Kritik wird lauter: Visegrad-Staaten fordern gleiche Lebensmittelqualität für alle

Foto: Pixabay, CC0

Weniger Fett in der Margarine, Sirup statt Zucker in der Cola oder der geringere Fleischgehalt bei Dosenfleisch – solche Unterschied weisen Produkte derselben Firma in Tschechien und in Deutschland beziehungsweise Österreich auf. Die vier Visegrad-Staaten haben die Europäische Kommission nun aufgerufen, gegen die unterschiedliche Lebensmittelqualität innerhalb der EU vorzugehen.

Foto: Pixabay,  CC0
Er kämpfe schon seit zwei Jahren gegen diese Täuschung der tschechischen Verbraucher auf dem Lebensmittelmarkt. Dies sagte Landwirtschaftsminister Marian Jurečka (Ano) neulich im Tschechischen Fernsehen. Der Grund: 2015 hätten Untersuchungen eines Prager Instituts ergeben, dass Lebensmittelkonzerne ihre Waren nach Deutschland und Tschechien in unterschiedlicher Qualität liefern. Und die hierzulande sei die schlechtere, so der Agrarminister:

„Das Problem liegt darin: Der Verbraucher sieht dasselbe Produkt vom selben Hersteller mit der gleichen Verpackung und Aufschrift in Deutschland. Dort probiert er dessen Qualität und ist begeistert von der Spitzenklasse. Dann aber kommt dieselbe Ware nach Tschechien oder in die Slowakei und hat eine ganz andere Zusammensetzung.“

Robert Fico  (Foto: Filip Jandourek,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Die differenzierten Vergleichsdaten habe er bereits mehrfach bei Tagungen der EU-Landwirtschaftsminister angesprochen, doch ohne Erfolg. Dies sei ein kleines lokales Problem, habe er hören müssen, so Jurečka. Deshalb begrüße er, dass dieses Thema jetzt auf höchster politischer Ebene der vier Visegrad-Staaten aufgegriffen wurde. Beim jüngsten Treffen der Regierungschefs aus Tschechien, Polen, Ungarn und der Slowakei in Warschau machte sich der slowakische Premier Robert Fico zu ihrem Wortführer:

„Uns soll doch bitteschön niemand sagen, dass wir Reisenden aus den Ländern der Visegrad-Staaten in der Business Class säßen, wenn wir in Wirklichkeit in der billigsten Klasse sitzen.“

Mit seiner bekannt markigen Wortwahl wollte Fico klarstellen, man solle die Staaten des ehemaligen Ostblocks nicht für dumm verkaufen. Sie würden in der Europäischen Union in bestimmten Fragen nicht gleichbehandelt, und der Qualitätsunterschied bei Nahrungsmitteln sei erneut ein Beispiel dafür. Die großen Lebensmittelkonzerne und Handelsketten, die zumeist aus dem Westen kommen, aber bleiben gelassen. Eines ihrer Argumente heißt: Geschmäcker sind verschieden, und das auch je nach Land. Das aber lässt Agrarminister Jurečka so nicht stehen:

Marian Jurečka  (Foto: Filip Jandourek,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Ich bin bereit zuzugeben, dass zum Beispiel in Großbritannien die Verbraucher andere geschmackliche Prioritäten haben. Aber wenn mir jemand damit kommt, dass solch markante Unterschiede auch zwischen Tschechen und Österreichern bestehen, kann ich nur den Kopf schütteln. Zumal aus der gemeinsamen Zeit in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie eine sehr ähnliche Kultur in der Gastronomie herrührt.“

Petr Havel ist ein anerkannter Lebensmittelexperte. Mittlerweile hat er sich der noch sehr jungen rechtskonservativen Partei Realisté angeschlossen. Er hat die Aussage des Agrarministers an einem Beispiel zumindest angezweifelt. Im Fernsehen aber verwies er auf einen ganz anderen Aspekt, der hierzulande bei dieser Diskussion nur allzu gern vergessen würde:



Foto: Michaela Vydrová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks
„Alles nur in das Verhältnis zu setzen, das ist schwarz und dies ist weiß, das gibt es nicht auf dem Markt. Deswegen glaube ich auch, dass die Mehrzahl der westlichen Länder dies nicht als das eigentliche Problem ansieht. Denn in diesen Ländern besteht eine viel engere Bindung zwischen dem Verbraucher und seinem Lebensmittelproduzenten. Das heißt, beide haben Vertrauen zueinander. Der Verbraucher kauft deshalb bei seinem Lieferanten die Ware getrost auch in einer anderen Verpackung, weil er weiß: Das ist ein korrekter Hersteller.“

Bei der gemeinsamen Erklärung der Visegrad-Staaten hielt sich Polen übrigens deutlich zurück. Der Grund: In Polen gibt es das Problem kaum, da 90 Prozent der dort angebotenen Lebensmittel von heimischen Herstellern kommen.