Ivan Kusnjer

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Liebe Hörerinnen und Hörer, herzlich willkommen bei einer neuen Ausgabe der Sendereihe "Heute am Mikrophon, sagen Ihnen Jürgen Webermann und Markéta Maurová. Diesmal ist einer der derzeit besten und berühmtesten tschechischen Opernsänger unser Gast, nämlich der Baritonist Ivan Kusnjer, der als Solist beim Nationaltheater in Prag wirkt. Ich habe mich mit ihm vor drei Wochen in der südmährischen Stadt Jihlava/Iglau getroffen. Die Stadt veranstaltete feierte damals den 140. Geburtstag des Komponisten Gustav Mahler, der dort seine Kindheitsjahre verlebte. Ivan Kunsnjer trat bei diesem Anlass an einem Liederabend auf und nahm den Gustav-Mahler-Preis entgegen. Wir haben uns daher natürlich über Mahler und sein Liederschaffen, aber auch über die Oper, die das Hauptmetier Ivan Kunsjers darstellt, oder die allgemeine Lage der Kultur unterhalten.

Der Baritonist sang im Iglauer Theater Lieder von Leos Janacek und Gustav Mahler. Hat er zu einem der beiden Komponisten eine engere Beziehung? - war meine erste Frage für ihn:

"Ich mag diese beiden Autoren sehr. Janacek - weil er sehr tschechisch ist, und sein Werk ein volkstümliches Spezifikum darstellt. Und Mahler, der hat mir seit jeher gefallen und ich habe ihn sehr geliebt; wegen der Liebe, die man in seinen Liedern findet, wegen der Poesie. Und ich wollte mich immer auch damit auseinandersetzen, dass es sehr schwer ist, Mahler zu singen. Ich weiß nicht, wie weit es mir gelungen ist. Jeder Künstler fasst das auf seine eigene Weise an.

Warum ist es so schwierig, Mahler zu singen?

"Mahler ist in Bezug auf den Gesang sehr gut geschrieben. Er legt aber große Ansprüche auf die technische Ausstattung des Sängers. Er verlangt z.B., in den Höhen leise zu singen, schreibt auf Fis, G piano oder im Gegenteil tiefe Töne vor, die einem Bariton nicht so gut klingen. Manchmal singen auch Frauen seine Lieder, aber meistens die Männer. Es ist schwer zu sagen, wer das gut macht, oder wie man das machen soll. Es steht ein Muster zur Verfügung, aber davon könnte man lange erzählen, wie ein jedes Lied zu erfassen, zu betrachten, zu bewältigen.

Natürlich drängt sich hier die Frage auf, wie sich damit Ivan Kusnjer auseinandersetzt?

"Bei Mahler ist selbstverständlich der Inhalt von großer Bedeutung. Ich bemühe mich, das was in den Noten geschrieben ist, auszudrücken. Wenn Mahler piano auf Fis vorschreibt, dann hat er natürlich Grund dafür. Und ich bemühe mich, das so zu machen, wie er das wollte. Aber die Gestaltung dieses Fis ist bei mir anders als bei einem anderen Sänger. Ich muss das anders interpretieren: Erstens weil ich beim Nationaltheater tätig bin und Oper und Lieder abwechselnd singe, was ein großer Unterschied ist. In der Oper spielt ein Orchester mit mir und ich muss darüber zu hören sein. Und hier, bei den Liedern mit Klavierbegleitung ist hingegen alles sehr transparent."

Wie wir gehört haben, löst sich in der Arbeit des Baritonisten das Lied mit der Oper ab. Gibt er den Vorzug einem dieser Genres?

"Ich würde nicht sagen, dass sich etwas bevorzuge. Alles ergibt sich daraus, dass ich hier, in dieser Region lebe. Ich lebe in Tschechien, und hier steht die Oper immer noch im ersten Plan. Für das Liederschaffen muss man das Publikum zunächst erziehen und ich würde sagen, das man damit schon in den Schulen anfangen soll. Man muss dafür reif werden. Es gibt natürlich Spezialisten, die sich mehr Kammerwerken widmen, d.h. Liedern mit Klavier- oder Orchesterbegleitung, und erst im zweiten Rang der Oper. Und darin beruht auch der Unterschied. Wenn man an einem Tag z.B. Verdis "Rigoletto" und am nächsten Tag etwa Smetanas "Küsschen" singen muss, und zwei Tage danach ein schweres Liederkonzert hat, dann muss er damit kämpfen. Es ist dann die Frage, wie Sie das betrachten: ob Sie für sich selbst singen, oder ob Sie den Zuhörern etwas bringen wollen. Die Lieder, dass ist aber eine ganz andere Welt als die Oper, man muss sich anders konzentrieren, die Technik ist anders, die Ausdrucksmittel kann man in der Oper nicht nutzen, weil er überhaupt nicht zu hören wäre."

Worin sieht der Sänger die Ursache dafür, dass in unserer Region die Vorliebe für die Oper überwiegt?

"Es liegt wohl daran, dass das Publikum die Lieder nicht so gut kennt. Ich bin aber nicht der Meinung, dass sich das erfüllt hat, was man nach der Wende sagte, nämlich dass in diesem Bereich Not herrschen werde, dass die Kultur zu Grunde gehen werde. Ich muss sagen, dass es mir nicht scheint, dass die Kultur zum Kuckuck ginge. Sie ist relativ sehr gut dran. Was ich jetzt sage, kann einigen Leuten nicht gefallen. Aber schauen Sie sich selbst um, wie viele kleine Schauspielbühnen in Prag und in Regionen entstanden sind, schauen Sie, was für Konzerte heute in Prag gegeben werden. Ich kann es vor allem in Prag beobachten, weil ich in Prag lebe. Ich kann nicht so gut beurteilen, wie die Lage in kleineren Städten wie Jihlava oder Èeské Budejovice aussieht. Aber es scheint mir, dass auch hier das Liedergenre allmählich durchdringt. Es kommen hier auch renommierte Künstler von der Welt an. Sie zeigen uns, wie sie das interpretieren, wie sie das machen. Nicht wie wir das machen sollen, sondern wie ihre Vorstellung ist."

Am Mikrophon war der Solist des Nationaltheaters in Prag, Ivan Kunsjer. Da aber für einen Sänger seine Stimme am besten spricht, wenn er singt, beenden wir unsere heutigen Sendung mit einem Lied des fahrenden Gesellen von Gustav Mahler. Es singt Ivan Kusnjer.

Autor: Jürgen Webermann
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