Kriegsveteran Jindra erinnert sich ungern an die Erlebnisse beim D-Day

Leonard Jindra (Foto: Lenka Kabrhelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Der D-Day ist in der Weltgeschichte untrennbar verknüpft mit der Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg. Das war am 6. Juni 1944, also vor 70 Jahren. An dieser Militäroperation nahmen auch mehrere Tschechen teil. Einer von ihnen ist der 93-jährige Tschecho-Amerikaner Leonard Jindra.

Leonard Jindra (Foto: Lenka Kabrhelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Er wolle lieber nicht mehr daran denken und auch nicht darüber sprechen. Denn das sei eine sehr unliebsame Geschichte, sagt Leonard – sein ursprünglich tschechischer Vorname war Ladislav – Jindra im Tschechischen Rundfunk auf die Frage nach seinen Erinnerungen an den D-Day. Als 16-Jähriger emigrierte er 1937 in die Vereinigten Staaten, nach Kriegsbeginn meldete sich der junge Tscheche als Freiwilliger zur US-Army. Sein hauptsächliches Motiv dafür war, der in der okkupierten Tschechoslowakei zurückgebliebene Familie – der Mutter und den zwei Brüdern – zu helfen. Mit der Landung der Alliierten in der Normandie kehrte er erstmals ins kontinentale Europa zurück:

Küstenabschnitt Omaha (Foto: ČTK)
„Ich war nach England geschickt worden, wo wir uns intensiv auf den D-Day vorbereitet hatten. Dort war ich fast zehn Monate, bevor wir mit unserer Division in die Normandie zum Küstenabschnitt Omaha übersetzten.“

Dieser Abschnitt war einer von zwei Sektoren, den die Amerikaner einzunehmen hatten. Er gilt bis heute als Synonym für eine besonders blutige Schlacht. Die amerikanische Infanterie erreichte ohne Rückendeckung durch schwere Technik die französische Küste, denn die Mehrzahl der Panzer war bei schlechtem Wetter und hohem Wellengang im Ärmelkanal versunken. Seine traumatischen Erlebnisse wolle er nicht beschreiben, doch eines habe er sich damals geschworen – einen Krieg wolle er nicht mehr erleben:

Quelle: Archiv des Tschechischen Rundfunks, Wikimedia
„Zwei Monate wurde um die Küste und ihr Hinterland gekämpft. Dabei wurde ich schwer verletzt. Zweimal hat mich ein Schrapnell getroffen. Man operierte mich und brachte mich zurück nach England, wo ich genesen sollte. Nach zwei Monaten wurde ich zurück an die Front nach Frankreich geschickt.“

Jindra verbrachte den Rest seines mehr als zweijährigen Kriegseinsatzes in Frankreich, wegen seiner Verletzung hat er die Tschechoslowakei damals nicht mehr erreicht. Die Gedanken an die Verwandten und seine Heimat aber hätten ihn selbst in den schlimmsten Momenten nie verlassen:

„Natürlich denkt man selbst im größten Bombenhagel: Ich werde nicht getötet, es wird andere treffen. Ich dachte stets daran, dass ich, wenn alles vorbei ist, meine böhmisch-mährische Heimat besuchen und dabei auch meine Mutter wiedersehen würde.“

Leonard Jindra (Foto: Lenka Kabrhelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Seiner Mutter und seinen beiden Brüdern ist Leonard Jindra erst einige Jahre nach dem Krieg wieder begegnet, in einer Zeit, in der die Tschechoslowakei bereits wieder von einer Diktatur regiert wurde. Aber auch in die Normandie kehrte er mehrere Male zurück. Die dort stattgefundenen Kriegsereignisse aber würde er gern aus seinem Gedächtnis löschen – ganz im Gegensatz zu den Erinnerungen an das Landschaftsgebiet um den Fluss Sazáva, den heimatlichen Gefilden seiner Kindheitstage.