Litomysl

Schloss in Litomyšl (Foto: CzechTourism)

Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, zu einer weiteren Ausgabe von Regionaljournal. Diesmal wieder, wie an jedem ersten Samstag im Monat, an dem die Regionalserie gesendet wird, zu einer Quizausgabe. Wir setzen unsere Quizreihe fort, in der wir uns immer einer der acht tschechischen Städte widmen, die sich zu dem Verein Tschechische Inspiration zusammengeschlossen haben. Und welche der noch nicht besuchten Städte heute daran ist, das verraten wir Ihnen gleich. Durch die Sendung führt Sie Dagmar Keberlova.

Schloss in Litomyšl (Foto: CzechTourism)
Einige von Ihnen, liebe Freunde, werden das Ziel unseres heutigen Regionalausflugs auf den Spuren der Tschechischen Inspiration bereits kennen. Dies ist aber bei solch wunderschönen Städten wie dem ostböhmischen Litomysl praktisch nicht zu vermeiden. Litomysl ist zweifelsohne eine der Städte, die zufällig Menschen nicht einfach an ihr vorbei fahren lassen. Diese Stadt hat eine unglaubliche Anziehungskraft, die nicht nur durch ihre perfekt erhaltenen historischen Häuser gegeben ist, sondern auch durch das, was jede Stadt lebendig und unvergesslich macht- den Genius loci. Wer einmal dort war, möchte immer wieder zurückkommen, um wieder über die Promenade zu spazieren und am Abend die vollen Farben der Häuser bei einem Kaffee zu genießen. Nicht umsonst wurde hier Bedrich Smetana geboren, der gleichzeitig auch der berühmteste gebürtige Einwohner der Stadt ist und der sie auch über die Grenzen Tschechiens hinaus berühmt gemacht hat. Litomysl gilt als Musikstadt, aber die Stadt hat durchaus mehr zu bieten, verrät Blanka Brydlova, die im Informationszentrum der Stadt arbeitet:

"Unsere Stadt ist nicht nur eine Musikstadt, sondern auch eine historische und kulturelle Stadt. Auch moderne Architektur ist in unserer Stadt wichtig, so kommen die Touristen nicht nur wegen der Musik und Kultur hierher, sondern auch wegen der modernen Architektur."

Über die Sehenswürdigkeiten in Litomysl spricht weiter Frau Brydlova:

Marktplatz in Litomysl (Foto: Sokoljan, CC BY-SA 3.0 Unported)
"Wir empfehlen den Besuchern das Schlossareal zu besuchen, das in die UNESCO-Liste aufgenommen wurde und dessen Bestandteil das Geburtshaus von Bedrich Smetana ist. Um das Schloss zu besichtigen, stehen den Besuchern zwei verschiede Rundgänge zu Verfügung. Mehrere Museen gibt es in Litomysl, die besucht werden können, beispielsweise das Museum der antiken Architektur und des Bildhauerei. Ein weiteres interessantes Objekt ist das sog. Portmoneum, was das Museum von Josef Vachal ist. Ein neues Objekt, das im Mittelpunkt des Interesses der Besucher steht, sind jetzt die neu renovierten Klostergärten. Auch die Kirchen sind besuchenswert."

Und wie können sich die Besucher orientieren und etwas über die Geschichte der Stadt erfahren? Manche nehmen ein Buch zur Hand, manche können auf die Dienstleistungen des Informationszentrums zurückgreifen, meint Frau Brydlova. Dieses bietet einen einstündigen Rundgang mit ihren Reiseleitern durch die Stadt und anschließend helfen sie, Eintrittskarten für die historischen Objekte zu bekommen - je nach Interesse des Besuchers. Ich fragte Blanka Brydlova weiter, ob es für ausländische Besucher, aufgrund der möglichen Sprachbarrieren, schwierig sei, an den Rundgängen teilzunehmen. Sprachen wären kein Problem, meinte sie:

Foto: Pudelek, CC BY-SA 3.0 Unported
"Direkt im Informationszentrum wird der Reiseführerservice gesichert. Bei uns gibt es Reiseleiter, die englisch, deutsch und russisch sprechen."

Den Namen des berühmten tschechischen Komponisten Bedrich Smetana muss man bestimmt nicht weiter erklären, was bei dem zweiten Namen, Josef Vachal, den Frau Brydlova erwähnt hat, nicht der Fall ist. Deshalb habe ich sie gebeten, mir diesen zu erläuten:

"Das Portmoneum ist das Museum des Malers Josef Vachal. Es gibt dort Wandzeichnungen, die der Verlag Paseka restaurieren lies und nun ist es ein sehr gut besuchtes Museum. Vachal war neben seiner Tätigkeit als Maler auch Mystiker und Schriftsteller."

Schloss in Litomyšl (Foto: Zdeňka Kuchyňová)
Bei dem Verlag Paseka, der in Litomysl seinen Sitz hat fällt mir ein, dass auch die schriftstellerische Tradition in Litomysl sehr ausgeprägt ist. Dies bestätigt mir ein schlaues Buch über Litomysl, das an die 20 aus Litomysl stammende Schriftsteller nennt. Und das Literaturproduktion nicht nur der Vergangenheit in Litomysl angehört oder mit dem Verlag Paseka erledigt ist, bestätigt auch das Teehaus, dass eine höchstwahrscheinlich Weltrarität überhaupt darstellt. Und zwar nicht dasTeehaus selbst, sondern eine Sammlung, eine Bibliothek von unveröffentlichten Manuskripten. Der Autor der Idee, Kamil Novotny, von Beruf Fotograf, zu seinen weiteren Aktivitäten gehören ein kleiner Verlag und das seit einem halben Jahr eröffnete Teehaus, das die Brautigan - Bibliothek beherbergt, sagt, dass er mit der Gründung die literarische Tradition der Stadt beleben und an sie anknüpfen wollte. Jeder kenne Litomysl nur als eine Musikstadt, wobei sie genauso gut als eine Literaturstadt bezeichnet werden kann. Schon wenn man durch die Stadt spaziere, müsse es anhand der Gedenktafeln jedem auffallen. Die Brautigan-Bücherei, seine weitere literarische Aktivität in Litomysl, wurde zum Jahrestag des amerikanischen Schriftstellers Richard Brautigan gegründet. Es handelt sich hierbei um eine Bibliothek, die bislang unveröffentlichte Manuskripte verschiedener Autoren sammelt. Herr Novotny fand die Idee, die schon einmal in den USA ins Leben gerufen wurde, dann aber wieder aufhörte zu existieren, interessant und dachte sich, er müsse so etwas auch in Tschechien machen. Seinen Informationen zufolge könnte es sein, dass die Bücherei in Litomysl - nachdem die in den USA geschlossen wurde - die einzige ihrer Art auf der Welt ist. Das Teehaus im Museum von Litomysl , das ein Treffpunkt vor allem für junge Menschen ist, wurde Ende vergangenen Jahres eröffnet. In die Renovierungsarbeiten hat die Stadt eine Million Kronen investiert, die sie für den Titel "Historische Stadt des Jahres 2000" bekommen hatte.

Aber zurück zu unserer lieben Reiseleiterin durch Litomysl. Warum war Litomysl interessiert daran, bei dem Bunde der Tschechischen Inspiration dabei zu sein? Blanka Brydlova antwortet:

"Litomysl war bei der Bildung des Verbandes dabei, der ursprünglich aus 7 Städten bestand. Diese Städte, heute 8, arbeiten zusammen und schaffen gemeinsam ein kulturelles Angebot sowohl für tschechische als auch für ausländische Touristen, um all diesen zu zeigen, dass wir auch einiges anzubieten haben."

Und nicht nur die Stadt Litomysl selbst hat einiges zu bieten. Die malerische Umgebung, die sich in den Werken von zwei berühmten tschechischen Komponisten widerspiegelt, Bedrich Smetana und Bohuslav Martinu, die beide mit ihr verbunden waren, hat noch heute viel zu bieten. Frau Brydlova hierzu weiter:

"Auf jeden Fall empfehle ich den Besuch des Schlosses Nove Hrady, der jetzt neu im Rokokostil rekonstruiert wurde. Mit zwei Galerien, einer Konditorei und einem guten Restaurant ist es ein angenehmer Ausflug. Radfahrern möchte ich die Sandsteinfelsen Budislavske skaly und den Aussichtsturm Kozlovsky kopec, in dessen Nähe das Geburtsdorf des Malers Max Svabinsky liegt, empfehlen."

Unser Besuch in Litomysl ist fast zu Ende. Bevor wir uns von der Stadt und unserer lieben Leiterin verabschieden, fragte ich sie nach einer subjektiven Stellungnahme zu ihrer Stadt:

"Litomysl hat sich in den letzten 12 Jahren bestimmt sehr verändert und das vor allem dank unseres Bürgermeisters, der sich bemüht, die Stadt zu pflegen und verschönern. Er treibt hierzu auch die notwendigen Finanzmittel auf. Ein wichtiger Bestandteil dessen ist der Fremdenverkehr, der von Jahr zu Jahr steigt, auch dank der Eintragung des Schlossareals in die UNESCO-Liste."

Die Tore der Stadt fallen zu und auf uns wartet draußen noch die heutige Quizfrage. Diese lautet: Nennen Sie zwei wichtige Persönlichkeiten, die in Litomysl geboren wurden. Ihre Antworten erwarten wir wie gewohnt unter Radio Prag, Vinohradska 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik.

Durch das Regionaljournal führten Sie und auf ein Wiederhören in zwei Wochen freuen sich Katrin Sliva und Dagmar Keberlova.

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