon um 1,4 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit erwärmt. Und wenn der Klimawandel weiter so voranschreitet und die prognostizierten 2,8 Grad erreicht werden, könnten sich diese intensiven Verdunstungsphasen verdoppeln. Damit würden solche Dürren zum gängigen Bestandteil des europäischen Klimas werden. Und das ist eine extrem beunruhigende Lage. Es braucht drastische Maßnahmen, um die Emissionen von Klimagasen einzuschränken.“

Schon dieses Jahr drohen Ernteausfälle. In Frankreich wird zum Beispiel die schlechteste Maisernte seit 50 Jahren erwartet. Und in Rumänien sind eine Million Hektar Ackerfläche verlorengegangen. In Westeuropa treten Dürren auf landwirtschaftlichem Boden wegen des Klimawandels laut den Wissenschaftlern inzwischen rund fünfmal so häufig auf. In Mittel- und Osteuropa, wo die aktuelle Trockenheit bereits seit sechs Monaten anhält, ist die Wahrscheinlichkeit sogar elfmal höher. Zudem steigt die Gefahr von Waldbränden. Nicht zuletzt sind die hohen Temperaturen lebensgefährlich, und so erhöht sich ebenso die Zahl der Hitzetoten.

Niedrigster Durchfluss in der Elbe

Oldřich Rakovec beobachtet als Hydrologe die Lage vor allem an den Wasserständen. Und er hat sich unter diesem Aspekt auch die Elbe angeschaut.

Elbe in Ústí nad Labem  | Foto: František Janačík,  Tschechischer Rundfunk

„Ich habe verglichen, ob 2026 schlimmer oder besser ist als die bisherigen Jahre, in denen es eine hydrologische Trockenheit gab. Also zum Beispiel 2018, 2022 und 2025. Und der Durchfluss in der Elbe lag diesen Frühling, etwa im April, Mai und Juni, durchschnittlich auf dem niedrigsten Niveau der genannten Jahre“, so der Experte.

Hydrologische Trockenheit bedeutet, dass der Wasserstand in Flüssen, Seen und im Grundwasser weit unter den langjährigen Durchschnitt sinkt. In einer solchen Lage wird es laut Wissenschaftlern immer wichtiger, die Wasserrückhaltefähigkeit der Landschaft zu erhöhen. Das bedeutet etwa, Feuchtgebiete zu erneuern, Flüsse und Bäche zu renaturieren und auch in den Städten mehr Versickerungsflächen zu schaffen.

Autoren: Till Janzer , Karolína Burdová
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