"Mozart toujours" - ein Musikmarathon der besonderen Art

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Verehrte Hörerinnen und Hörer, im heutigen Kulturspiegel begeben wir uns in die Welt der kostbaren Klänge. Am vergangenen Wochenende konnten sich Liebhaber klassischer Musik an einem Mozart Marathon nämlich richtiggehend satt hören. Verschiedenste Konzert im Palais Lichtenstein auf der Prager Kleinseite, dem Sitz der Musikakademie waren ausschliesslich Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet. Das Festival " Mozart toujours" wird alljährlich in Salzburg veranstaltet und bereits zum zweiten Mal in der Mozart Stadt in Prag. Durch die Sendung führt Sie in den folgenden Minuten Marcela Pozarek.

Zuerst wollen wir Ihnen aus einem Brief von Wolfgang Amadeus Mozart zitieren, den er am 15. Januar 1787 aus Prag schrieb:

"Ich sah aber mit ganzem Vergnügen zu, wie alle diese Leute auf die Musik meines Figaro, in lauter Contretänze verwandelt, so innig vergnügt herumsprangen, - denn hier wird von nichts gesprochen als vom Figaro, nichts gespielt, geblasen, gesungen und gepfiffen als Figaro, keine Oper besucht als Figaro und ewig Figaro - gewiss grosse Ehre für mich."

Wovon sich vor über zweihundert Jahren Mozart anlässlich des fulminanten Erfolgs seiner Oper " Die Hochzeit des Figaro" hinreissen liess, gilt auch für das Projekt "Mozart toujours", denn es wurde während zweier Tage nichts anderes gespielt, gesungen und geblasen als Mozart. Mit einem unkonventionellen, ideenreichen Programm haben Musiker aus aller Welt es sich neben der Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation mit Sitz in München zur Aufgabe gemacht, Mozarts Musik in einer entspannten und publikumsnahen Konzertatmosphäre den Zuhörern näher zu bringen. Wie dies konkret aussah, können wir Ihnen an den Ausführungen des Pianisten Rolf Mäser zeigen, die unter dem Motto: "Wieso klingt Mozart so, wie er klingt ?" über die Bühne ging. Mäser erläuterte an Musikbeispielen wie sich Mozart in seiner C Dur Sonate von Haydns C Dur Phantasie beeinflussen liess: Gleich nach dem Konzertnachmittag mit Rolf Wäser bat ich den Pianisten um ein Gespräch: Das Festival "Mozart toujours" bot die Möglichkeit Wolfgang Amadeus Mozart in seiner ganzen kompositorischen Bandbreite kennen zu lernen, Opernsänger weihten einen in die Tücken und Tricks schwieriger Partien ein und man konnte sich auch mit der historischen Aufführungspraxis vertraut machen, beispielsweise mit den Finessen und den spröden Klangfarben von Hammerklavieren. Die einfallsreichen Konzerte wurden von zahlreichen Mozartfans besucht, zwischendurch konnte man sich mit Kaffee und Kuchen verköstigen und so verging das Wochenende mit einer spannenden musikalischen Reise, die Ende Januar in Mozarts Geburtstadt Salzburg stattfand und Anfang Februar bereits zum zweiten Mal in Prag. Der für das künstlerische Programm zuständige Musiker Kurt Widmer, ein Baritonist führte Radio Prag gegenüber aus, was das reizvolle an Mozarts Musik ist: Sie hörten gerade in der Rolle des Arabce den Tenor Dieter Wagner. Er findet die spezielle Festivalatmosphäre, dieses "Mozart für jedermann" besonders reizvoll. Eduard Mörike schreibt in seiner Novelle " Mozart auf der Reise nach Prag":

"Im Herbst des Jahres 1787 unternahm Mozart in Begleitung seiner Frau eine Reise nach Prag, um Don Juan daselbst zur Aufführung zu bringen. Am dritten Reisetag, gegen elf Uhr morgens fuhr das wohlgelaunte Ehepaar, noch nicht viel über dreissig Stunden von Wien entfernt, in nordwestlicher Richtung jenseits vom Mannhardsberg und der der deutschen Thaya bei Schrems, wo man das schöne Mährische Gebirg bald vollends überstiegen hat."

Mozart selbst dirigierte in Prag den "Figaro", seine Sinfonie D-Dur, genannt die Prager erklang hier zum ersten Mal. In der Bertramka, einer Villa aus dem 17.Jahrhundert im Stadtteil Smichov, legte Mozart letzte Hand an die Don Giovanni-Partitur, im Stände-Theater wurde sie am 29. Oktober 1787 uraufgeführt. Laut Theaterzettel trug die Oper damals einen stark moralisierend Titel, nämlich " Der gestrafte Ausschweifende". Hören Sie nun den Beginn der Arie von Leporello " Madamina, il catalogo e questo" aus "Don Giovanni"...

Vom Festivalleiter Kurt Widmer wollte ich wissen, wie "Mozart toujours" in Salzburg vom Publikum aufgenommen wurde: Brilliant aber nicht auf Effekthascherei aus, war die Aufführung von Mozarts "Requiem", an dem sich das Barockensemble La cetra aus Basel, sowie der Anton-Webern-Chor aus Freiburg im Breisgau beteiligte. Hören Sie also zum Schluss unserer heutigen Musiksendung noch einen Live- Mitschnitt von Mozarts "Requiem", das man am vergangenen Samstag und Sonntag im Martinu-Saal der Musikakademie in Prag aufführte. Das war der Kulturspiegel, diesmal zusammengestellt von Marcela Pozarek, Radio Prag verabschiedet sich von Ihnen, bis zum nächsten Mal. Sie hörten die Auslandssendung des Tschechischen Rundfunks.

Autor: Marcela Pozarek
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