"Kaadener Tragödie" - ein tschechisch-deutsches Seminar

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Willkommen zu einer neuen Ausgabe der Sendereihe Begegnungen, am Mikrofon begrüßt Sie Martina Schneibergova. In unseren Sendungen haben wir Ihnen schon einmal die Studentenbewegung Antikomplex vorgestellt, die sich auch als Bewegung gegen Fremdenhass bezeichnet. Am vergangenen Freitag haben die Mitglieder von Antikomplex ein tschechisch-deutsches Seminar zum Thema der Tragödie von Kaaden organisiert.

Am 4. März 1919 - also kurz nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik - spielte sich im nordwestböhmischen Kadan/Kaaden ein höchst tragisches Ereignis ab, das unter dem Begriff "die Tragödie von Kaaden" in die Geschichte eingegangen ist. Was genau damals in Kaaden passiert ist und wie die Stellung der Deutschen im tschechoslowakischen Staat kurz nach seiner Entstehung im Jahre 1918 war - mit diesen Fragen befassten sich tschechische und deutsche Historiker, Archivare und Politologen am Freitag bei dem erwähnten Seminar. Matej Spurny, Mitglied der Bewegung Antikomplex, begründete die Wahl des Seminarthemas gegenüber Radio Prag:

Die brutale Unterdrückung der Demonstration in Kadan hatte 25 Menschenleben aus den Reihen der Demonstranten gekostet. Wer dafür die Verantwortung trug - danach fragte ich Professor Zdenek Karnik von der Karlsuniversität:

"Ich glaube, wenn Tote auf der anderen Seite gefallen sind, dann kommt der ersten - d.h. der tschechischen Seite die größere Schuld zu. Meiner Meinung nach kann jedoch die Frage nicht so gestellt werden, es ist eher notwendig zu erläutern, warum es dazu kam. Es ist notwendig, nach den Hauptursachen zu suchen und wenn diese gefunden und eingestanden werden, kann man erreichen, dass ähnliche Ereignisse als historische Tatsache bewältigt werden und dass so etwas nie mehr passiert. Ich meine, dass es auch damals im Jahre 1919 Menschen gab, die sich um diese Bewältigung bemühten, das halte ich für das Aller wichtigste."

Soweit Professor Karnik. Während des Seminars wurde auch die Frage diskutiert, in wie weit die Ereignisse von 1919 in die Lehrbücher miteinbezogen wurden. Dazu noch einmal Matej Spurny: